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Nordkorea und Japan wollen Beziehungen verbessern

#Brennpunkt l 2018-09-06

Schritte zur Wiedervereinigung

ⓒ YONHAP News

Der Besuch einer Delegation von Sondergesandten des südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-in am Mittwoch in Nordkorea wird als besonders wichtig für die Situation auf der koreanischen Halbinsel gesehen. Aber auch die Bemühungen Nordkoreas und Japans, ihre Beziehungen zu verbessern, erhält in diesen Tagen große Aufmerksamkeit. Dazu sagt der Forscher Oh Kyung-sub vom koreanischen Institut für Nationale Vereinigung in Südkorea: 


Die Washington Post berichtete am 28. August, dass der Leiter des Nachrichten- und Forschungsbüros des japanischen Kabinetts, Shigeru Kitamura, sowie Kim Song-hye, ein hochrangiger nordkoreanischer Regierungsvertreter, der für Fragen der Wiedervereingung zuständig ist, im Juli ein „geheimes“ Treffen in Vietnam hatten. Das bedeutet, es gibt Bemühungen auf beiden Seiten um bilaterale Gespräche. Nordkorea hatte zuletzt ein positives Signal gegeben. Ein japanischer Tourist, der über eine Reiseagentur in China in Nordkorea eingereist war, wurde in Nampo festgehalten. Doch weniger als einen Monat später wurde er wieder freigelassen. Das ist für solche Fälle besonders schnell. Beobachter gehen davon aus, dass beide Seiten die Beziehungen rasch verbessern wollen. 


Beide Länder hatten in der Vergangenheit oftmals Gelegenheit, ihr Verhältnis zu verbessern, nachdem Japan und die ehemalige Sowjetunion im Jahr 1959 diplomatische Beziehungen aufgenommen hatten. Doch verging eine lange Zeit. Der frühere japanische Premierminister Junichiro Koizumi besuchte 2002 Nordkorea, wo er eine Pjöngjang-Erklärung unterzeichnete. Die Erklärung sah die Normalisierung der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen zwischen Nordkorea und Japan vor. Der Streit um das nordkoreanische Atom- und Raketenprogramm sowie die Frage der nach Nordkorea verschleppten Japaner müssten gelöst werden, hieß es. Doch auch wegen der Atomtests durch Nordkorea blieben die Fragen ungelöst: 


Aus Japans Sicht ist es das größte Problem, einen direkten Kommunikationskanal zu Nordkorea einzurichten. Südkorea, die USA und China haben Dialogkanäle mit Nordkorea geöffnet und Gipfeltreffen abgehalten. Weil Japan diesen Kanal nicht hat, spricht man auch vom „Übergehen Japans“. Nordkorea will seinerseits angesichts des ungelösten Atomstreits die Beziehungen zu Japan normalisieren, weil das Land enge Beziehungen zu den USA hat. Pjöngjang könnte versuchen, zwischen Washington und Tokio einen Keil zu treiben, wenn es mit Japan Gespräche führt. 


Japan hing bisher von den USA ab, was die Kommunikation mit Nordkorea betrifft. Ministerpräsident Shinzo Abe hatte etwa die USA gebeten, die Verschleppten-Frage zu jeder Gelegenheit anzusprechen. Doch gab es keine Fortschritte. Tokio will deshalb stärker aktiv werden. Nordkorea fordert seinerseits von Japan eine größere Kooperationsbereitschaft. Pjöngjangs Interesse zielt auch auf eine wirtschaftliche Zusammenarbeit, um seine Abhängigkeit von China zu verringern: 


Das größte Problem in den nordkoreanisch-japanischen Beziehungen bleibt die Frage nach den verschleppten Japanern. Als Koizumi 2002 den damaligen nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-il traf, sprach die japanische Regierung von 17 entführten Staatsbürgern als Opfer von Entführungen durch Nordkorea. Von ihnen sind später fünf wieder nach Japan zurückgekehrt. Doch das Schicksal der anderen zwölf ist ungeklärt. Nordkorea sagt, dass acht von ihnen bereits gestorben seien. Die restlichen vier seien niemals in Nordkorea gewesen. Beide Seiten könnten darüber reden, ob die acht Japaner, von denen Nordkorea redet, tatsächlich tot sind. 


Eine weitere Frage bleibt, wie weit die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern gehen könnte. Falls sich die Beziehungen normalisieren, könnte Nordkorea von Japan 10 bis 20 Milliarden Dollar an Reparationszahlungen und Wirtschaftshilfe als Folge der japanischen Kolonialherrschaft über die koreanische Halbinsel fordern. Nordkorea erwartet von Japan zudem, sich für vergangene Kriegsgräuel zu entschuldigen: 


Obwohl beide Seiten ihre Beziehungen verbessern wollen, ist es eher wahrscheinlich, dass Fortschritte parallel zu den Verhandlungen über eine atomare Abrüstung erfolgen. Da die USA die rasche Entwicklung der innerkoreanischen Beziehungen eher kritisch beäugen, könnte Japan bei seiner Annäherung an Nordkorea den US-Standpunkt stärker berücksichtigen. Sollte beim Abrüstungsprozess ein Fortschritt erzielt werden, gäbe es eine Chance dafür, dass auch die nordkoreanisch-japanischen Beziehungen sich rasch verbessern. Doch wenn die Atomgespräche nicht vorankommen, wäre die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Tokio und Pjöngjang trotz bilateralen Gesprächen sehr schwierig.  


Die Beziehungen zwischen Nordkorea und Japan stehen an einem kritischen Punkt. Ein Fortschritt hängt auch stark davon ab, wie weit die Verhandlungen zwischen den USA und Nordkorea über den Abbau des nordkoreanischen Atomprogramms vorangetrieben werden.

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