Sie fragen, wir antworten

2010-09-04

FRAGE: Udo Jackenkroll aus Werl schreibt: Wie ich in einer Ihrer Sendungen hörte, betreibt Südkorea einige Atomkraftwerke. Was geschieht mit den gebrauchten Brennstäben? Wo werden sie wiederaufbereitet und wo endgelagert?

ANTWORT: Korea hat derzeit 20 Atomkraftwerke in Betrieb, die 40% des gesamten Strombedarfs des Landes abdecken. Weitere sind im Bau. Die derzeit in Betrieb befindlichen Atormreaktoren haben eine Auslastungsrate von 93,4% und liegen damit in Sachen Auslastung über den Reaktoren in den USA mit 89,9%, in Frankreich mit 76,1% und Japan mit 59,2%. Gleichzeitig weisen sie schon seit Jahren die weltweit niedrigste Rate an Notfallabschaltungen auf, da Design und Betrieb in hohem Maße standardisiert sind und auf Sicherheit großer Wert gelegt wird. Das macht die Atomkraft in Südkorea, das hochgradigst von Energieimporten abhängig ist, auch weitgehend unumstritten. Südkorea gehört denn mittlerweile im Atomreaktorbau auch zu den weltweit führenden Ländern und konnte bereits Reaktoren an Jordanien, die Vereinigten Arabischen Emirate, die Türkei, Indonesien, Indien und China verkaufen. Doch nun zu Ihrer Frage: Derzeit hat Südkorea einen sog. offenen Brennstoffkreislauf, d.h. es gibt keine Wiederaufbereitungsanlagen für die Brennstäbe. Unter den derzeit bestehenden Kooperationsvereinbarungen zwischen Südkorea und den USA, die 2014 zur Erneuerung anstehen, ist zurzeit eine Wiederaufbereitung weder im In- noch im Ausland möglich. Es hat in den vergangenen Jahren immer wieder Anstrengungen von südkoreanischer Seite gegeben, diese Beschränkung aufzuheben, da dadurch 30% mehr Energie aus dem Uran, das Südkorea importieren muss, gewonnen werden könnte, und sich zudem auch die Menge an hochradioaktivem Abfall verringern würde. Von koreanischer Seite hat man in dem Zusammenhang auch Überlegungen zur Offshore-Wiederaufbereitung, also Wiederaufbereitung auf offener See, angestellt, aber als zu kostenaufwändig verworfen. Beim Offshore-Verfahren fallen v.a. Dingen hohe Transportkosten an.

Für das Management von radioaktiven Abfällen ist in Korea seit 2009 die Korea Radioactive Waste Management Co. Ltd (KRWM), zuständig. Diese Dachorganisation beschäftigt sich mit allen Fragen der Entsorgung und Endlagerung von radioaktiven Abfällen und hat auch die Aufgabe, einen diesbezüglichen Konsens in der Bevölkerung zu schaffen. Zuvor war die KHNP zuständig, die Koreanische Gesellschaft für Wasser- und Atomkraft (Korea Hydro and Nuclear Power), eine Tochter der staatlichen Elektrizitätsgesellschaft (Korea Electric Power Corporation) des Landes. Da nach dem Atomenergie-Gesetz von 1988 das Verursacher-Prinzip für Abfälle gilt, haben die Atomenergie-Produzenten entsprechende Abgaben pro Einheit zu zahlen, die dann in die Abfallentsorgung und Endlagerung fließen.

Da es in Korea noch keine zentrale Endlagerungsstätte für radioaktive Abfälle gibt, die soll erst 2016 fertig gestellt werden, werden gebrauchte Brennstäbe bis dahin vorübergehend auf dem Reaktorgelände gelagert. Ende 2008 waren das rund 10.000 Tonnen, davon entfiel gut die Hälfte auf die Candu Reaktorstätte in Wolsong. Dort werden die gebrauchten Brennstäbe der vier Reaktoren nach einer Abkühlzeit von sechs Jahren erst einmal trocken gelagert. Es gibt Überlegungen zur endgültigen Lagerung in tiefen geologischen Formationen. Auch Abfälle mit niedriger bis mittlerer Radioaktivität werden auf den jeweiligen Reaktorstätten gelagert, wobei das Volumen der Abfälle durch Trocknen und Kompaktierung verringert wird. Hier ist eine Endlagerung in höheren geologischen Formationen vorgesehen.

Stätten für die Endlagerung der radioaktiven Abfälle zu finden, hat sich in den letzten Jahrzehnten als problematisch herausgestellt. Im Jahr 2000 haben dann die verantwortlichen Stellen die regionalen Selbstverwaltungseinheiten aufgerufen, sich freiwillig für die Anlage eines Endlagers zu melden. Tatsächlich meldeten sich auch sieben Kommunen, darunter der Kreis Yonggwang, in dem 44% der Bürger den Plan befürworteten. Bei der endgültigen Abstimmung wurde das Endlager jedoch abgelehnt. 2003 hat dann das damalige Ministerium für Handel, Industrie und Energie vier mögliche Lagerstätten ausgewählt, die unter Umwelt- und Sicherheitsaspekten günstig schienen und wo man die Unterstützung der Bevölkerung sichern wollte. Den betreffenden Kommunen und Bürgern stellte man umgerechnet knapp 300 Mio. US-Dollar als Anreiz und Kompensation für die psychische Belastung, in der Nähe eines Endlagers zu leben, in Aussicht. Im November 2005 bekam dann die Stadt Gyeongju an der Ostküste, die etwa 370 km südöstlich von Seoul in der Nähe der Reaktorstätte Wolsong liegt, den Zuschlag für das Endlager. Rund 90% der stimmberechtigten Bürger hatten dafür gestimmt.

Im Juni 2006 gab die Regierung bekannt, dass im Gyeongju-Endlager eine Reihe von Silos und Höhlen 80m unter der Erde eingerichtet werden sollten. Die Kapazität soll zunächst bei 100.000 200-Liter-Fässern liegen und später um weitere 700.000 erhöht werden. Die Kosten wurden auf 1,15 Mrd. Dollar veranschlagt. Neben den versprochenen 300 Mio. US-Dollar Kompensation sollen Kommunen bzw. Bürgern zudem jährlich Gebühren gezahlt werden.
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