Sie fragen, wir antworten

2007-12-11

FRAGE: Werner Schwemmer aus Grünstadt schreibt: Vom Märchen von Hwang Jini konnte ich leider nur Teil vier hören, wo Hwang Jini einen buddhistischen Mönchen stark durcheinander gebracht hat. Sind denn buddhistische Mönche auch zur Keuschheit verpflichtet?

ANTWORT: Das kommt ganz darauf an, welche Richtung des Buddhismus man betrachtet. Buddha warnt in den moralischen Richtlinien an seine Schüler eher gegen sexuelles Fehlverhalten wie Untreue oder sexuelle Ausbeutung, als strikt sexuelle Abstinenz zu verlangen. Daran sollten sich buddhistische Laien allgemein orientieren. Buddha selbst war übrigens nicht sein ganzes Leben lang enthaltsam. Er war mit Prinzessin Yasodhara verheiratet, die ihm einen Sohn namens Rahula gebar. Erst nachdem er im Alter von 29 Jahren den Palast seines Vaters verlassen hatte, lebte er für den Rest seines Lebens im Zölibat. Hier stellt sich natürlich die Frage, warum er sexuelle Aktivitäten ablehnte und welche Bedeutung das für den Buddhismus allgemein hat.

Das sexuelle Verlangen ist im Rahmen der vier edlen Wahrheiten zu sehen, die den Kern der buddhistischen Lehren bilden. Menschliches Leiden und Unzufriedenheit und damit das Unvermögen, wahren Frieden und Zufriedenheit zu erlangen, wird von Verlangen angetrieben. Zu diesem Verlangen gehört auch der starke und wiederholte Wunsch nach Sinnesgenuss. Es ist aber gerade dieses Verlangen, das uns an das ewige Rad der Wiedergeburt kettet und wahre Erlösung und Erleuchtung unmöglich macht.

Von allen menschlichen Verlangen ist das sexuelle Verlangen wahrscheinlich eins der stärksten. Diejenigen, die Sexualverkehr abschwören, versuchen damit die Fesseln, die ihnen das sexuelle Verlangen anlegt, zu sprengen und damit dem damit verbundenen Leiden, das die Bindung an Unbeständiges und Vergängliches bringt, zu entkommen. Bei der Entscheidung fürs Zölibat geht es im Buddhismus daher nicht um Verneinung und Unterdrückung, sondern um Bewusstsein und Freiheit.

Vor diesem allgemeinen Hintergrund haben sich verschiedene buddhistische Richtungen entwickelt, in denen in Extremfällen den Mönchen sogar das Gespräch mit Vertretern des weiblichen Geschlechts verboten ist. Am anderen Ende des Extrems gibt es auch buddhistische Gemeinschaften, die Elemente des indischen Tantrismus aufgenommen haben, in dem sexuelle Praktiken als Ritual dienen. Der Buddhismus, der in der hinduistischen Tradition steht, fordert das Zölibat für den Sangha, also die buddhistische Ordensgemeinschaft. Der Geschlechtstrieb und die Zeugung von Nachkommen werden als die wesentlichen Faktoren für die Knechtschaft des Karma angesehen, aus der der Buddhist zu entkommen trachtet.

Das ist in Japan wieder ganz anders. Heute ist das Zölibat, bzw. das Gebot der "Hauslosigkeit", in fast allen in Japan verbreiteten buddhistischen Richtungen aufgehoben. Die meisten Mönche haben Familie und betreiben ihre Tempel wie einen Familienbetrieb, der später an die Kinder weitergegeben wird. Solche Familientempel sind häufig von einem kleinen Friedhof umgeben und versorgen eine lokale Gemeinde von Gläubigen mit religiösen Dienstleistungen, vor allem bei Todesfällen. In anderen Fällen werden aber auch Kindergärten oder andere soziale Einrichtungen von Familientempeln geführt.

Im Gegensatz dazu ist in den in Korea verbreiteten buddhistischen Richtungen Keuschheit für Mönche und Nonnen vorgeschrieben. Wenn die Kurtisane Hwang Jini, die übrigens wirklich gelebt hat und deren Geschichte jüngst auch in einem historischen Roman verarbeitet worden ist, den Mönchen verführt, dann belegt sie damit, dass es nicht weit her ist mit seinen Glaubensüberzeugungen. Die Erzählung enthält also durchaus auch Zeitkritik.

Unter dem Strich gilt für den Buddhismus dasselbe wie fürs Christentum, auch wenn die Begründung im Einzelfall etwas anders aussehen mag: Einige Richtungen fordern Keuschheit und Zölibat, andere vertreten eine liberalere Haltung.
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