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Über die koreanische Sprache. Folge 3

#Was mir zu Korea einfällt l 2018-10-06

Hörerecke

Ein paar schlaue Tipps


ⓒ KBS World Radio

Beim letzten Mal sprach ich davon, mit welchen besonderen Schwierigkeiten man zu tun bekommt, wenn man sich darauf einlässt, die koreanische Sprache zu erlernen. Heute will ich ein paar Dinge nennen, die mir geholfen haben, als Anfänger im Koreanischen einigermaßen Fuß zu fassen. Manches davon gilt sicher auch für das Erlernen anderer Fremdsprachen.


1. Sichere Beherrschung von Schrift und der Aussprache als Ausgangspunkt

Womit fängt man an, wenn man Koreanisch lernen will? Da gibt es nicht viele Alternativen: mit der Schrift und mit der Aussprache. Ein entscheidender Grund dafür, dass ich das Unterfangen überhaupt aufgenommen habe, ist die koreanische Schrift. Die komplizierten chinesischen oder japanischen Zeichen lernt man nicht mal eben nebenbei, aber die koreanische Schrift, das Hangeul, eine sehr logisch aufgebaute Schrift aus phonetischen Zeichen, also Buchstaben, die zu Silben zusammengesetzt werden, lässt sich innerhalb einer Woche mühelos erlernen. Man kann damit anfangen, den eigenen Namen und den seiner koreanischen Freunde auf Hangeul schreiben, und schnell kann man auch einfache, aus dem Englischen abgeleitete Wörter auf Koreanisch lesen. Man kann, wenn man das phonologische Prinizip der Zeichen verstanden hat, im besten Falle ganze Texte laut lesen, ohne ein einziges Wort zu verstehen. Das ist natürlich nicht unbedingt Sinn der Sache, aber Spaß machen kann es natürlich trotzdem, man kann seine Freunde mächtig beeindrucken und man kommt sich dabei schon ziemlich koreanisch vor. 

Während man die koreanische Schrift sehr schnell erlernen kann, braucht man für eine saubere Aussprache mehr Zeit. Und die sollte man sich unbedingt nehmen. Denn es gibt ein paar Lautungen, die für uns Deutsche nicht ganz einfach sind, und bei denen wir unbedingt die Hilfe koreanischer Muttersprachler brauchen. Dazu gehören das Zungenspitzen-R, der Vokal „eu“ oder die gespannten Konsonanten. Eine korrekte Aussprache ist so grundlegend, dass man sie am Anfang auf gar keinen Fall vernachlässigen sollte. Was einmal falsch eingeübt wurde, lässt sich, wie ich auch selbst habe erfahren müssen, später kaum wieder korrigieren.


2. Wörter mit konkreten, am besten positiven Bildern und Vorstellungen verbinden

Beherrscht man Schrift und Lautung, kann man anfangen, Wörter und Ausdrücke zu lernen. Wie lerne ich Wörter? Wenn ich die Wörter später beim Sprechen schnell parat haben möchte, empfiehlt es sich, sie nie isoliert lernen, sondern immer in Verbindung mit Assoziationen. Je konkreter die Assoziation, desto leichter behalte ich die Wörter und desto schneller kann ich sie in passenden Kontext und in der jeweiligen Sprechsituation aktivieren. 

Assoziationen können außersprachliche oder innersprachliche Assoziationen sein. Außersprachliche Assoziationen: Wenn ich das Wort „춥다 kalt“, lerne, denke ich an kalte Winterluft, wenn ich das Wort „달 Mond“ lerne, stelle ich mir so deutlich wie möglich das silbrige, helle Mondlicht vor, wenn ich das Wort „뛰다 springen“ lerne, hüpfe ich innerlich einmal in die Luft. Bei jedem Wort versuche ich, mir entsprechende Bilder, Erinnerungen und Erfahrungen im Sinn zu haben. Positive Bilder, Dinge, die ich mag, denn wenn das Wort mit schönen Bildern und angenehmen Gefühlen verbunden ist, fühle ich mich gut und freue ich mich immer wieder, wenn ich das entspreche Wort höre, oder es benutzen darf. 

Innersprachliche Verbindungen ergeben sich zwischen Wörtern der gleichen Bedeutungskategorie („Fluss“, „See“, „Meer“ 강, 호수, 바다), zwischen ähnlichen Wörtern (z. B. „groß“ und „riesig“ 크다 커다랗다) oder zwischen gegensätzlichen Wörtern („leicht“ und „schwer“ 쉽다, 어렵다). Wenn ich ein Wort gelernt habe, versuche ich gleich, ihm einen „Lebensraum“ zu geben, das heißt, ich füge es in eine sprachliche Umgebung und einen Satz, wo es gut passt und wo es sich wohlfühlt. So erschließe ich mir allmählich ein riesiges Feld an Vokabeln, die alle miteinander und mit positiven Vorstellungen und persönlichen Erfahrungen verbunden sind. 


3. Grammatik und Satzbau spielerisch üben: Auswendiglernen und Variieren

Wörter allein sind allerdings noch keine Sprache. Wenn man sprechen will, muss man die Wörter, die man benutzt, sinnvoll verbinden. Die Regeln für die Verbindung von Wörtern zu Sätzen nennt man Grammatik. Die grammatischen Regeln muss man lernen, da führt leider kein Weg dran vorbei. Das Schwierigste an der koreanischen Grammatik ist, dass sie so anders ist als die deutsche Grammatik. Anders als im Deutschen werden die Substantive nicht dekliniert und die Verben nicht konjungiert, die Wörter werden also nicht verändert, sondern sie werden erweitert, an die Verben und Substantive werden Partikel angehängt, Partikel für die verschiedenen Kasus, oder für lokale, zeitliche, instrumentale usw. Bestimmungen.

Die Grammatik im Koreanischen besteht also im Wesentlichen darin, die Partikeln, die angehängten Bedeutungsbausteine, zu lernen. Damit hat man eine Menge zu tun, denn es gibt eine Unzahl davon. Und immer geht es darum, die Regel erstens zu verstehen, zweitens anwenden und drittens zu automatisieren. Zum Verstehen braucht man ein Lehrbuch und einen Lehrer, Anwenden und Automatisieren muss man selber hinbekommen. Das gelingt meiner Erfahrung nach am besten durch spielerisches Üben in zwei Schritten. Erstens durch Auswendiglernen und zweitens durch Variation des Auswendiggelernten. 


a) Auswendiglernen 

Für eine der effektivsten Lernmethoden überhaupt halte ich – altmodisch wie ich bin – das simple Auswendiglernen von Sätzen oder Texten. So anstrengend es ist, die langfristige Wirkung ist enorm. Wenn man als Anfänger koreanische Sätze auswendig lernt, ist es meiner Erfahrung nach sehr hilfreich, wenn man dabei hinten anfängt. Denn das Kernelement des Satzes, das Verb, steht im Koreanischen hinten. Wenn man alle davorstehenden Elemente nach und nach hinzunimmt, lernt man immer komplette, grammatikalisch perfekte Sätze.

b) Spielerisches Variieren

Wenn man den Satz vollkommen verinnerlicht hat, geht es ans Variieren. Wie bei einem Baukastenset tausche ich einzelne Satzteile aus. Mal das Subjekt, mal das Objekt, mal den Ort, mal die Zeit. Die anderen Teile werden durch die Wiederholung immer weiter geübt. Dann mache ich vielleicht einmal eine Frage aus dem Satz und gebe selbst die Antwort darauf, und vielleicht wird anschließend sogar ein kleiner Dialog daraus. 


4. Laut sprechen

In jedem Falle gilt: Laut sprechen ist ungleich effektiver, als einfach nur lesen. Die Zunge und das Ohr müssen die sprachliche Prozedur mitvollziehen. Durch das laute Sprechen wird der Text zugleich verinnerlicht und veräußerlicht – ein sehr effektiver Umgang mit der Sprache. 


5. Das Gespräch suchen

Am allermeisten lernt man natürlich im direkten Gespräch mit den koreanischen Freunden. Schrift, Aussprache, Wörter und Grammatik sind auch an und für sich interessant, aber sie sind nur das Werkzeug, damit man kommunizieren kann. Das Gespräch ist eine ungleich komplexere Situation als die Übung mit dem Textbuch, eine Situation, die sehr viel mehr Konzentration und geistige Wachheit und Mut erfordert. 


Mit den schlauen Tipps soll es damit genug sein. Wie es mir tatsächlich erging, als ich meine ersten paar Brocken Koreanisch mit den Menschen in Korea wechselte, davon berichte ich beim nächsten Mal.

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