• Neujahrssonder-sendung : Wohnort Seoul, Korea

  • Im Jahre 2012 kamen mehr als 10 Millionen Touristen aus dem Ausland nach Korea. Doch noch erstaunlicher als die wachsende Tourismusindustrie ist die Tatsache, dass es bereits mehr als eine Million Ausländer gibt, die dauerhaft in Korea leben. Und ihre Zahl wächst stetig an.
    Dafür, sich in Korea niederzulassen, kann es viele verschiedene Gründe geben. Einige kommen hierher, um zu studieren, andere wollen hier Geld verdienen, oder einige entschließen sich nach einem längeren Aufenthalt zu bleiben, weil ihnen das Land so gut gefällt. Wieviele Ausländer gibt es eigentlich in Korea? Hören wir dazu Seol Dong-hoon (설동훈), Professor für Soziologie an der Chonbuk National University.

    Nach Angaben des Ministeriums für Öffentliche Verwaltung und Sicherheit gab es am 1. Januar 2012 rund 1,4 Millionen ausländische Einwohner in Korea. Diese Zahl umfasst Ausländer in Besitz eines Langzeitvisums, das es ihnen erlaubt, länger als 90 Tage zu bleiben. Die meisten von ihnen kommen aus China und aus Südostasien. Etwa 100.000 von ihnen sind koreanischstämmige Ausländer, die nun zurückkommen, um hier zu leben oder zu arbeiten. Darüber hinaus gibt es etwa 80.000 ausländische Studenten. Mit weniger als 3 Prozent machen Ausländer keinen besonders großen Anteil der koreanischen Bevölkerung aus, aber im Vergleich zu vor etwa 10 Jahren bedeutet dies einen enormen Zuwachs. Der wichtigste Grund für viele ist einfach, dass Korea ein guter Ort zum Leben ist. Koreas kapitalistische Gesellschaft bietet viele Arbeitsplätze und Möglichkeiten für ein besseres Leben. Auch hat die Verbreitung der koreanischen Kultur, vor allem der Unterhaltungskultur, dazu beigetragen, dass viele Menschen, sowohl aus Entwicklungsländern, als auch aus reichen Ländern, gerne einmal nach Korea kommen möchten. Und wir können stolz darauf sein, wie sehr die koreanische Wirtschaft gewachsen ist.



    Es gibt einen Ort, der ganz speziell für ausländische Einwohner eingerichtet ist. Es ist dies das Seoul Global Center mitten in Seoul. Hier herrscht den ganzen Tag Hochbetrieb. Herr Kim Sang-yong vom Team für kulturellen Austausch, erklärt:

    Die Zahl ausländischer Bürger in dieser Stadt ist in den letzten Jahren enorm gewachsen. Dieses Zentrum hier wurde eingerichtet, um ihnen zu helfen, den Kulturschock zu verkraften, Schwierigkeiten im Alltag, Probleme der Diskriminierung und sonstige Probleme zu lösen, mit denen Immigranten in Korea konfrontiert sein können. Das Global Center bietet verschiedene Dienstleistungen für ausländische Bürger an, darunter einen Beratungs- und Informationsservice in neun verschiedenen Sprachen. Wir helfen auch bei Bankeröffnungen, Visaverlängerungen, Mobiltelefonverträgen, Übertragungen von Führerscheinen und dergleichen mehr.

    Wenn man als Ausländer in Korea wohnt und Fragen oder Probleme hat, ist das Global Center in Seoul eine gute Anlaufstelle. Es hat sieben Tag in der Woche geöffnet und bietet Ausländern Hilfe für Fragen aller Art im Zusammenhang mit dem täglichen Leben in Korea. Doch ist dies nicht die einzige Organisation, die Ausländern in Seoul zur Seite steht. Neben dem Global Center gibt es über vierzig weitere öhnlich orientierte Einrichtungen. Kim Sang-yong erklärt:

    Ausländer, die in Seoul wohnen, finden, die Stadt ist, im Vergleich zu anderen Städten weltweit, eine sehr sichere Stadt. Neben dem Global Center gibt es auch zwei Wirtschaftsberatungscenter und sieben Stadtteil-Center. Insgesamt existieren vierzig solcher Zentren, darunter auch ein Zentrum zur Unterstützung von Arbeitnehmern und eines zur Unterstützung multikultureller Familien. So gibt es eine ganze Reihe von Anlaufstellen für Ausländer hier in Seoul.



    Die Berater im Global Center berichten selbst über ihre Arbeit:

    Philippinische Beraterin: Ich bin 1999 aus den Philippinen nach Korea gekommen. Ich arbeite hier im Global Center Seoul, weil ich am Anfang selbst Schwierigkeiten hatte, mich hier einzugewöhnen. So möchte ich nun meinerseits Menschen helfen, hier Fuß zu fassen. Ich berate hier andere Einwanderer aus den Philippinen und helfe ihnen, mit koreanischen Bürgern und Behörden zu kommunizieren.

    Russische Beraterin: Ich lebe nun seit zehn Jahren in Korea. Anfangs war ich ehrenamtlicher Mitarbeiter, aber als dann immer mehr Russen nach Korea kamen, begann ich hier auf Vollzeit zu arbeiten. Ich will ihnen soviel Informationen und Kenntnisse vermitteln wie nur möglich. Dazu muss ich weiter fleißig Koreanisch lernen und noch mehr über das Rechtswesen und Möglichkeiten der Beratung lernen.


    In diesen Beratungsstellen geht es vor allem darum, einen kundenfreundlichen Service anzubieten. Doch auch für die Mitarbeiter selbst war es am Anfnag gar nicht so einfach, sich an den Alltag in Korea zu gewöhnen.

    Beraterin aus Russland: Für mich war es anfangs schwer, dass alles immer so schnell gehen musste. „Bballi Bballi”, Schnell schnell!”, das hört man hier sehr oft. Ich musste schnell essen, schnell gehen, und irgendwie musste einfach alles immer schnell gehen. Ich war ganz schön unter Stress, aber mitterweile habe ich mich daran gewöhnt.
    Beraterin aus der Mongolei: Ich bin vor acht Jahren nach Korea gekommen. Ich fand dieses dauernde „Schnell, schnell“ am Anfang auch nicht gut. Aber jetzt sehe ich, dass es auch seine guten Seiten hat. Die Koreaner haben es geschafft, innerhalb kurzer Zeit im Bereich der Wirtschaft und im IT-Sektor eine große Entwicklung durchzumachen. Dass Korea, das in den 1970er Jahren ja noch ein armes Land war, dies gelungen ist, hängt sicher auch mit dieser Mentalität zusammen.


    Die Vorzüge, die ein Leben in Korea mit sich bringt, sind vielfältig. Sehr bequem sind die rasend schnellen und verlässlichen Internetverbindungen. Es gibt überall Läden, die 24 Stunden rund um die Uhr geöffnet haben. Die Straßen von Seoul sind nachts hell beleuchtet und die Stadt ist enorm sicher.
    Und das Global Center in Seoul soll nun noch weiter ausgebaut werden. Es erhält ein eigenes 19-stöckiges Gebäude, welches dann eine Immigrationsservicestelle, Büros verschiedener internationaler Organisationen, die koreanische Handelskammer und weitere Einrichtungen für Ausländer beherbergen wird.
    Das größte Problem, mit dem die meisten konfrontiert sind, wenn sie in einem fremden Land leben wollen, ist die Sprachbarriere. In Korea gibt es viele Sprachzentren, die Ausländern helfen, die koreanische Sprache zu erlernen, um sich besser im Alltag zurechtzufinden. Eines dieser Zentren ist das Global Village Center in Inchon.

    Lehrerin: Da hier viele Ausländer wohnen, war es eigentlich ganz natürlich, dass hier in der Nachbarschaft ein Global Village Center eingerichtet wurde. Neben Koreanischkursen bieten wir Orientierungseinheiten, Seminare zum Lebensalltag und zu kulturellen Themen an. Die meisten Teilnehmer kommen aus Japan, manche auch aus Taiwan, China oder von den Philippinen. Ausländer, die mit einem Koreaner verheiratet sind, brauchen ein Sprachzertifikat, um eine Anstellung zu bekommen, oder Schulen besuchen zu können.

    So erhalten Ausländer hier Sprachunterricht, aber auch Unterstützung für ihren beruflichen Alltag. Koreanischkenntnisse sind auf jeden Fall von großem Nutzen. Das globale Interesse an der koreanischen Unterhaltungskultur, besonders der Popmusik und koreanischen Fernsehserien wächst und damit auch die Zahl der Ausländer, die sich für die koreanische Sprache interessieren. Um dieser Nachfrage nachzukommen, werden immer neue Koreanischprogramme für Ausländer eingerichtet.
    Bei den meisten Ausländern, die sich für ein Leben in Korea entschieden haben, handelt es sich um Arbeiter. Professor Seol Dong-hoon von der Chonbuk National University erklärt:

    Aus dem Ausland kommen viele qualifizierte Arbeitskräfte. Sie wollen hier in Korea einen Traum verwirklichen, was vielen auch gelingt, so dass sie bleiben. Die zweitgrößte Gruppe sind Männer oder Frauen, die mit Koreanerinner und Koreanern verheiratet sind. Die drittgrößte Gruppe sind ausländische Studenten. Dann kommen Chinesen oder Angehörige anderer Nationalitäten, die in Korea geboren sind, oder Geschäftsleute und Unternehmer. Beruf, Ehe und Studium sind also die wichtigsten Gründe, hierher zu kommen.

    Um gezielt ausländische Arbeiter zu unterstützen, gibt es im ganzen Land auch spezielle Büros für Beratungen im Zusammenhang mit dem Arbeitsplatz. Ko Ki-bok (고기복) vom Zentrum für ausländische Arbeiter in Seongdong berichtet:

    Das Zentrum für ausländische Arbeiter in Seongdong unterstützt Ausländer, die hier in Korea arbeiten, setzt sich für ihre Rechte ein und bringt ihnen Dinge über die koreanische Kultur bei. Wir bieten Beratung und Rechtsbeistand in Problemfällen an, organisieren Koreanisch- und Computerkurse sowie Kulturprogramme. Die Koreanischkurse umfassen etwa 15 Stunden pro Woche. Mehr als 20.000 ausländische Arbeiter pro Jahr nehmen unsere Dienste in Anspruch. Die meisten kommen zu den Sprachkursen, zur kostenlosen medizinischen Untersuchung und zur Beratung.

    Viele Ausländer, die sich in Korea eingelebt haben und hier sesshaft geworden sind, heiraten einen Koreaner oder eine Koreanerin, oder sie holen ihre Familien nach. Manche kommen auch von vornherein mit der Familie. Frau Lee Gang-ae, stellvertretende Leiterin der Mongolischen Schule in Korea, erklärt:

    Diese Schule gibt es seit 1999. Es gibt ja viele ausländische Arbeiter in Korea, und viele von ihnen, etwa 35.000, kommen aus der Mongolei. Die Mongolen bringen fast immer auch ihre Familien mit, was wohl typisch ist für ehemalige Nomadenvölker. Deshalb gibt es in Korea viele mongolische Kinder. Für diese Kinder, die auf keine normale koreanische Schule gehen können, haben wir die Mongolische Schule eingerichtet. Gemeinsam mit einem koreanischen Pastor wurde habe ich sie 1999 eröffnet.

    Was wünschen sich diese Kinder? Nun, meist ganz einfache Dinge, wie Zeit mit der Familie verbringen zu können und koreanische Freunde kennenzulernen. Frau Han Eun-kyung (한은경) ist Lehrerin an der Schule. Sie meint:

    Es gab hier einen Jungen, der, nachdem er nach Korea gekommen ist, anderthalb Jahre nicht zur Schule gegangen ist. Nachdem seine Eltern von unserer Schule hörten, kam er hierher, in die neunte Klasse. Anfangs hatte er keine Freunde, doch mit der Unterstützung der Lehrer hat er sich langsam akklimatisiert. Er hat zum Beispiel auch Gitarrespielen gelernt und will nun Gitarrist werden. Er ist ein ganz neuer Mensch geworden mit neuen Träumen, die er nun verwirklichen möchte.

    Der philippinische Markt in Hyehwa-dong in Seoul findet jeden Sonntag statt. Viele Philippiner, die sich nach heimischer Atmosphäre sehnen, kommen hierher.

    Mann: Ich kommen jeden Sonntag hierher, weil hier im Winter Basketballspiele stattfinden. Das Turnier läuft noch bis zum 31. Januar.
    Frau: Wir kommen jeden Sonntag zum Gottesdienst hierher. Erst gehen wir in die Messe, und dann kaufen wir Sachen ein, die wir sonst in Seoul nicht bekommen.


    So fühlt sich die philippinische Gemeinde an Sonntagen der Heimat wieder etwas näher. Doch auch andere ethnische Gruppen haben ihre Märkte in Seoul. Professor Seol Dong-hoon von der Chonbuk National University erklärt:

    Seoul ist eine globale Metropole. Im Jongno- und Gangnam-Viertel liegen die ausländischen Botschaften und sind die Geschäftsleute tätig. Die meisten ausländischen Arbeiter leben in Yeongdeungpo, Guro, Geumcheon und Seongdong. Ein Chinatown gibt es natürlich auch, wie in vielen großen Städten. Dann gibt es das französische Viertel in in Bangbae-dong im Süden von Seoul und die japanische Gemeinde in Ichon-dong. In Hannam-dong leben viele Italiener, und Itaewon ist die Gegend der amerikanischen Soldaten und ausländischen Touristen. So zeichnet sich Seoul mittlerweile durch große kulturelle und ethnische Vielfalt aus.

    Korea macht einen grundlegenden Wandel durch. Die verbesserten Geschäfts- und Lebensbedingungen in Korea locken immer mehr Ausländer an, insbesondere Geschäftsleute. Frau Kim Hye-kyung(김혜경), Chefin des Yeoido Business Center, berichte:

    Im Januar 2012 hat die Stadt Seoul das Yeoido Business Center eingerichtet. Es bietet ausländischen Geschäftsleuten in Seoul Information und Beratung an. Meistens suchen sie Rat in Rechtsfragen oder geschäftliche Beratung. Auch bieten wir monatlich Kurse für Wirtschaft und Koreanisch an. Bis zu sechs Monate lang kann man bei uns auch freie Büroräume beziehen, um hier geschäftlich erst einmal Fuß zu fassen. Ein solches Angebot gab es bisher noch nie. Wir sind sicher, dass viele Geschäftsleute von unserem Programm profitieren werden.



    Zwölf solcher Business-Betreuungscenter gibt es in Seoul und weitere außerhalb Seouls. So sinkt das Risiko für Unternehmer, die in Korea eine Firma gründen wollen.
    Eine weitere wichtige Gruppe von Ausländern in Korea sind die Studenten. Mittlerweile hat fast jede Universität eine Abteilung für Internationales. Viele der jungen Leute kommen nach Korea, um etwas über die koreanische Sprache oder Kultur zu lernen. Professor Tim Veach aus den USA, der in Korea promoviert hat und der erste Prfessor am College für Internationale Studien and er Dankook University wurde, meint:

    Viele ausländische Studenten am College für Internationale Studien sprechen anfangs nicht gut Koreanisch. Wir bieten ihnen Kurse zur koreanischen Sprache und Kultur an, damit sie sich besser an das hiesige Lernumfeld anpassen können.

    Die Dankook-Universität bietet auch Stipendienprogramme für ausländische Studenten an. Auch dies ist eine gute Möglichkeit, in Korea zu lernen und mit Land und Leuten vertraut zu werden.

    Ausländer in Korea nehmen nicht nur Dienste in Anspruch, sie leisten manchmal auch selber welchen, beispielsweise als ehrenamtliche Helfer. Junge Leute aus verscgiedenen Ländern kommen nach Korea, um hier ein gewisse Zeit lang in Altersheimen zu arbeiten. Sie betreuen die Senioren, bringen ihnen das Essen und helfen ihnen im Alltag oder leisten ihnen einfach Gesellschaft.

    Freiwilligenhelferin aus Österreich: Ich komme aus Österreich. Ich bin gekommen, um mich mit den älteren Menschen zu unterhalten und ihnen zu helfen. Es war wirklich eine gute Erfahrung. Ich würde gerne wiederkommen. Ich konnte ihnen helfen und habe gespürt, wie sehr sie sich gefreut haben. Es hat Spaß gemacht und wir haben viel gelacht. Und wir haben uns über alles Mögliche unterhalten. Ja, das hat wirklich Spaß gemacht.

    Angesichts der wachsenden Zahl der Ausländer in Korea bemüht sich die koreanische Regierungen, die neuen Mitbürger tatkräftig zu unterstützen. Herr Kim Jong-min von der Abteilung für Internationale Angelegenheiten im Justizministerium meint:

    Die Geschichte der Immigration nach Korea ist noch nicht lang. Es gibt nur sehr wenige Länder, die wie Korea staatliche Maßnahmen zugunsten ausländischer Bürger umsetzen. Immigrationspolitik spielt eine wichtige Rolle für die Tourismusindustrie, sowie die ökonomische und demopgraphische Entwicklung unseres Landes. Es sollten noch mehr Maßnahmen beschlossen werden, die es Ausländern erleichtern, sich in Korea niederzulassen und die helfen, soziale Spannungen zu vermeiden.



    In ein fremdes Land zu gehen, ist eine spannende Erfahrung. Am Anfang tut man sich in vielen Situationen vielleicht noch schwer, aber schon bald findet man sich besser zurecht und irgendwann fühlt man sich möglicherweise in Korea schon wie zu Hause, so dass man den Entschluss fast: Ich bleibe hier.