Erfahrungen mit dem Leben auf dem Lande im Dorf Buraemi in Icheon  open the window of AOD

2010-04-13

Es ist ein warmer Frühlingsmorgen, an dem die Sonne hell und klar ihre Strahlen auf eine Landstrasse fallen läßt. Hier ist ein ganz gewöhnliches Dorf in Icheon, in der Provinz Gyeonggi.

Die Fahrzeuge, die die staubige Strecke hinter sich gebracht haben, sind an ihrem Ziel angekommen. Voller Aufregung entspringen Familienangehörige den Wagen. Schon bald hat sich das beschauliche Dorf mit Besuchern aus der Stadt bevölkert.

Ich bin in den vergangenen drei Jahren jedes Jahr mit anderen meiner Familien hier gewesen. Da wir in der Stadt leben, kennen wir Landleben nur aus Büchern, -wir hatten keine Gelegenheit, unser Umland kennenzulernen. Selbst meine Heimatstadt hat alles Ländliche verloren. Jedem schien es hier zu gefallen, mal so richtig das Leben auf dem Lande zu erleben. Ich lebte früher auch auf dem Lande.

Allein dem Besucher dieses Bauernhofs wird bewußt, dass die besondere Anziehung dieses Dörfchens in den weiträumigen Äckern und den schlichten Frühlingsblumenfeldern besteht. Dieses altehrwürdige Dorf ist wie jedermanns Heimatstadt und vermittelt bei jedem Besuch von Neuem ein Gefühl von Wärme. Darum wimmelt das „Dorf Buraemi“ in Icheon, Provinz Gyeonggi, an diesem Frühlingstag erneut von Städtern.

Es kommt nicht so häufig vor, dass man ganz in der Umgebung der Vorstädte der Hauptstadt eine unterentwickelte Stadt vorfindet, bis zu der man höchstens eine Stunde Fahrt braucht. Doch dank seiner bedächtigen Entwicklung war das Dorf in der Lage sein typisch gemütliches und friedliches Äußeres zu bewahren. Diese landwirtschaftlich geprägte Region ist berühmt für ihre intakte „natürliche Umgebung“. Hier ist Lee Gi-yeol, Vorsteher von Buraemi.

In diesem Dorf leben insgesamt 70 Einwohner verteilt auf 28 Haushalte. Es ist ein kaum entwickeltes bescheidenes Dorf. Das Bauernhoferlebnisprogramm gibt es jetzt seit acht Jahren. Da alle Einwohner unseres Dorfes ein und demselben Familienstamm angehören, klappt die Zusammenarbeit untereinander gut. Wir stehen einander auch in schweren Zeiten bei.

Dank des passenden Klimas und des fruchtbaren Bodens schlossen sich die Einwohner zusammen und einigten sich darauf, das Dorf ganz in seiner jetzigen Form zu bewahren. Auf diese Weise wurden die „Bauernhoferlebnisprogramme“ entwickelt, und erlangten durch Mundpropaganda Bekanntheit. Heutzutage sind diese Programme unter Stadtbewohnern sehr beliebt. Hier ist Lee Sang-taek, der für allgemeine Angelegenheiten der Stadt zuständig ist.

Letztes Jahr besuchten ungefähr 28.000 Menschen das Dorf. Die meisten sind gewöhnliche Besucher. Einige kommen sogar mehrmals im Jahr. Fast 30 bis 40 Prozent kommen zum zweiten Mal hierher. Die Bauernhoferlebnisprogramme sind sehr beliebt, besonders das Ernteerlebnis.

Das Dörfchen zählte immer zu den fünf Besten unter den Dörfern in ganz Korea, die verschiedene Erlebnisprogramme anboten. Zusätzlich zu umweltschutzorientierter Landwirtschaft haben die Einwohner den Jahreszeiten angepaßte Programme entwickelt, die für diese Stadt zur Haupteinkommensquelle von Devisen geworden sind. Die für diese Programme zuständigen Lehrer sind ältere Dorfbewohner.

Die Dorfbewohner entwickeln einen landwirtschaftlichen Bewirtschaftungsplan, damit sich ihre Programme nicht überschneiden - sie pflanzen unterschiedliche Früchte oder Gemüsesorten an, wie z.B. Erdbeeren, Tomaten, Mais, Kartoffeln, bis zu Süßkartoffeln und anderes mehr. Diejenigen, die nicht in der Landwirtschaft aktiv sein können, züchten Aale, oder andere betreiben sogar einen Schlittenpark im Winter. Im Falle einer älteren alleinstehenden Dame, die Süßkartoffeln anpflanze, helfen wir ihr bei der Ernte und teilen mit ihr den Ertrag.

Alle, die man in diesem Dorf antrifft, egal, woher sie stammen, strahlen bis über beide Ohren. Also jetzt nichts wie los nach Icheon, zu den allseits beliebten „Bauernhoferlebnisprogrammen von Buraemi“.

Die Besucher empfängt am Dorfeingang eine Anpflanzung von Wildblumen, von der etwas sehr Beruhigendes ausgeht. Der Garten, in dem Frühlingsblumen in all ihrer Pracht sprießen, erinnert die Touristen an einen wohlunterhaltenen botanischen Garten.

Auf dem Frühlingsfeld wachsen in Hülle und Fülle zahllose Wildblumen verschiedener Form und Farbe, die man nur selten in der Stadt, selbst auf dem Lande, vorfindet. Mütter und ihre Kinder sind wie gebannt von dem lieblichen Duft der Frühlingsblumen.

Dieser Hof ist auf Wildblumen spezialisiert. Davon gibt es etwa 600. Jetzt geht es darum, dieses Dickblattgewächs einzutopfen. Wissen Sie, was ein Dickblattgewächs ist? Das bedeutet, dass die Pflanze fleischige Blätter hat.

Nach einigen knappen Erläuterungen des Fachmanns für Wildblumen erhält jeder einen winzigen Blumentopf. Die heutige Aufgabe besteht darin, eine Wildblume zu pflanzen. Lee Jong-pil ist für das Mitmachprogramm des botanischen Gartens zuständig. Er erklärt:

Ursprünglich war das hier eine Wildblumenfarm, und entsprechend kann man hier zu jeder Jahreszeit neue Wildblumen eintopfen. Heutzutage kennen Kinder, und auch Erwachsene, nur farbenprächtige Blumen. Sie haben überhaupt keine Gelegenheit mehr, Wildblumen zu Gesicht zu bekommen, die im Frühling blühen. Sie wissen auch gar nicht mehr, wie sich Erde anfühlt, wie weich und gut sie ist.+ (Einspielungen)

Eine Mutter und ein Kind mit einer Handvoll Erde füllen die Erde in die Blumentöpfe und machen sich daran, einen frischen Trieb in den Topf zu versetzen. Es sieht ganz so aus, als ob sie sich hier endlich des unglaublichen Dufts von Erde bewußt werden, den sie so vorher nicht gekannt hatten.

Gewöhnlich besuchen wir den Park in unserer näheren Umgebung, doch da wir in Seoul kein umfassendes Naturerlebnis haben können, hoffte ich, dass ich hier den Kindern die Chance verschaffe, etwas über die Natur zu lernen. Hier konnten sie einmal ein richtiges Gänseblümchen sehen, das sie bislang nur aus dem Buch kannten. Ich hoffe sehr, dass sie sich daran erinnern werden, was sie hier gesehen und erlebt haben. Die Erinnerungen werden sie im späteren Leben glücklich machen.

Mittels weiterer Setzlinge, die großzügig von den Damen im Dorf zur Verfügung gestellt werden, werden die Besucher zunehmend von diesen herzerfrischenden Programmen hier auf dem Lande eingenommen.

Unterdessen ist ein bereits ein weiteres Mitmachprogramm in Gang gekommen, bei dem sich auch ein stampfendes Geräusch vernehmen läßt. Jetzt halten Mütter und Väter, die im vorigen Programm so richtig in der Erde gewühlt haben, einen mächtigen hammerartigen Stab in den Händen. Lee Gi-yeol, der für das Programm zur Zubereitung von Reiskuchen mittels eines Holzhammers zuständig ist, erklärt.

Dies ist das „Reiskuchenhämmer-Programm“, und dementsprechend schlagen wir hier auf gedünsteten klebrigen Reis ein, der frisch geerntet aus Icheon kommt, und der auf diese Weise zu Reiskuchen wird. Reiskuchen, der durch in der üblichen Weise des Hämmerns zubereitet wird, schmeckt besser als maschinell hergestellter. Also die Leute hier versuchen Reiskuchen zu machen, der dann noch mit Bohnenpulver bestreut wird.

Es ist noch anstrengender, als es ohnehin schon aussieht, die dampfende Reiskuchenmasse mit dem hammerähnlichen Stab zu stampfen, den man „Ddeokme“ nennt. Jedesmal, wenn die Leute stampfen, und dabei die Klebrigkeit spüren, können sie sich kaum gedulden, bis sie den Geschmack auch genießen können. Schon bald hat sich das Stampfen zu zweit unter den Anfeuerungen der Familienangehörigen in einen Wettkampf verwandelt.

Der frisch zubereitete klebrige Reis wird mit schmackhaftem gelblichen Bohnenpulver umgeben und dadurch zu „Injeolmi“, einem der bekanntesten Reiskuchen. Jetzt bitten sogar Kinder, die sonst den klebrigen Reiskuchen nicht leiden konnten, um mehr davon.

Die Bekleidung der Besucher ist jetzt völlig mit dem weichen Bohnenpulver bestäubt. Doch das macht ihnen nichts aus, denn sie wissen den Geschmack sehr zu schätzen, den sie bislang gar nicht recht begriffen hatten. Kinder, die noch mal davon probieren wollen, stehen längst wieder Schlange.

Das ist wirklich lecker. Es war wirklich fabelhaft, da ich diese Zeit mit meinen Kindern verbringen konnte.
Da wir dieses Erlebnis an diesem Wochenende gemeinsam haben konnten, hat es für die Kinder noch besondere Bedeutung. Sie hatten früher schon mal Reiskuchen gegessen, aber sie haben noch nie versucht, selber welchen zuzubereiten. Für die Kinder und mich war es ein tolles Erlebnis.


Besucher, die sich an diesem organischem „Slow Food“ satt gegessen haben, begeben sich jetzt zu den stattlichen Gewächshäusern. Sie fragen sich, was es wohl mit dem süßen Duft auf sich hat.

Die Erdbeeren, die Sie hier pflücken, stammen aus Korea. Und Kinder sollten mehr als drei bekommen. Wie viele? Drei. Ich prüfe das später nach.

Den Kindern wird gesagt, sie müßten mehr als drei Erdbeeren essen, sonst sie nachher nicht wieder nach Hause. Nach einer kurzen Einführung in die Artenvielfalt der Erdbeeren und Anleitungen zu ihrem Pflücken, nutzen die Teilnehmer nun voller Eifer diese Gelegenheit, das beliebteste Programm von allen zu genießen.

Im Innern des sehr übersichtlich angelegten Gewächshauses kann man die langen geraden Beete erkennen. Leuchtend rote Erdbeeren, die an ihren Dolden haften und die Blätter wecken den Appetit der eifrigen jungen Sammler. Hier ist Ha Seon-hui, der für das Erdbeererlebnisprogramm zuständig ist.

Manche Kinder meinten, dass Erdbeeren im Lebensmittelgeschäft hergestellt würden. Wenn sie also hierher kommen, und tatsächlich sehen und verstehen, wie Erdbeeren angebaut, hat das einen erzieherischen Wert. Manche führt zunächst der Zufall her, doch hinterher kommen sie wenigstens vier Jahre lang nochmal her. Erst kommen sie, weil sie es selber mögen, dann laden sie Freunde ein, dann ihre Eltern und schließlich ihre Schwiegereltern.

Für manche Mütter und Väter ist es auch das erste Mal, dass sie Erdbeerfelder sehen. Der Geschmack von organisch angebauten Erdbeeren, die man pflückt und auf der Stelle in den Mund steckt, ist einfach unbeschreiblich süß und saftig.

Ich habe es im Fernsehen gesehen und war neugierig drauf. Doch jetzt, da ich auch einmal hergekommen bin, sieht es so aus, als gäbe es hier immer noch mehr als genug Erdbeeren , nachdem wir einen Haufen davon hatten. Ich hoffe, ich komme wieder hierher. Dadurch, dass ich sie pflücken und essen kann, sind sie noch süßer.

Die Leute im Gewächshaus sind emsig dabei, auch für ihre Familienangehörigen zu pflücken, die nicht mitkommen konnten. Diejenigen aus der Stadt, die jetzt zu Hause ihre eigenen Beeren ziehen wollen, kaufen sich dazu noch Setzlinge zu einem günstigen Preis.

Wir haben einen Gemüsegarten, und da werden wir sie pflanzen. Es ist schon toll, dass wir hier etwas erleben können, das wir so zu Hause nicht haben könnten. Sie werden sich auch daran erinnern, dass sie es selbst versucht haben, da wir Fotos gemacht haben und Blumentöpfe mit Erdbeersetzlingen mit nach Hause nehmen. Ich möchte gerne wieder herkommen.

In der Zwischenzeit erreichen die Besucher am Nachmittag, nachdem es noch etwas wärmer geworden ist, einen Ort, an dem sie noch etwas ganz einzigartiges durch die alten Dorfbewohner erleben und erlernen können. Hier ist Lee Sang-ok, der für die Handarbeiten aus Stoh zuständig ist.

Wir hoffen, den Leuten hier zeigen zu können, wie man in der guten alten Zeit von Handarbeit mit Stroh lebte. Für Leute, die auf dem Lande leben, ist es keine große Sache, aber für Städter, die soetwas noch nie versucht haben. Man lernt durch Erfahrung. Dieses Stroh verwenden wir zur Herstellung von Eierbehältern. Ich zeige mal, wie das geht.

Wenn so ein älterer Mitbürger einmal damit begonnen hat, trockene Strohhalme mit seinen geschickten Fingern zusammenzudrehen, ist im Handumdrehen ein perfekter Eierbehälter mit Eiern darin fertig. Dies ist das Handarbeits-Mitmachprogramm.

Obwohl die Besucher bei der Befolgung der Anleitungen ihr Bestes geben, ist es viel schwieriger als es aussieht, die Eier sicher in dem Behälter aus Stroh aufzubewahren. Mamma und Pappa kommen nicht umhin, bei ihrer nicht so zufriedenstellenden Arbeit ein beschämtes Lächeln aufzusetzen. Gleichwohl ist dies trotz seiner mangelhaften Form der erste Eierbehälter, denn sie in ihrem Leben zustande gebracht haben.

Der Lärm der herumtollenden Kinder strahlt eine fast noch größere Wärme aus, als die Frühlingssonne. Dank der einfachen und gutherzigen Dorfbewohner wird dieses Erlebnis des Lebens auf dem Lande für die Besucher erst noch viel schöner in Erinnerung bleiben.

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