Zum Menü Zum Inhalt

Traditionelle Instrumente

#Musik verbindet l 2018-09-05

Musik verbindet


Als in der Goguryeo-Zeit der oberste Minister Wang San-ak 왕산악 zum ersten Mal auf dem Geomungo spielte, soll ein schwarzer Kranich herbeigeflogen sein und zu dessen Musik getanzt haben. Zur Zeit des Vereinigten Silla-Reiches, so heißt es, gab es eine Flöte mit dem Namen „Manpasikjeok“ 만파식적, angefertigt aus magischem Bambus, der von König Munmu문무 bereitgestellt wurde. Der Köng selbst war ein angesehener Herrscher der Silla-Zeit und einer Legende zufolge habe er sich später in einen Drachen verwandelt. Spielte man auf dieser sagenumwobenen Bambusflöte, werde die andauernde Dürre durch einen bald einsetzenden Regen beendet, ziehe sich der Feind zurück und allerlei Krankheiten würden geheilt. Diese Geschichten mögen für heutige Ohren lächerlich klingen, doch in der Vergangenheit glaubten die Menschen daran, dass diese Instrumente sowie die ihnen entlockte Musik übernatürliche Kräfte besäßen. Ein weiteres Wunderinstrument war das Saenghwang 생황. Nach der alten chinesischen Mythologie erschuf die Göttin Nüwa die Menschen und gab ihnen dieses Instrument, damit es ihnen Freude bringe. Das Saengwang galt als Instrument der Sinseon, Geistwesen mit magischen Kräften, die einsam in den Wäldern lebten.


Das Saenghwang-Stück „Bicheonsang“ 비천상 bezieht sich auf himmlische Wesen, den „Bicheon”, die elegant zwischen den Wolken schweben, während ihre langen Ärmel im Wind hinter ihnen herflattern. Alte Darstellungen zeigen diese Himmelswesen, wie sie mit verschiedenen Instrumenten musizieren, Tee servieren oder Räucherstäbchen anzünden. Bilder oder Skulpturen von Bicheon sind am häufigsten in buddhistischen Tempeln anzutreffen. Eines der schönsten Bicheon-Kunststücke ist eine Schnitzarbeit auf einer Bronzeglocke aus dem Jahr 725 im Tempel Sangwonsa. Abgebildet sind zwei Bicheon knieend Seite an Seite auf einer Wolke, die auf dem Saenghwang und Gonghu공후 spielen. Ihre wallenden Gewänder wehen sanft im Wind, während die von ihren Instrumenten entlockten Melodien langsam zu verklingen scheinen. Bei dem Saenghwang selbst handelt es sich um einen ausgehöhlten Kürbis mit einigen daran befestigten dünnen Bambusröhren. Jede Pfeife ist mit einem dünnen Metallstück versehen, das beim Hineinblasen den eigentümlichen Klang des Instruments erzeugt. Im alten Korea galt das Saenghwang als ein magisches Instrument und die Menschen verglichen die Form mit einem hockenden Phönixvogel und seine Klänge mit denen eines Drachens.


Kim Hong-do gilt als einer der größten Maler der Joseon-Zeit. Eines seiner Bilder zeigt einen Jungen, der unter einem alten Pinienbaum auf einem Saenghwang spielt. Ungewöhnlich an dem Jungen sind seine zwei hochgesteckten Haarknoten, eine typische Haartracht für kleine Jungen, die göttlichen Wesen dienen. Der Junge im Bild trägt außerdem auf seinem Rücken eine Weinflasche sowie einen kurzen Rock aus Federn. Alles spricht dafür, dass es sich nicht um einen gewöhnlichen Jungen handelt. Es ist der chinesische Kronzprinz Jin der Zhou-Dynastie, der an der Politik nur wenig Interesse zeigte, mit 15 Jahren einen taoistischen Meister traf und das Spielen auf dem Saenghwang lernte. Im darauffolgenden Jahr soll er von seinen Eltern Abschied genommen haben und auf einem weißen Kranich, das Saenghwang spielend, zum Himmel geflogen sein. Auf dem Bild von Kim Hong-do steht der erste Vers eines Gedichts über den Kronprinz Jin und es beginnt wie folgt:


Die Bambuspfeifen sind lang und kurz, gleich einem Phönix mit ausgebreiteten Flügeln.

Der Klang ist erschreckender als die hallenden Rufe eines Drachens in der Mondhalle.


Als wollte Kim Hong-do den Klang bildlich nachempfinden, ähnelt ein Zweig des alten Pinienbaumes einem zum Himmel aufsteigenden Drachen. Es ist, als habe der Maler sich ganz in den Klängen des Saenghwang versenken wollen, um für eine Weile alle weltlichen Sorgen zu vergessen.


Musik

  1. „Bicheonsang“, gespielt am Saenghwang von Sohn Beom-ju 비천상 / 손범주 생황
  2. „Windklippe“, gespielt am Saenghwang von Kim Gye-hee 바람곶 / 김계희 생황
  3. „Vergessen“, gespielt am Saenghwang von Kim Hyo-young Oblivion / 김효영 생황

Die Redaktion empfiehlt