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Südkoreas Pensionsfonds führt Code für verantwortungsvolle Beteiligungen ein

#Thema der Woche l 2018-08-06

Wirtschaft Aktuell

ⓒ KBS

Der staatliche Pensionsfonds in Südkorea führt einen Stewardship Code ein. Der Fonds verwaltet 635 Billionen Won, oder etwa 570 Milliarden Dollar, an Investitionen. Am 30. Juli entschied das Managementkomitee des Fonds, seine Rechte als Anteilseigner der Unternehmen, in die es investiert, aktiv auszuüben. Damit ebnet es auch den Weg für seine Teilnahme am Management der börsennotierten Unternehmen. Der Experte Kim Yeon-hak von der Graduiertenschule für Technologie-Management an der Sogang-Universität sagt zum Thema: 


Stewardship Code bezeichnet einen Akt der Überwachung und des Managements von Fonds unter seiner Kontrolle. Ein Stewardship Code ist eine internationale Richtlinie, die es institutionellen Investoren erlaubt, sich aktiv in Management-Entscheidungen von Unternehmen einzumischen, in die sie investieren, um ihre Interessen zu wahren. Als Folge der globalen Finanzkrise 2008 sahen es zahlreiche Finanzinstitutionen als notwendig an, sich in das Management der Firmen einzubringen. Der Stewardship Code wurde 2010 erstmals in Großbritannien eingeführt, und mehrere Länder folgten. Die meisten Industrieländer haben einen solchen Code, auch Südkorea schließt sich dem an. Es ist ein weiches Gesetz ohne legale Bindung. Institutionelle Investoren können es freiwillig und flexibel befolgen. 


Der Stewardship Code legt Grundsätze für eine verantwortungsvolle Verwaltung der Beteiligungen von Anlegern fest. Etwa 20 Länder, darunter Großbritannien, die Niederlande, Kanada und Japan, haben ihre eigene Version eines solchen Codes. Der staatliche Pensionsdienst in Südkorea, kurz NPS, hat beschlossen, die Rechte der Anteilseigner Schritt um Schritt auszuweiten und sich am Unternehmensmanagement begrenzt zu beteiligen: 


Grundsätzlich ist es der Zweck, die Interessen des NPS als Shareholder zu wahren, indem das Firmenmanagement beobachtet wird. Der NPS hat die Einführung eines Stewardship Codes schon seit Jahren geprüft. Doch die relevanten Gesetze in Korea sind unangemessen dafür, und es ist nötig, das Handelsgesetz sowie das Kapitalmarktgesetz zu ändern. Anfang dieses Jahres wies Präsident Moon Jae-in den NPS an, einen Stewardship Code einzuführen, um die Strukturreform der Konzerne zu fördern. Nach dem Skandal um Machtmissbrauch innerhalb der Eigentumsfamilie der Airline Korean Air geriet der NPS, der zwölf Prozent an Korean Air hält, in die Kritik, weil er sich nicht in das unsaubere Management des Unternehmens eingemischt hat. 


Der NPS ist der drittgrößte Pensionsfonds der Welt. Der Fonds hält Anteile von mehr als fünf Prozent an fast 300 börsennotierten Firmen. Im Zusammenhang mit dem Machtmissbrauchsskandal bei Korean Air wurde er dafür kritisiert, seine Rechte als Anteilseigner zu passiv auszuüben. Mit der Einführung des Stewardship Codes will der Fonds mit Beginn des nächsten Jahres seine Rechte ausweiten. Von 2020 an will der NPS gegen problematische Unternehmen vorgehen: 


Die Dividendenausschüttung bezieht sich auf den Betrag der Dividenden, die im Verhältnis zum Nettoeinkommen eines Unternehmens an die Anteilseigner ausgezahlt werden. Die Ausschüttung der koreanischen Börsenunternehmen fiel von 24 Prozent im Jahr 2016 auf 20 Prozent im vergangenen Jahr. Das ist weniger als Hälfte des weltweiten Durchschnitts von 43 Prozent. Die Dividendenausschüttung japanischer Firmen belief sich im vergangenen Jahr auf 32 Prozent, die der deutschen und amerikanischen Unternehmen auf 39 beziehungsweise 41 Prozent. Großbritannien und Frankreich haben Ausschüttungsquoten von 65 Prozent, das heißt, dass diese Länder zwei Drittel der Gewinne an die Anteilseigner zurückgeben. Natürlich ist eine höhere Quote nicht notwendig eine gute Sache, da es bedeutet, dass die Unternehmen nicht in die Zukunft investieren. Doch eine Quote von 20 Prozent ist zu niedrig. 


Die niedrige Ausschüttungsquote ist einer der Gründe, warum die koreanischen Aktien unterbewertet sind. Die Einführung des  Stewardship Codes könnte Abhilfe schaffen. Doch ist es schwierig, die neue Richtlinie im derzeitigen Umfeld so anzuwenden, dass sich der gewünschte Effekt einstellt: 


Japan verwaltet 1,3 Billionen Dollar des öffentlichen Pensionsfonds, das ist zweieinhalb Mal so viel wie in Korea. Der japanische Pensionsfonds hat bloß Basisprinzipien festgelegt und delegiert 100 Prozent seines Vermögens und die Stimmrechte an private Managementunternehmen. Im Fall des NPS in Korea wird die Hälfte seines Vermögens, das im einheimischen Aktienmarkt investiert wurde, durch den Fonds selber verwaltet, und die andere Hälfte von privaten Firmen. Es fällt also unter die Kontrolle der Regierung. Viele weisen auf das Problem hin, dass es ihm an Unabhängigkeit fehlt und dass eher die Ziele der Regierung erfüllt werden anstatt seine Gewinne zu maximieren. 


Auf den NPS entfallen sieben Prozent der einheimischen Marktkapitalisierung, und es hält zehn Prozent an den großen Unternehmen. Angesichts seines großen Einflusses könnte die Regierung den Fonds, der unter dem Ministerium für Gesundheit und Wohlfahrt steht, ausnutzen, um sich in das Unternehmensmanagement einzumischen. Das Ministerium erklärte, dem NPS zu erlauben, dass Vermögensverwaltungsgesellschaften seine Stimmrechte realisieren, um seinen Einfluss zu begrenzen: 


Zuerst muss es einen institutionellen Rahmen geben, um die Unabhängigkeit der Managementzentrale des NPS zu garantieren. Einige sagen, dass es nötig ist, die Zentrale vom NPS zu trennen und dieses zu einem öffentlichen Unternehmen zu machen. Doch das ist nicht genug. Der Leiter eines neuen öffentlichen Unternehmens sollte seine Organisation unabhängig betreiben können, frei von der Intervention der Regierung oder anderer Institutionen. Einige schlagen vor, dass die Nationalversammlung die Führungsspitze des Unternehmens ernennen sollte. Zweitens, es ist nötig für den NPS, mit der Verwaltung seines investierten Vermögens private Managementfirmen zu betreuen. Der NPS sollte auch nur die Prinzipien des Stewardship Codes bestimmen und die private Managementfirmen damit beauftragen, diesen umzusetzen.  


Der NPS ist dazu aufgerufen, seine Transparenz und die Unabhängigkeit auf jede mögliche Art und Weise zu vergrößern. 

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