• Willkommen in Seongdaegol, dem Dorf der grünen Energie



  • Das Viertel Seongdaegol im Seouler Bezirk Dongjak-gu. Bei freundlichem Herbstwetter herrscht auf dem dortigen Markt eine Menge Betrieb. Hier werden heute auf einem der Marktgebäude zum ersten Mal kleine Solarmodule angebracht, Dutzende von Solarmodulen, jeweils 1,60 Meter lang und 1 Meter hoch. Seo Gwang-jin, Marktmanager, hat diesen Tag lange herbeigesehnt.

    Seo Gwang-jin: Wir sind der erste Markt, der im Rahmen des Umweltprojektes für traditionelle Märkte, das von der Seouler Stadtverwaltung geleitet wird, Solarmodule installiert.

    Eine Straße von mehr als einem Kilometer Länge, knapp acht Meter breit, zu beiden Seiten Obst- und Gemüsestände, Eisenwarenläden, Fleischereien, Haushaltswarengeschäfte, ab und an ein Friseur oder eine Imbissbude. Eine der Marktstraßen, wie man sie noch aus den 1970er und 80er Jahren kennt, und die heute immer seltener werden. Man wollte wohl kaum annehmen, dass es sich um die vielleicht fortschrittlichste Marktzeile ganz Koreas handelt. Der alte Markt von Seongdaegol ist der erste und bisher einzige Markt Koreas, der nun auf dem Weg ist, energieversorgungstechnisch unabhängig zu werden. Kim So-young Sprecherin des Energiedorfes Seongdaegol:

    Kim So-young: Hier hängen etwa 56000 Menschen am Stromnetz. Im letzten August gab es doch in Taiwan den gewaltigen Stromausfall, von dem die Hälfte der dortigen Bevölkerung betroffen war. Bei 38 Grad Hitze. Das erste Problem war, dass das ganze Essen verfault ist. Wenn es hier auch zu so einem Stromausfall käme, wäre das für den Markt eine Katastrophe. Deshalb wollen wir energietechnisch unabhängig werden.
    Die Installation der Solarmodule ist nicht ganz unkompliziert. Die dafür benötigten Transportlastwagen passen kaum durch die schmale Gasse, und die Module über Gänge und Treppen auf die Dächer der teilweise recht alten Gebäude zu bringen, ist oft reichlich umständlich. Dennoch beschwert sich hier niemand. Heute sollen 34 neue Module installiert werden. 30 Prozent der etwa 100 Marktgebäude haben begonnen, sich versorgungstechnisch selbstständig zu machen.

    Die Solarmodule werden aufs Dach gebracht, zur Sonnenseite hin ausgerichtet und mit 30 Grad Neigung montiert. Yoon Hyuck, Vorsitzender des Händlerverbands, hat auf dem Dach seines Obstgeschäftes zwei Module anbringen lassen:

    Yoon Hyuck: Mit einem Modul kann ich jeden Tag 300 Watt speichern. Jetzt habe ich zwei installiert, also komme ich auf eine Speicherkapazität von 600 Watt täglich.

    Auf einem kleinen Leistungsmesser kann man die jeweilige Stromproduktion ablesen. An einem sonnigen Nachmittag kann man den Betreib der Anlage genau verfolgen.

    Yoon Hyuck: Da oben sehen Sie? 419 , jetzt geht es auf 425 rauf… Man kann genau ablesen, wieviel die Anlage gerade produziert. Und man sieht, dass von gestern noch 16 Watt übrig sind. Das ist wirklich sehr praktisch. Man kann mit eigenen Augen erkennen, wie das Sonnenlicht tatsächlich Strom erzeugt.



    Die Solarmodule werden in verschiedenen Größen und Leistungsstärken geliefert, doch die meisten produzieren zwischen 300 und 900 Watt. Dass man damit Energiekosten sparen kann, ist im Grunde nicht allzu erstaunlich. Ein kleines Modul mit einer Leistung von 300 Watt kostet etwa 5500 Won, umgerechnet etwa 4,30 Euro pro Monat. Oh Seong-ju (오성주) vom Nakwon (낙원) Reiskuchenladen und Yoon Hyuck (윤혁), Vorsitzender des Händlerverbands, erklären:

    Oh Seong-ju: Wie viel sich im Einzelnen einsparen lässt, weiß ich zwar nicht genau, aber selbst wenn es nun ein bisschen ist, wäre das schon gut. Und solange es nur ein wenig Sonnenlicht gibt, kann ich meine eigene Engerie selbst produzieren. Die Natur liefert die Elektrizität direkt an mich.

    Yoon Hyuck: Der unmittelbare praktische Nutzen mag eher gering sein, aber langfristig zahlt es sich aus. Ich denke dabei vor allem an die Zukunft. Ich weiß ja nicht genau, was sie bringen wird, aber es wäre wirklich schön, wenn wir Händler einen Teil zur Lösung globaler Probleme beitragen könnten.

    Der traditionelle Markt von Seongdae liegt in Sangdo-dong, einem Gebiet mit etwa 56000 Einwohnern, das nicht wie viele andere Bezirke von Stadtsanierungsprojekten profitiert haben. Sanierungsbefürworter würden das Viertel vielleicht soagr als rückständig einstufen. Man findet hier mehr kleine Gassen als breite Straßen. Hinter dem alten Markt die vielen kleinen Mehrfamilienhäuser. Nichts Besonderes, sollte man meinen, doch ist dies kein Viertel wie jedes andere. Drei von vier Gebäuden haben Solarmodule auf dem Dach. Kim So-young erklärt:

    Kim So-young: Dies hier sind alles Solarmodule. Auf allen 20 Tagesstätten in Sangdo-sa-dong sind bereits Solarmodule installiert worden. Zur Zeit werden alle Seniorenheime damit ausgestattet.

    Und auch einen besonderen Supermarkt gibt es in Seongdaegol. Er ist hier auch bekannt als der Energie-Supermarkt.

    Willkommen im Energie-Supermarkt von Seongdaegol. Hier finden Sie alle möglichen Produkte zum Energiesparen. Wir haben solarbetriebene Aufladegeräte für Mobiltelefone, zahlreiche LED-Produkte, Multi-tab Powerstrips und dergleichen mehr.

    Die Bewohner des Viertels informieren sich über Energiesparmöglichkeiten und installieren die kleinen Solarmodule auch selber. Es ist das einzige Viertel in ganz Korea, wo man kleine Solarmodul-Baukästen zum Selbstinstallieren erhalten kann. Bürger mit Expertise in elektronischen Belangen helfen im Backup-Center, wo Solarmodule instandgehalten und repariert werden, als Techniker aus. Kim So-young erklärt:

    Kim So-young: Das Backup-Center bietet Unterstützung für alle Bewohner des Viertel, die Solarmodule installieren wollen. Anderswo weiß vermutlich kaum jemand, wen er in einem solchen Fall kontaktieren könnte. Man müsste erst im Internet recherchieren und ein Unternehmen ausfindig machen. Aber bei uns in der Nachbarschaft gibt es Leute, die sich um all das kümmern.

    Die Techniker vom Backup-Center in Seondaegol bieten Hilfe, 24 STunden am Tag 365 Tage im Jahr.

    Sangdo-sam-dong und Sangdo-sa-dong sind inzwischen über ihre Grenzen hinaus als Energiedorf bekannt. Mittlerweile kommen auch Einwohner aus anderen Gegenden ins Energie-Dorf Seongdaegol, um sich über umweltfreundliche Technologien und Möglichkeiten des Energiesparens zu informieren. Sogar aus der weitentfernten Insel Geojedo kamen letzten November ein paar Interessierte.

    Besucher: Dieses Dorf hier betreibt sein Energieprojekt ja nun schon eine Weile und mittlerweile kann man erste Ergebnisse erkennen. Alles ist sehr praktisch orientiert. Es wäre sehr schön, wenn wir etwas Ähnliches auch bei uns auf Geoje auf den Weg bringen könnten.

    So kommen heute ökologisch interessierte Menschen hierher, um sich zu informieren. Doch wie entstand eigentlich die Idee, energieversorgungstechnisch unabhängig zu werden?

    Vor mehr als sechs Jahren, im März 2011, hörte Kim So-young (김소영), Mutter von Zwillingen und heute Sprecherin des Energieprojekts von Seongdaegol, die schockierenden Nachrichten von der Nuklearkatastrophe im japanischen Fukushima.

    Kim So-young: Die Katastrophe von Fukushima betraf nicht nur ein einzelnes Land. Korea liegt Japan von allen Ländern am nächsten und musste insofern befürchten, ebenfalls von der Katastrophe betroffen zu sein. Ich wollte mehr über die ganze Problematik wissen, etwas über die möglichen Auswirkungen auf uns und unsere Kinder erfahren und nach Wegen suchen, damit umzugehen. So fing damals alles an.

    Als Kim So-young begann, sich mit der Problematik auseinanderzusetzen, wurde die Gefahr eines Erdbebens auf der koreanischen Halbinsel von den meisten als sehr gering eingeschätzt. Doch im letzten und vorletzten Jahr kam es in Pohang and Gyeongju zu Beben von einer Stärke von mehr als 5 und man musste einsehen, dass auch die koreanische Halbinsel nicht als erdbebensicher gelten kann.

    Die Auswirkungen einer vorhersagbaren Katastrophe mögen einigermaßen begrenzt sein. Staatliche Großprojekte im Umfang astronomischer Summen mögen gewisse Sicherheit bieten, aber noch wirkungsvoller ist die Beteilung aller Bürger an einem nachhaltigen Energieprojekt. Und so begann Kim So-young, sich auf eigene Faust zu informieren.

    Kim So-young: Ich erfuhr, dass das Problem der Atomkraft mit dem Problem der Energieproduktion zusammenhängt und das Problem der Energieproduktion mit dem des städtischen Energieverbrauchs. Ich dachte mir, dass man damit beginnen sollte, ein Atomkraftwerk im Distrikt Dongjak überflüssig zu machen und abzuschalten. Wenn das allen 25 Seouler Stadtbezirken gelänge, und man dann weitermachte, würden vielleicht irgendwann alle Atomkraftwerke im Lande überflüssig werden. Ich sprach mit anderen Einwohnern darüber und gemeinsam nahmen wir Unterricht, um uns weiter zu informieren.

    So kam man zu der Einsicht, dass der Energieverbrauch gesenkt werden müsse. Kim So-young versuchte, eine Initiative in Gang zu bringen. Doch erwies sich dies als sehr viel schwieriger als zunächst angenommen.

    Kim So-young: Nach der Katastrophe von Fukushima waren alle geschockt. Aber selber betroffen fühlten sich die meisten eher nicht. Es ist nicht einfach, andere zu überzeugen. Ich habe sie gefragt, ob sie das nicht auch schockierend fänden und ob wie nicht gemeinsam etwas unternehmen sollten, auch im Hinblick auf das künftige Leben unserer Kinder. Da meinten die meisten bloß: Na, dann mach doch. Mich interessiert das nicht.

    Worte allein waren nicht genug, um andere überzeugen zu können. Man brauchte konkretes Anschauungsmaterial. Und so startete Kim So-young die Energie-Check-Kampagne.



    Kim So-young: Um Energie sparen zu können, muss man zunächst wissen, wofür die Energie benutzt wird, so ähnlich wie bei einem Gesundheitscheck. Um die Kosten für den Energieverbrauch zu senken, muss man herausfinden, wo im Haushalt überall unnötig Energie verbraucht wird.

    Kim So-young war optimistisch, weil sie Vertrauen in ihre Nachbarschaft hatte. Die Gemeinde hatte schon früher einmal ein Projekt durchgeführt, bei dem 40 Millionen Won, also über 30000 Euro, für die Einrichtung einer Bücherei gesammelt wurden. So war sie überzeugt, auch dismal wieder engagierte Helfer finden zu können. Doch Bücher und Energie sind unterschiedliche Dinge, wie sie ernüchtert feststellen musste.

    Kim So-young: Nach dem erfolgreichen Bücherei-Projekt dachte ich, dass die Stimmung für eine Energie-Kampagne ähnlich sein würde. Aber da hatte ich mich getäuscht. Von der Bücherei haben alle sofort profitiert, und sie alle wollten ja auch neue Bücher für ihre Kinder. Sie haben in der Bücherei sogar abwechselnd Kinderbetreuung gemacht. Aber als ich dann ankam und wissen wollte, wie viel Energie man so verbrauche und wo man vielleicht sparen können, da meinten sie nur, dass wäre einfach zu viel für sie.

    So wurde die engagierte Frau von vielen Nachbarn zunächst schief angeschaut. Und da in Korea der Stromverbrauch verhältnismäßig billig ist, hatten viele Leute kein besonderes Interesse am Energiesparen.

    Kim So-young: Es hat die Leute einfach nicht interessiert. Sie wollten einfach lieber weiter selbst ihren Strom bezahlen wie bisher. Strom ist ja so billig. Eine Familie mit geringem Einkommen gibt im Monat durchschnittlich 30.000 bis 40.000 Won für Strom aus. Das ist weniger als die monatliche Rechnung für ein Mobiltelefon für eine einzige Person.

    Wenn man Menschen von einer Sache überzeugen will, muss man auf sie zugehen und persönlich mit ihnen in Kontakt kommen. So wurden erst einmal ein paar Hausbesuche abgestattet und Analysen zum dortigen Strom- und Gasverbrauch angestellt. Erfreulicherweise zeigten sich die Mitglieder der jeweiligen Haushalte durchaus offen für die angesprochene Energieporblematik. Park Eun-suk 박은숙, die nun selbst Forschungsarbeit für das Stadtteilprojekt betreibt, erinnert sich.

    Park Eun-suk: Die kamen ins Haus und haben eine sogenannte Energie-Diagnose erstellt. Vorher hatte ich irgendwie nur vage das Gefühl, dass die Stromrechnung zu hoch ist, wusste aber nicht, wo ich hätte sparen können. Da gab es eine ganze Menge Stromverschwendung, von der ich vorher gar nichts wusste.

    Durch die direkte Besuche konnte Vertrauen aufgebaut werden und man kam nun sehr viel leichter miteinander ins Gespräch. Den Bürgern wurde die Installation von Solaranlagen nahegelegt und es wurden Energieexperten eingeladen, die Vorträge gehalten haben. Und in der Stadtteilbibliothek wurde die sogenannte Energiespar-Zentrale eingerichtet. Kim So-young erklärt, was es damit auf sich hat.

    Kim So-young: Das nennt sich Energiespar-Zentrale, aber eigentlich ist das nichts Besonderes. Die einzelnen Haushalte zeichnen eine Kurve ihres Energieverbrauches. Wenn man ohne besonderen Plan den Strom einfach so verbraucht, ist die Kurve rot, und wenn man beginnt, Energie zu sparen, wird sie grün. Man kann genau erkennen, wieviel eingespart wurde. Und wenn man die einzelnen Haushalte addiert, ergibt sich eine ganz schöne Kapazität. Wenn 15 Haushalte in einem Monat jeweils 20 Kilowatt sparen, entspricht dies dem monatlichen Gesamtstromverbrauch zweier Haushalte.

    Die Energiesparzentrale entstand also aus dem Gedanken, dass Energiesparen im Grunde nichts anderes ist als Energieproduktion. Innerhalb kurzer Zeit wurde daraus ein richtiger kleiner Energiesparwettkampf. Noh Seong-suk, Einwohnerin im Viertel, erinnert sich.



    Noh Seong-suk: Wir haben die Kurven nach unseren Kindern benannt. Yuchani, Minjeongi, Siyuni. Die hatten dann auch ihren Spaß. Guck mal, die Kurve von unserer Familie ist ein bisschen nach unten gegangen, aber bei den anderen ist sie hochgegangen! So haben wir einen kleinen Wettkampf veranstaltet.

    So begann die Aktion im Jahre 2011. Die Akten mit den Verbrauchsstatistiken werden immer noch in Bibliothek aufbewahrt. Frau Noh will nach all der Zeit mal wieder einen Blick darauf werfen. Und tatsächlich wird sie fündig. Die Kurve „Yuchani“ befindet sich noch immer im Archiv.

    Noh Seong-suk: Da ist sie ja! Die Kurve Yuchani! Der Energieverbrauch 2011-2012. Der war damals schon ganz schön gering. Heute ist es sicher noch weniger.

    Und beim Vergleich der verschiedenen Kurven stellt Frau Noh rückblickend zufrieden fest: Die Sparanstrengungen damals waren durchaus schon recht erfolgreich.

    Noh Seong-suk: Hier steht in rot der Verbrauch für Januar 2011: 179 Kilowatt. Dann habe ich bei der Energiesparbewegung angefangen und 2012 waren es nur noch 153 Kilowatt. Wenn ich das hier so sehe, kommen mir tatsächlich Erinnerungen an alte Zeiten!

    Jeden Monat wird auf diese Weise der Energiespar-König gewählt, die Aktion erhält einen spielerischen Charakter, macht der ganzen Familie Spaß und weckt bei nach und nach bei immer mehr Einwohnern des Viertels Interesse. Mittlerweile nehmen bereits etwa 4000 Haushalte daran teil. Auch eine Energiespar-App für das Smartphone, die einem genau sagt, wie viel Energie gerade verbraucht wird, ist inzwischen erhältlich. Noh Seong-suk ist es gelungen, ihre Stromrechnung von monatliche etwa 20000 Won auf nun nur noch 3000 Won zu senken, selbst für einen dreiköpfigen Haushalt wie den ihren eine so unglaubliche Leistung, dass der Stromableser tatsächlich zunächst annahm, der Zähler sei kaputt.

    Noh Seong-suk: Da kam ein Anruf von der Hanjeon. Der Stromableser hat gemeint, mein Zähler sei defekt. Was denn da kaputt sei, wollte ich wissen. Da meinten die, der Zähler drehe sich irgendwie rückwärts. Deshalb müsse er ausgetauscht werden. Da hab ich denen gesagt, da ist überhaupt nichts kaputt, bloß habe ich jetzt eine Solaranlage. Da wird bitte schön überhaupt nichts ausgetauscht. Dass sich ein Zähler rückwärts dreht, habe ich ja noch nie gesehen. Aber als ich dann mal darauf geachtet habe, war es tatsächlich so, der hat sich wirklich rückwärts gedreht.

    Weil die Solaranlage immer neuen Strom produzierte, drehte sich der Stromzeiger offenbar tatsächlich rückwärts. Ganz unabhängig von dem offensichtlich etwas irritierten Stromzähler – Noh Seong-suk zahlt auf die Stromkostengrundgebühr von 1000 Won lediglich 2000 Won pro Monat drauf und hat damit mit Sicherheit den Titel einer Energiesparkönigin verdient. Doch im Seondaegol-Viertel gibt es eine ganze Reihe solcher Energiesparkönige. Frau Kang Pil-soon (강필순) hat 40 Jahre lang in Seongdaegol gelebt. Sie ist ebenfalls Energiesparkönigin und leistet PR-Arbeit für das Viertel.

    Als erstes führt sie die eingetroffenen Reporter eine schmale Treppe hinauf auf das Dach ihres Hauses. Dort oben baut sie all ihr Gemüse an.

    Kang Pil-soon: Schauen Sie mal, Ingwer, Chilischoten, Auberginen, Zucchini, Salat, Tomaten … Die wachsen hier oben alle sehr gut. Die Frühlingszwiebeln und den Salat habe ich im Herbst angepflanzt. Davon habe ich schon fast alles geerntet. Was ich hier anpflanze, wächst wirklich prima.

    Doch die Pflanzen sind nicht das einzige, das hier oben in den Himmel schaut. Auch ihre Solaranlage steht hier. Die Solaranlage sonnt sich, um Elektritität zu erzeugen und die Pflanzen sonnen sich, um zu wachsen.

    Die Solaranlage hier oben zu installieren, war eine ziemlich Herausforderung. Ihr Ehemann wollte lieber Kürbisranken, Kang Pil-soon bestand auf der Solaranlage. Und keener der beiden war bereit nachzugeben.

    Kang Pil-soon: Ich habe ihm gesagt, die Solaranlage ist gut für die Umwelt und spart Energie, aber er wollte nicht auf mich hören. Als er dann mal weg war, habe ich jemanden gebeten, die Installation vorzunehmen. Mein Mann war nicht so begeistert, als er dann wiederkam und sah, was inzwischen passiert war.

    Ihr Ehemann beschwerte sich noch eine Weile darüber, nun keine Kürbisse dort oben anpflanzen zu können, aber es ein Blick auf die Stromrechnung besänftigte sein Gemüt. Hatten sie vorher etwa 40000-50000 Won im Monat gezahlt, waren es nun nur noch 14000-17000 Won, also nur noch etwa ein Drittel.

    Frau Kang hat die 70 wohl bereits überschritten, doch wirkt sie gut zehn Jahre jünger. Auch geistig macht sie einen jugendlichen Eindruck. Regelmäßig nahm sie an den Energiekursen des Ausbildungszentrums teil und war eine der wenigen Seniorinnen, die sich gleich für die Eigenmontage der Solaranlage interessierte.

    Kang Pil-soon: Ich habe zweieinhalb Jahre an den Vorlesungen von Kim So-young in der Bibliothek von Seongdaegol teilgenommen. Da habe ich viel über die Vorteile der Solarmodule gelernt und wollte deshalb auch auf meinem Dach welche haben. Wenn jeder Haushalt dadurch nur 500 Won einspart, kann die Regierung insgesamt eine enorme Summe sparen. Deshalb spreche ich jetzt mit allen Leuten, die ich treffe über die Energieproblematik.

    Frau Kang hat mit ihrer Solaranlage übrigens einen guten Weg gefunden, möglichst viel Energie zu sparen. Sie erledigt einen Großteil der Hausarbeit immer dann, wenn das Sonnenlicht am hellsten ist.

    Eine weitere Aktion im Rahmen der Energiespar-Bewegung ist die Initiative „Energiefreundlicher Laden“, bei der Geschäfte ausgezeichnet werden, die besonders eifrig Energie eingespart haben. Baek Yeong-ja, die ein Bulgogi-Restaurant betreibt, wurde diese Ehre zuteil.

    Baek Yeong-ja: Die Gäste wollen ja im Sommer, dass die Klimaanlage angeschaltet wird. Aber wenn nur ein einziger Gast da ist, dann erkläre ich ihm, dass dies nicht gut für die Umwelt ist, und bitte ihn um Verständnis dafür, dass die Klimaanlage ausbleibt. Und wenn tagsüber kein Gast hier ist, von 14 bis 17 Uhr, dann mache ich auch immer überall das Licht aus. Das sind so die Sachen, auf die ich ein wenig achte.

    Dies mögen Kleinigkeiten sein, aber auf diese Weise gelang es Baek Yeong-ja, ihre Stromkosten um mehr als die Hälfte zu senken. Und natürlich freut auch sie sich darüber, überall in der Nachbarschaft die vielen Solarmodule auf den Dächern zu sehen.

    Baek Yeong-ja: Also, wenn ich jetzt hier im Viertel unterwegs bin, sehe ich überall die Solaranlagen. Neulich erst wieder, da kam ich den Weg von Süden her zurück. Alles voll mit Solaranlagen. Früher gab es so etwas hier ja gar nicht.

    So entsteht nach und nach ein neues Energiebewusstsein in einer Umgebung, in der man dies wohl nicht unbedingt erwarten würde. Mittlerweile haben schon etwa 160 Läden die begehrte Plakette „Energiefreundlicher Laden“ erworben.

    Um Informationen zum Thema Energie auszutauschen, braucht man Zusammenkünfte. Hierzu wurden das Forschungzentrum für das Leben im Viertel und das Living Lab geschaffen. Im Living Lab werden Einwohner des Viertels, die mit der Energieproblematik noch nicht so vertraut sind, zu Themen wie Solar- und Atomenergie unterrichtet, Hinweise zum Energiesparen vermittelt, DIY-Solarbaukästen zusammengesetzt und Anleitungen zur eigenen Installation von Solarmodulen gegeben, so dass auch Mieter an den Energiesparaktionen teilnehmen können, ohne dabei ständig an den Hausbesitzer denken zu müssen. Kim So-young erklärt:

    Kim So-young: Hier leben 70% der Einwohner zur Miete. Das bedeutet, sie wissen nicht genau, wann sie vielleicht umziehen werden. Und deshalb stößt man bei ihnen mit dem Thema Solarmodulinstallation leicht auf taube Ohren. Als wir überlegt haben, wie man diese Leute für Solarenergie gewinnen könnte, kam uns die Idee eines DIY-Solarbaukastens.

    Ein DIY-Solar-Kleinmodul hat eine Größe von ein mal einem Meter und ist damit so handlich, dass es von einer einzelnen Person transportiert werden kann. Auch muss es nicht unbedingt auf dem Dach installiert werden, da sich das Flachkabel problemlos durch den Fensterspalt verlegen lässt. Es hat eine Leistung von 150 Watt und produziert damit in etwa so viel Strom, wie ein Kühlschrank verbraucht.

    Kim So-young: Jetzt, wo es diese Selbstbau-Solarmodule gibt, braucht man nicht mehr unbedingt ein eigenes Dach, sondern kann sie auch in unteren Wohnungen installieren. Die kann man selber anbringen und wenn man irgendwann umzieht, einfach mitnehmen. Und wenn ein Wirbelsturm kommt, nimmt man sie einfach vorher ab.

    Im Living Lab können sich interessierte Bürger mit Fragen der Energieversorgung vertraut machen. Hier erhält man reichlich Information zu Themen wie Atomenergie, Umwelt und alternativer Energie. Und hilfreiche Hinweise für die Montage der Solarmodule. Yoon Hyuck, Vorsitzender der Händlervereinigung, meint:

    Yoon Hyuck: Ich habe mich für solch eine Solaranlage entschieden, weil man sie abnehmen und dann wieder benutzen kann. Wenn man sie nach einmaligem Gebrauch einfach entsorgen müsste, entstünde nur ein Haufen Müll, aber diese hier kann man zehn, zwanzig Jahre lang benutzen. Das war auch die erste Frage, die ich beim Kauf hatte: Wie funktioniert das mit dem Wiedergebrauch? Alle verschiedenen Einzelteile sind jeweils wiederverwendbar.

    So werden die Bürger im Living Lab zu richtigen Energieexperten. Geleitet wird das Living Lab vom Forschungzentrum für das Leben im Viertel, das ebenfalls von Einwohnern des Viertel gebildet wird.

    Kim So-young: Das Forschungszentrum hat derzeit 49 Mitarbeiter. Das sind vielfach Leute, die im Living Lab Workshops gemacht haben und sich dann entschlossen haben, sich dieser Arbeit nun mit noch mehr Expertise zu widmen. Sie haben sich dann bei mir angemeldet, um dem Forschungszentrum beizutreten.

    Es gibt ein Ausbildungsteam, das sich um die Verwaltung und um die Austragung von Lehrveranstaltungen kümmert und ein Technikteam für die Installation und Wartung der Solaranlagen. Mitglieder des Technikteams können außerdem, wenn sie eine zusätzliche Ausbildung zur Solartechnik erhalten und fünf bis sieben Probeinstallationen durchgeführt haben, anschließend Mitarbeiter des bereits erwähnten Backup-Centers werden, das den Bürgern bei bestimmten Problemen mit den Solaranlagen zur Seite steht. Ju Hee-yeol ist einer von ihnen.

    Ju Hee-yeol: Die Arbeit macht mir wirklich Spaß. Ich habe das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun. Ich glaube, es wäre gut, wenn möglichst viele Menschen in Korea Solarenergie benutzen würden. Dieser Gedanke beschäftigt mich nun schon mehr als zehn Jahre. Deshalb gefällt mir meine Arbeit als Techniker hier.

    Park Eun-suk arbeitet im Ausbildungsteam. Sie hat vor ein paar Jahren zufällig einen Vortrag über Solarenergie gehört und ist nun Mitarbeiterin im Forschungszentrum.

    Park Eun-suk: Ich habe damals gehört, dass es so einen Unterricht gibt und bin da einfach mal hingegangen. Das hat mein Interesse geweckt und ich habe eine ganz neue Welt kennengelernt. Ich habe mir gesagt, als Mutter mit Kindern sollte ich mich eigentlich auch ein bisschen in dieser Richtung engagieren, und so ist es dazu gekommen, dass ich angefangen habe, hier mitzuarbeiten.

    Park Eun-suk ist der Überzeugung, dass man sich durch die Aktivitäten des Living Lab, über den Unterricht zum Energiesparen, die genaue Dokumentation des Energiesparprozesses und die Installation von Solaranlagen energieversorgungstechnisch tatsächlich unabhängig machen kann. Sie meint:

    Park Eun-suk: Elektrische Geräte wie Fernseher, die einfach an die Steckdose angeschlossen sind, schaltet man ja meist nicht vollkommen aus, weil es umständlich ist, jedesmal den Stecker herauszuziehen. Aber wenn man es macht, kann man wirklich eine Menge Strom sparen. Wir sind ein Fünfpersonenhaushalt und haben es dank der Solaranlage geschafft, unsere Stromrechnung von etwa 60000-70000 Won auf rund 35000 Won zu senken, also zu halbieren. Ich habe mir immer fleißig Notizen gemacht und aufgeschrieben, was mir so aufgefallen ist. Und den Preis der Engergiesparkönigin habe ich auch schon mal bekommen.

    Was sie besonders freut, ist die Tatsache, dass sie mit ihren Bemühungen nun nicht mehr alleine dasteht, sondern sich mittlerweile die ganze Familie daran beteiligt.

    Park Eun-suk: Am Anfang musste ich immer herummeckern. Zieh den Stecker raus! Das fanden alle ziemlich doof und haben es erst recht nicht gemacht. Ich habe dann deshalb den Stecker einfach immer still und leise selber rausgezogen, ohne etwas zu sagen, und irgendwann haben die Kinder es tatsächlich auch einfach von selbst gemacht. Als ich mit der Eigenmontage der Solaranlage begonnen habe, hat meine Mutter auch gefragt, warum ich so gefährliche Sachen mache, aber dann hat sie gesehen, dass es tatsächlich etwas bringt. Und jetzt macht sie selber bei unseren Infokampagnen mit.

    Ein wichtiger Teil des Forschungszentrums ist die Ausbildungsarbeit. Hier geht es vor allem auch darum, der Generation von morgen, den Kindern, etwas über die Realität der Energieversorgung beizubringen. Seit 2012 findet der Unterricht statt, sieben Vorlesungen pro Jahr werden abgehalten.

    Park Eun-suk: Guten Tag, mein Name ist Park Eun-suk. Ich arbeite hier im Energieprojekt von Seongdaegol. Wenn wir an Lautsprecher denken, dann sind die allermeisten davon welche, die mit Strom aus der Steckdose funktionieren. Aber dieser hier funktioniert völlig ohne Strom.

    Park Eun-sook ist in der Mittelschule Kuksabong in Sangdo-sa-dong, um den Schülern etwas über Energie zu erzählen. Heute geht es um einen Lautsprecher, der keinen Strom verbraucht.

    Park Eun-suk: Warum stellen wir solche stromlosen Lautsprecher her? Richtig, weil es besser ist für die Umwelt. Wir brauchen keinen Strom und können ihn trotzdem zum Musikhören benutzen. Oder um den Handyton laut zu stellen.

    Das Prinzip eines solchen Lautsprechers ist sehr einfach. In eine rechteckige Holzpanele sind seitlich zwei Löcher gebohrt und das Handy kann man von oben einen den dafür vorgesehenen Spalt stellen. So wird die Resonanz auf natürliche Art und Weise vergrößert, ohne dass man dafür Strom bräuchte. Davon können sich die Teilnehmer des Kurses selbst überzeugen, indem sie es ausprobieren. Es funktioniert tatsächlich. Und das vollkommen ohne Strom. Für die Kinder, die in einer Welt strombetriebener Geräte aufwachsen, eine faszinierende Erfahrung.

    Schüler 1: Ich glaube, das benutze ich jetzt ganz viel, wenn ich zu Hause mit meiner Familie Musik höre.
    Schüler 2: Wenn ich Mamas Handy zum Musikhören nehme, dann benutze ich jetzt nicht mehr den Bluetooth-Lautsprecher, sondern den aus Holz. Das ist wirklich toll. Und ich dachte, das funktioniert doch bestimmt nicht!


    Neben der Vorlesung gab es noch eine Sonderverantstaltung. Die Schüler konnten auf einem Fahrrad sitzen, in die Pedale treten, so selbst Strom erzeugen und mithilfe dieser Elektrizität Zuckerwatte herstellen. So wird der Ballen mit der Zuckerwatte allmählich immer größer und die Mühe lohnt sich, denn natürlich darf die Süßigkeit am Ende auch verzehrt werden.

    Schüler 3: Die Zuckerwatte hat wirklich gut geschmeckt. Und es war eine schöne Belohung, den immerhin habe ich sie selbst mühevoll hergestellt. Ich habe mir vorher nie viele Gedanken über Elektrizität gemacht, aber nun denke ich, dass man sie nicht verschwenden sollte. Wenn man mehr Dinge selber machen würde, könnte man bestimmt eine Menge Energie sparen und die Gesellschaft vielleicht etwas verbessern.

    Vor fünf Jahren entstand im Seongdaegol ein besonderer Supermarkt, der Energie-Supermarkt. Das kleine Geschäft bietet auf nur 23 Quadratmetern Fläche allerlei Artikel, die in irgendeiner Form mit dem Energiesparen zusammenhängen. Energiesparende Mehrfachsteckdosen, LED-Glühbirnen, solarbetriebene Aufladegeräte, Standby-Schalter und allerlei mehr.

    Noh Seong-suk: Hier, das ist ein Solaraufladegerät, bei Sonnenschein kann man das Handy damit innerhalb von vier Stunden vollständig aufladen. Dabei richtet man es am besten so ein, dass es möglichst viel Sonnenlicht abbekommt. Je nach Bedingungen des Lichteinfalls kann das Aufladen mal mehr, mal weniger Zeit beanspruchen.

    Im Vergleich zu einem herkömmlichen Aufladegerät dauert das Aufladen also länger, aber dafür kommt die Energie direkt von der Sonne. Der Energie-Supermarkt ist aber nicht einfach nur ein Ladden. Es ist ein Treffpunkt, an dem Leute auch Gelegenheit haben, sich zu unterhalten. Noh Seong-suk erklärt:

    Noh Seong-suk: Natürlich sollen hier Sachen verkauft werden, aber noch wichtiger ist es, dass man sich hier auch Hinweise und Ratschläge zu energierelevanten Fragen bekommt. Hier im Laden arbeiten Fachleute, und so kommen oftmals auch Kunden, die einfach nur eine Frage beantwortet haben möchten.

    Mittlerweile kommen auch Kunden aus anderen Gegenden hierher. Lee Gyeong-soo (이경수) kommt aus Mia-dong (미아동) im Bezirk Gangbuk.

    Lee Gyeong-soo: Dies ist kein Elektrofachgeschäft, und deshalb findet man hier vielleicht nicht alle Elektroartikel, aber hier geht es ja um den Aspekt des Energiesparens und in diesem Bereich kann man hier wirklich eine ganze Menge lernen.

    Auch der Energie-Supermarkt selbst bezieht seine Energie aus Solarmodulen. Außerdem ist ein solar betriebener Heizlüfter installiert. Und im Winter benutzt man einen Pelletheizung, wobei Pellets, also aus Sägespäne komprimierte kleine Stäbchen international ebenfalls offiziell als erneuerbare Energie anerkannt sind.

    Was als kleine Initiative begann, kann heute landesweit als Vorbild dienen. Einzelpersonen und Organisationen aus dem ganzen Land kommen inzwischen hierher, um mehr über Energie zu lernen. Im vergangenen November kam eine zwanzigköpfige Gruppe von der Insel Geojedo.

    Kim So-young hält eine Vorlesung zur Energiethematik und zu der von ihr geleiteten Energiesparbewegung. Dabei wird sie jedesmal daran erinnert, was in den vergangenen sieben Jahren schon geleistet und aufgebaut wurde, Energiesparzentrum, Living Lab, Energie-Supermarkt, DIY-Solarbausätze, Aktion Energiefreundlicher Laden, Forschungszentrum zum Leben im Viertel, Backup Center Unterricht in Schulen. Kein Wunder, dass Seongdaegol mittlerweile überregionale Bekanntheit erlangt hat.

    Von den Parks und Straßen des Viertels sieht man überall die Solar anlagen auf den Dächern. Und die Besucher aus Geoje sind nun optimistisch, dass auch bei ihnen die Engeriewende gelingen kann.

    Bewohner von Geoje 3: Viele Leute sind mit dem Begriff Solarenergie noch nicht recht vertraut. Dabei ist die Installation so einfach. Man muss es einfach nur anschließen. Das ist wirklich ein Riesenfortschritt. Ich glaube, ich muss auch ein so ein Solarmodul bei mir installieren. Die Atomproblematik wird ja zurzeit sehr stark diskutiert, und ich finde, wir sollten unseren Teil zu einer sicheren Energieversorgung beitragen. Man kann mit kleinen Schritten beginnen und die Bemühungen nach und nach vergrößern.

    Weniger Energie zu verbrauchen ist der einfachste Weg Energie zu sparen. Auf den ersten Blick mag man vielleicht auf den Gedanken kommen, dass Energiesparen nicht viel mit der Reduktion der Atomkraftwerke zu tun hat. Eine einzelne individuelle Einsparung fällt ja nicht besonders ins Gewicht. Aber wenn alle mitmachen, verändert sich die Situation entscheidend. Kim Bong-nyeo (김봉녀) von der Umweltvereinigung des won-buddhistischen Antinuklearen Informationszentrums meint:

    Kim Bong-nyeo: Kleine Dinge werden oftmals sehr groß, wenn viele Menschen sie gemeinsam tun. Es ist sehr beeindruckend zu sehen, dass Mütter nun plötzlich Dinge bemerken, um die sie sich nie zuvor gekümmert haben, bevor sie Kinder bekommen haben. Sie sehen, das Energie nichts Selbstverständliches ist, wie wertvoll die Natur für uns ist, und wie wichtig es ist, energiepolitisch verantwortungsvoll zu handeln. Und sie bilden eine kollektive Bewegung und nehmen dabei immer mehr andere Menschen mit. Das ist wirklich großartig.

    Letztes Jahr fand am 11. November im Park von Seongdaegol das Fest zur Energieautonomie des Stadtteils statt. Zahlreiche Bürger waren gekommen, um gemeinsam zu feiern. Kim So-young erklärt die Idee dieser besonderen Veranstaltung:

    Kim So-young: Das Konzept dieses Festes besteht darin, möglichst keinen Strom zu verbrauchen, sondern allein natürliche Energie oder Körperenergie zu nutzen. Wir haben hier ein Fahrrad, mit dem Strom erzeugt werden kann und auch unsere stromlos betriebenen Lautsprecher kommen zum Einsatz. Auch der Springbrunnen funktioniert mit Solarkraft. So wollen wir den Kindern zeigen, wie Strom aus natürlicher Energie gewonnen werden kann.

    Und nicht nur die Kinder können sich inspirieren lassen, sondern natürlich auch die Eltern. Auch die Tatsache, dass Strom nicht einfach nur aus der Steckdose kommt, sondern mit physischer Energie und Kraftaufwand zu tun hat, können vor allem die Kinder hier hautnah erleben. Vor allem, wenn sie in die Pedalen des Stromgenerators treten: Ganz schön anstrengend. Wenn die Stromproduktion so viel Kraftaufwand erfordert, kommt vielleicht der eine oder die andere auf den Gedanken, mit diesem wertvollen Gut in Zukunft ein wenig sparsamer umzugehen, wer weiß?