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Die Dörfer Hahoe und Yangdong – ein neues UNESCO-Weltkulturerbe in Korea 2010.09.21
 


Bei der 34. Generalversammlung des Welterbekomitees wurden am 1. August im brasilianischen Brasilia zwei traditionelle koreanische Dörfer, Yangdong in Gyeongju und Hahoe in Andong, auf die Liste des Weltkulturerbes gesetzt. Dies feierte Korea am 28. August mit einer Zeremonie in Yangdong.

Es ist das sechste Mal weltweit, dass es historische Dörfer auf die Liste geschafft haben. Dies zeigt, dass Koreas konfuzianische Kultur von der internationalen Gemeinschaft als bewahrenswert angesehen wird. Herr Yi Sang-hae, der Direktor des Komitees für die Bewahrung des Weltkulturerbes, erklärt uns mehr dazu.

Es gab bisher keine historischen Dörfer auf der UNESCO-Liste, die einen konfuzianischen Hintergrund hatten. Die Idealvorstellung des Konfuzianismus waren naturfreundliche Räume, in denen Gelehrte und Adlige sich ihren Studien widmen und über die Bedeutung des Lebens reflektieren konnten. Dafür stehen die vielen Pavillions, Unterrichtsräume und Schulen. Die Dörfer haben diese konfuzianischen Institutionen bewahrt. Es handelt sich dabei um ein wertvolles kulturelles Erbe der Menschheit, das erhaltenswert ist. Wir sind stolz auf diese Dörfer und Kultur, und möchten sie mit der Welt teilen und für kommende Generationen erhalten.

Laut der Bewertung der UNESCO war bei der Entscheidung für die Dörfer ausschlaggebend, dass sie über eine einzigartige Architektur verfügen und einen traditionellen Lebensstil fortführen, der auf Konfuzianismus und Geomantie beruht. Die Gutachter gaben auch Pluspunkte dafür, dass diese Traditionen bereits seit langer Zeit bewahrt werden. Die Ernennung der Dörfer folgt auf die Anerkennung der Königsgräber der Joseon-Dynastie letztes Jahr, womit Korea nun über zehn Weltkulturerbe verfügt. Das Dorf Hahoe bei Andong in der südöstlichen Provinz Nord Gyeongsang wird von einem gemächlich fließenden Fluss eingerahmt. Yangdong, das bei der berühmten Stadt Gyeongju liegt, schmiegt sich an den Fuße eines niedrigen Berges. In den beiden Dörfern kann man sehen, wie die Koreaner in den letzten sechs Jahrhundert im Einklang mit der Natur lebten.

Das Dorf Hahoe war bereits als wichtige volkskundliche Stätte von der koreanischen Regierung anerkannt, da es sich hier seit 600 Jahren um den Wohnsitz der Familie Ryu aus Pungsan handelt. Selbst heute noch gehören 67 % der Bevölkerung zum Ryu-Clan. Der Name „Hahoe“ kommt von der landschaftlichen Beschaffenheit des Dorfes. Herr Ryu Chung-ha, der Vorsitzende des Komitees für die Bewahrung Hahoes, erzählt uns mehr zu dem Dorf.

Der Berg und der Fluss formen ein S, in dessen Mitte das Dorf liegt. Dadurch sieht es aus wie eine Lotusblume in der Mitte eines Teiches, woher sein Name stammt. Hahoe hält seit 600 Jahren seine Traditionen als Hauptsitz des Ryu-Clans hoch. Der Ort ist gewissermaßen ein lebendes Museum, in dem das Leben der Familie in jeden Stein eingeprägt ist. Ich kenne sonst weltweit kein Dorf, in dem eine einzige Familie 600 Jahre ihr Erbe bewahrt hat.

Von der Kasse aus führt ein fünfzehnminütiger Spaziergang auf einem malerischen Waldweg zum Dorf Hahoe. Auf der rechten Seite des Weges befindet sich ein kleines Gebäude, in dem dem Besuch der britischen Queen Elizabeth II. gedacht wird. Daneben findet sich ein Teich mit Lotusblumen. Hinter der Informationstafel wartet schließlich ein altes Haus auf die Besucher. Das gesamte Dorf ist eine Fundgrube für Liebhaber der alten koreanischen Architektur, und führt die Besucher 600 Jahre in die Vergangenheit.

Die Reiseführer haben viel zu tun mit der Begrüßung der ausländischen Besucher, denn seit das Dorf zum Weltkulturerbe gehört, sind die Besucherzahlen stark angestiegen.

Die Hauptstraße ist von niedrigen Mauern gesäumt, und auf beiden Seiten stehen beeindruckende alte Herrenhäuser neben bescheidenen, strohgedeckten Häusern. Bis zum Ende der Hauptstraße sind es ungefähr sieben Minuten vom Dorfeingang. Hier befindet sich ein beeindruckendes Hanok, wie die koreanischen traditionellen Häuser heißen, welches Hwagyeongdang genannt wird. Es verfügt über ein hohes Eingangstor, Soseul daemun genannt, welches nur Wohnhäusern von hochrangingen Regierungsbeamten vorbehalten war. Doch heute treten Touristen durch das Tor, als wären sie eingeladene Gäste.

Hwagyeongdang wurde von meinen Vorfahren 1797 erbaut, es ist also 213 alt. Zum einen verfügt es über eine besondere Bauart, zum anderen wurde es nie renoviert. Es ist vollständig erhalten. Hier sehen Sie das Heizungssystem, wir verwenden nach wie vor Holz für das Feuer. Warum, fragen Sie? Hanok werden aus Holz und Lehm gebaut, wodurch sie anfällig für Feuchtigkeit und Schädlinge sind. Die einzige Möglichkeit, für Sauberkeit zu sorgen ist, sie durch das traditionelle Heizsystem trocken zu halten. Außerdem müssen Menschen in dem Haus leben, die sich um es kümmern. Das Haus braucht den Austausch mit den Menschen.

Das war Herr Ryu Se-ho, der Älteste der derzeitigen Generation der Ryu-Familie. Seitdem er im Ruhestand ist, lebt er im Dorf seiner Familie und kümmert sich um die Anlage. Das Gebäude hat eine Fläche von 5610 Quadratmetern und verfügt über 72 Räume, darunter die Frauenquartiere, die Männerquartiere, die Räume des Hausherren und der Bediensteten, und sogar eine Halle zur Ahnenverehrung, die die konfuzianischen Wurzeln hervorhebt. Der Wohnsitz des Ryu-Clans stellt unbestritten die koreanische Baukultur in Reinform dar. Hier ist noch einmal Herr Yi Sang-hae vom Weltkulturerbe-Komitee.

Das Haus verfügt über eine wunderschöne Architektur und Ästhetik, und verfügt über alle Anforderungen, die der Konfuzianismus an ein ideales Haus stellt. Laut dem Konfuzianismus müssen die Wohnbereiche der Männer von denen der Frauen getrennt werden. Die Ryu-Residenz hat dies verwirklich. Außerdem sollen im Konfuzianismus auch die Räume von Menschen, die auf verschiedenen Stufen in der Hierarchie stehen, getrennt werden, und auch dies wurde hier berücksichtigt.

Hwagyeongdang ist nicht nur aufgrund seiner Größe so hoch geschätzt, sondern auch, weil es tip-top in Ordnung gehalten wird. Die Pflastersteine sind von Staub befreit, und die Hartholzböden glänzen im Sonnenschein. Den Besuchern, die sich mit Herrn Ryu gemeinsam umsehen, fallen die Namensschildern über den Zimmertüren ins Auge. Herr Ryu erklärt uns dazu mehr.

Hier auf diesem Schild steht Sushinwa. Der Raum hat diesen Namen bekommen, um uns daran zu erinnern, dass wir auch als reiche und hochrangige Beamte stets bescheiden sein sollten, um weniger reich gesegnete nicht vor den Kopf zu stoßen. Es handelt sich hierbei um den kleinsten der Räume für Männer, und wird heute von einem siebenjährigen Enkel von mir benutzt. Als Kinder haben mein Vater, mein Großvater und ich alle hier gewohnt. Die Räume, die vom Familienoberhaupt benutzt werden, sind hier. Und dieser Raum hier heißt Yugeosarang und ist für den Großvater. Er dient auch gleichzeitig als Empfangsraum für Gäste. Er ist sehr groß, da hier sechs getrennte Zimmer zu einem verbunden wurden, und hat so ziemlich alle typischen Eigenschaften eines Hanok. Es ist mit einer Suite in einem Luxushotel vergleichbar, und daher angemessen für das älteste Mitglied der Familie.

Ein kurzer Weg zwischen den Männerquartieren führt zu dem inneren Reich der Frauen. Die Frauenquartiere, Anchae genannt, umschließen von vier Seiten einen quadratischen Hof. Hier leben die Hausherrin und ihre Schwiegertöchter. Hier ist unter anderem eine Sänfte ausgestellt, der von der Hausherrin verwendet wurde. Die beeindruckenste Aussicht in den Anchae kann vom Zimmer der Großmutter aus genossen werden, von wo aus man auf eine 64 Meter hohe Klippe namens Buyeongdae blickt.

Der Buyeongdae ist die größte Attraktion im Dorf. Meine Vorfahren haben keine künstlichen Gärten im Haus angelegt. Sie haben den Buyeongdae und all die Berge und Felder, die man vom Haus aus sehen können, als erweiterten Hausgarten angesehen. Sie glaubten an ein Leben im Einklang mit der Natur. Wir nennen diese Praxis Chagyeong, was so viel bedeutet wie „die natürliche Landschaft ausleihen“.

Morgens das Fenster zu öffnen und auf den Buyeongdae zu blicken, muss schon etwas ganz besonderes gewesen sein. Heute können auch normale Menschen dies genießen, denn die Residenz der Familie Ryu ist das einzige der alten Häuser, das Übernachtungsgäste aufnimmt. Den Besuchern wird sogar ein Frühstück mit Familienrezepten des Ryu-Clans geboten.

Gäste können hier schlafen und bekommen Frühstück in Messinggeschirr, ganz wie die Adligen früher. Möchten Sie einmal den Klang des Geschirrs hören? Es klingt sehr klar und wiederhallend, ganz wie eine Tempelglocke.

Wenn man vom Hwagyeongdang aus an einigen strohgedeckten Häusern entlang weiterläuft, gelangt man schließlich zum größten und ältesten Haus der Familie Ryu, dem Yangjindang. Das Haus wurde von einem hochgeschätzten Gelehrten der Joseon-Zeit, Ryu Un-yong gebaut. Das Haus wird seinem Status als Hauptfamiliensitz gerecht und verfügt über einen Standort und eine Architektur, dies es von anderen Hanoks unterscheidet. Hören wir die Führerin Choi Yeong-ja.

Der Hauptsitz der Familie ist immer der Mittelpunkt eines Dorfes. Wenn Sie sich die Wohnräume der Männer genauer anschauen, werden Sie erkennen, dass sich die Wohnräume sehr weit über dem Boden befinden. Dies zeigt, dass es sich um das Haupthaus handelt. Der hohe Unterbau zeigt die Würde des Hauptzweiges des Clans.

Gegenüber vom Yangjindang befindet sich Chunghyodang, das Haus von Ryu Seong-ryong, einem weiteren bekannten Gelehrten des Ryu Clans und ein jüngerer Bruder Ryu Un-yongs. Hören wir noch einmal die Führerin Choi Yeong-ja.

Das Haus ist kleiner als Yangjindang. Es wurde von Ryu Seong-ryongs Enkelkindern in seinem Gedenken gebaut, nachdem er gestorben war. Er selbst starb in einem kleinen bescheidenen Haus, doch seine Enkelkinder wollten etwas bauen, was seiner Aufrichtigkeit und seinen Errungenschaften als Gelehrtem gerecht wurde. Er hatte lange Zeit als hochrangiger Hofbeamter gearbeitet, doch er war so ehrlich und wohltätig, dass er noch nicht einmal genug Geld für sein eigenes Begräbnis hinterließ. Er hatte seine Rolle als Regierungsbeamter ehrlich und aufrichtig erfüllt.

Der Name des Hauses, Chunghyodang, ist von den Lehren Ryu Seong-ryongs abgeleitet, welche die Loyalität zum Vaterland und den Respekt für die eigenen Eltern betonten. Heute sind hier viele der persönlichen Gegenstände des Gelehrten aufbewahrt. Zur Rechten kommt nun ein Haus mit dem Namensschild Ryu Si-weon. Dieses Haus ist insbesondere bei japanischen Fans koreanischer Fernsehserien beliebt, denn es gehört dem koreanischen Schauspieler Ryu Shi-weon, einem direkten Nachfahren von Ryu Seong-ryeong. Das Haus ist bekannt für seinen großen und wunderschönen Garten, Damyeonjae. Außerdem hat hier die britische Queen 1999 ihren 73sten Geburtstag mit einem Festmahl und einer Vorführung des Hahoe-Maskentanzes gefeiert. Doch Ryus Garten ist nicht für die Öffentlichkeit geöffnet, denn es handelt sich nicht um einen von der südkoreanischen Regierung anerkannten Kulturschatz.

Nach dem Rundgang durch das Dorf sagt Herr Ryu Chung-ha, dass es noch einen anderen Stop gibt, den man auf keinen Fall verpassen sollte.

Manche Besucher begnügen sich lediglich mit einem Rundgang durch das Dorf, aber Sie müssen unbedingt den Blick vom Buyeongdae aus genießen. Wenn Sie mit einem Boot über den Fluss übersetzen und dann bis zur Kante des Kliffes hochlaufen, können Sie die wunderschöne Landschaft in der Umgebung sehen. Eine Tour durch die Häuser macht 50 % dessen aus, was man in Hahoe sehen kann. Die restlichen 50 % kann man vom Buyeongda aus genießen. Nur so ist eine Besichtigung hier komplett.

Von oben kann man die gesamte Dorfanlage erfassen. Herr Ryu Chung-ha vom Komitee für die Bewahrung Hahoes erzählt uns mehr.

Sie können sehen, dass sich Hahoe auf einer Flachebene befindet, und die ziegelgedeckten Häuser ballen sich in der Mitte, während nach aussen hin viele strohgedeckte Häuser zu sehen sind. Außerdem blicken Häuser in Bauerndörfern normalerweise alle in eine Richtung. Doch hier in Hahoe sind die Häuser und ihre Tore alle in unterschiedliche Richtungen gerichtet, was sehr ungewöhnlich ist.

Hahoe wird vom Nakdong-Fluss und einem Berg eingerahmt, und war damit vor Kriegen und anderen Katastrophen gut geschützt. Die Landschaft erlaubte es den Dorfbewohnern, ihre Lebensweise über 600 Jahre hinweg zu bewahren.

Eine weitere Attraktion des Dorfes ist die Vorführung des Hahoe-Maskentanzes, die jeden Mittwoch, Samstag und Sonntag stattfindet. Der Maskentanz macht sich über buddhistische Mönch, die sich in die sekuläre Welt begeben, und raffgierige Adlige lustig. Er besteht aus zehn Akten, und wurde 1980 von der koreanischen Regierung zum wichtigen immateriellen Kulturerbe Nr. 69 ernannt. Die große Besonderheit des Tanzes sind die Masken mit ihren lebendigen Gesichtsausdrücken. Hören wir mehr über die Masken von Herrn Kim Dong-pyo, dem Direktor des Maskenmuseums Hahoe.

Mit einer Hahoe-Maske vor dem Gesicht verwandelt sich der Schauspieler in die Person, die die Maske darstellt. Mit der Maske eines Adligen zum Beispiel wirkt er sehr aristokratisch, obwohl er doch nur eine Maske aufgesetzt hat. Mit der Maske eines Metzgers hingegen erscheint er furchterregend und ungebildet. Die Masken scheinen auch durch Bewegung ihren Ausdruck zu verändern. Wenn der Schauspieler seinen Kopf nach hinten beugt, scheinen sie zu lachen, beim Neigen des Kopfes nach vorne wirken sie plötzlich wütend.

Allein diese sich ständig verändernden Ausdrücke der Masken machen die Aufführung lohnenswert. Aber die Schauspieler tanzen auch zu der Musik und verkörpern ihre Rolle perfekt. Auch ausländische Touristen, die nichts von dem verstehen, was die Schauspieler sprechen, lassen sich mitreissen.

Mir hat die Aufführung gut gefallen, es war sehr interessant, ein Stück koreanische Kultur zu erleben. Ich konnte durch die Körpersprache viel nachvollziehen, aber es wäre noch besser gewesen, wenn ich Koreanisch verstehen würde. Nichtsdestotrotz hat das Stück viel Spaß gemacht, und man konnte sehen, dass es den Schauspielern auch Freude machte.

Wer noch mehr über die Masken aus Hahoe wissen möchte, dem empfiehlt Museumsdirektor Kim Dong-pyo das Maskenmuseum Hahoe am Eingang des Dorfes.

Das Museum besitzt ungefähr 20 verschiedene koreanische Masken, darunter Bongsan-Masken, Gangryeong-Masken, Sandae-Masken aus der Gyeongi-Provinz und Yaryu-Masken aus Busan. Dazu kommen Masken aus vierzig verschiedenen Ländern aus Asien, Afrika und Nord- und Südamerika.

Neben dem Dorf Hahoe wurde auch das Dorf Yangdong in Gyeongju im Südosten Koreas zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt. Gyeongju ist bekannt als die jahrtausendalte Hauptstadt des Shilla-Reiches, aber Yangdong gilt als Vorzeigebeispiel der Joseon-Kultur. Mit Hahoe hat es gemeinsam, dass es sich ebenfalls um einen Familienwohnsitz handelt, aber damit enden auch schon die Ähnlichkeiten. Herr Yi Sang-hae erklärt uns die Unterschiede zwischen den beiden Dörfern.

Es handelt sich bei beiden um Clandörfer. Hahoe wurde von einem Ryu gegründet, der seinen ursprünglichen Wohnsitz auf der Suche nach einem besseren Ort zum Leben verließ. Soche Dorfgründer nennt man Pioniere. Doch Yangdong ist auf einen anderen Brauch zurückzuführen. Im alten Korea zog ein Mann bei der Hochzeit manchmal in das Dorf seiner Braut und lebte dort. So wurde Yangdong gegründet, was bedeutet, dass es noch aus der Zeit stammt, bevor der Konfuzianismus in allen Bereichen des koreanischen Lebens seine Wirkung entfaltete.

Ursprünglich lebten in Yangdong die Sons. Als ein Mann aus der Yi-Familie in Yeogang eine Frau aus der Son-Familie heiratete, wurde es das Dorf der Sons und der Yis. In seiner Hochzeit lebten hier rund 2500 Menschen in 360 Haushalten, doch heute sind es nur noch 400 in 144 Haushalten. Davon gehören 80 zur Yi-Familie und nur noch 18 zum Son-Clan. Yangdong liegt am Fuße des Seolchang-Berges, auch dies unterscheidet es von Hahoe, dessen Landschaft vom Nakdong-Fluss bestimmt wird. Die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Dörfern herauszufinden, ist eine sehr interessante Aufgabe.

Das Erste, was den Blick der Besucher in Yangdong einfängt, sind die Häuser auf den Ausläufern des Seolchang-Berges. Adlige bauten ihre Häuser auf höheren Lagen und das einfache Volk in den niedrigeren Lagen. Dies zeigt die hierarchische Gesellschaft im Joseon-Reich. Doch vom Eingang ist nur ein Viertel des Dorfes zu erkennen. Der Rest ist zwischen den Ausläufern des Berges und in den Tälern versteckt. Der Reiseführer Yi Ji-hyu erzählt uns mehr zum Dorf.

Vom Gipfel des Berges aus gesehen erkennt man, dass die Häuser niedrig und sehr einladend sind. Unsere Vorfahren haben bei dem Bau ihrer Häuser Geomantie und die landschaftliche Umgebung beachtet, so dass die Bauwerke die Umgebung nicht zerstörten. Von der Spitze des Berges aus kann man das Dorf besser sehen. Die Täler des Berges sehen wie Gabelzinken aus, zwischen denen sich die Häuser ausbreiten.

Laut Kim Bong-ryeol, einem Architekturprofessor an der Staatlichen Kunsthochschule Koreas, führte der Wettstreit zwischen den Sons und den Yis um die beste Nutzung des Terrains zu einer architektonischen Blütezeit.

Es gibt zwei große Täler, eines der Yis und eines der Sons. Wenn eine Familie ein großes Haus baute, übertraf sie die andere mit einem noch größeren Bauwerk. Die Ergebnisse dieses Wettstreits sind sehr interessant. Dort drüben am Fluss kann man viele Pavillionpaare sehen, die aus diesem Wettstreit der beiden Familien hervorgegangen sind.

Selbst die Wohnhäuser der beiden Familien blicken in unterschiedliche Richtungen. Diese Rivalität zwischen den beiden Clans war der Antriebsmotor hinter der Entwicklung des Dorfes.

Diese gegenseitige Kontrolle zwischen den beiden Familien beförderte die Entwicklung des Dorfes. Sie haben allein dafür, die andere Seite zu schlagen, fleißig studiert und hart gearbeitet. Deswegen gibt es hier auch so viele Studierhäuser. Im Gegensatz dazu ist Hahoe der Sitz von nur einer Familie, den Ryus. Doch ein Sohn kann kein besseres Haus bauen als sein Vater, und ein jüngerer Brüder kann kein größeres Haus als sein älterer Brüder bauen. Das würde der Hierarchie innerhalb der Familie und im Dorf widersprechen. Dies führte dazu, dass die Häuser in Hahoe immer unkreativer wurden, während Yangdong aufgrund des Wettbewerbs eine architektonische Blütezeit erlebte.

Machen wir uns also auf zu einem Rundgang durch Yangdong. Die berühmtesten Söhne dieses Dorfes sind zwei Gelehrte aus der Joseon-Zeit, Son Jung-don und Yi Eon-jeok. Das erste Haus hinter dem Dorfeingang gehörte Son Jung-don. Es hat weniger Räume als vergleichbare Häuser, und einen besonders großen Hauptraum. Normalerweise würde es dafür als unpraktisch kritisiert werden, doch da es sich um den Hauptsitz des Son-Clans handelte und um den Ort, wo sie ihre Ahnenverehrung durchführten, brauchten sie einen Raum, der die 40 bis 50 Verwandten aufnehmen kann, die sich bei solchen Gelegenheiten versammelten. Das älteste Familienmitglied hatte die Aufgabe, die Zeremonien abzuhalten und die Gäste zu bewirten, und das Haus wurde so gebaut, dass diese Aufgabe gut erfüllt werden konnte. Es kann daher als Manifestierung des konfuzianischen Weltbildes betrachtet werden. Unsere nächte Station ist Hyangdan, ein Haus, das von Yi Eon-jeok für seine kranke Mutter erbaut wurde. Herr Yi.

Das Haus aus dem Son-Clan wurde gebaut, um eine bestimmte Funktion zu erfüllen. Dieses Haus hingegen verfügt über viele Verzierungen und einen sehr fortgeschrittenen architektonischen Stil. Dieser Unterschied liegt daran, dass Hyangdan nur als eine temporäre Unterkunft gedacht war, die Yi bauen ließ, damit sich seine kranke Mutter erholen konnte.

Das Hyangdan verfügt über so ungewöhnliche Verzierungen wie runde Säulen und Blumendekorationen, und ist damit nicht gerade typisch für die sonst so schlichten Wohnhäuser aus der Joseon-Ära. Die Häuser der beiden Familien werden von den Nachfahren in Stand gehalten. Herr Yi Ji-rak, direkter Nachfahre von Yi Eon-jeok und der Verwalter des einen Hauses, erzählt uns mehr dazu.

Dass ein Haus über 500 Jahre lang erhalten bleibt, ist nur bei guter Pflege durch die Bewohner möglich. Ich bin der 17. Besitzer dieses Hauses, und alle meine Vorfahren haben hier gelebt. Wo sie jetzt sitzen, da saßen meine Vorfahren vor 500 Jahren. Dass es Yangdong auf die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes geschafft hat, liegt daran, dass die Menschen hier immer noch leben und ihre Kultur am Leben erhalten.

Man kann sich hier gut vorstellen, wie die Gelehrten früher durch die Hallen wandelten und wissenschaftliche Probleme diskutierten. Durch die Ernennung des Dorfes zum Weltkulturerbe hat die UNESCO nicht nur die Architektur des Dorfes anerkannt, sondern auch den Wert althergebrachter Lebensweisen und Denktraditionen. Hören wir noch einmal Herrn Yi Sang-hae vom Komitee für die Bewahrung des Weltkulturerbes.

Das Weltkulturerbe beschäftigt sich größtenteils mit materiellen Schätzen. Doch die immateriellen und spirituellen Aspekte sind genauso wichtig. Wenn ein Kulturerbe mit interessanten Überlieferungen oder spirituellen Eigenschaften verbunden ist, erscheint es uns wertvoller. Auch der Grund für die Wertschätzung der Dörfer Hahoe und Yangdong liegt darin, dass hier immer noch Menschen leben und ihre Traditionen am Leben erhalten. Das ist es, was für die UNESCO wichtig war. Diese spirituellen und geistigen Werte werden seit Generationen weitervererbt und halten die Ordnung im Dorfe intakt.

In Yangdong findet zweimal in der Woche ein Kurs in traditioneller Etikette statt, der sich an junge Menschen richtet, die etwas über diese alte Lebensweise lernen wollen. Die Dorfbewohner hoffen, dass die jüngste Aufmerksamkeit der Medien dazu führt, dass sich mehr junge Menschen für die spirituellen konfuzianischen Wurzeln interessieren. Doch die Medienaufmerksamekeit führte auch zu mehr Unterstützung durch die Regierung. Die Regierung der Provinz Nord-Gyeongsang plant, die Bewahrung und Instandhaltung der kulturellen Reliquien und Stätten in den beiden Dörfern umfassend zu unterstützen und die touristische Infrastruktur auszubauen. Hören wir dazu Herrn Kim Yong-man, der bei der Lokalverwaltung für die Bewahrung des Kulturerbes zuständig ist.

Seitdem die beiden Dörfer auf der Liste der UNESCO stehen, haben die Zahlen ausländischer Besucher stark zugenommen. Daher haben wir PR-Materialien in Fremdsprachen angefertigt, und mehr Reiseführer angestellt, die Englisch, Japanisch und Chinesisch sprechen. Ich bin sehr stolz darauf, dass die Provinz Gyeongsang mehr Weltkulturerbe hat als jede andere Provinz in Korea, aber damit geht auch eine große Verantwortung einher. Daher sind neue Gesetze in Planung, die diese Stätten schützen sollen, zu denen neben den beiden Dörfern auch die Seokguram-Grotte und die historische Zone Gyeongju zählen. Wir werden also hart arbeiten, um die Infrastruktur wie Zufahrtstraßen und Übernachtungsmöglichkeiten zu verbessern.

Die Dörfer Hahoe und Yangdong wurden für ihre zeitlosen Traditionen und architektonischen Errungenschaften anerkannt. Kein anderes Dorf in Asien kann von sich sagen, dass es die konfuzianische Lebensweise und Kultur über einen Zeitraum von 600 Jahren bewahrt hat. Die Aufgabe der heutigen Generation ist es, das Werk ihrer Vorfahren zu würdigen und diese Kulturschätze so lange wie möglich zu bewahren. Auf dass die Gründer der Dörfer Hahoe und Yangdong stolz auf sie sind...
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