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Cho Hae-jin: „Mullae“

#Literatur zum Hören l 2018-11-06

Literatur zum Hören


Aus dem Sendeinhalt:


K., die Romane schrieb, hat mich einmal nach der ersten Sinneswahrnehmung gefragt, an die ich mich erinnern könne. 

In dem Augenblick, als sie mich dies fragte, drang ein durchdringendes Geräusch an mein Ohr, ein scharfes Klackern. Laut und deutlich, als ob dieses Geräusch schon lange darauf gewartet hätte, wie ein Wecker, der zum eingestellten Zeitpunkt klingelt.

Es war das Geräusch einer Tür, die von außen abgeschlossen wurde. 


소설을 쓰는 K가 최초의 감각에 대해 물은 적이 있다.

질문을 받은 그 순간 찰칵,

하는 소리가 날카롭게 내 귓속을 파고 들었다.

마치 오랫동안 울릴 때만을 기다려 온 소리처럼,

그러니까 일종의 타이머라도 장착되어 있다는 듯 크고 뚜렷하게.

그건 밖에서 문을 잠그는 소리였다.



Cho Hae-jin:

Ich wurde zu einem Special junger Schriftsteller eingeladen, das von der vierteljährlich erscheinenden Literaturzeitschrift Munhak Dongne gesponsort war. Man bat mich, eine autobiographische Geschichte zu schreiben. Es war meine erste memoirenartige Geschichte. In der Geschichte heißt es, dass ich nach meinem Aufbruch aus Mullae niemandem von meiner Herkunft erzählt habe. Ich habe bewusst versucht, etwas Abstand zwischen mir und diesem Ort zu schaffen, aus Scham. Ich habe mich meines Lebens dort geschämt. Ich hätte diese Geschichte in meine zweite Sammlung von Kurzgeschichten aufnehmen können, aber ich habe es nicht getan.



Die Protagonistin der Geschichte wird Schriftstellerin und reist auf der Suche nach Erzählstoff weit umher. So kommt sie in die USA, in eine Stadt im Mittleren Westen, wo sie eine Reihe von Buchvorträgen hält und koreanische Kultur unterrichtet. Sie fährt mit dem Fahrrad in den Norden der Stadt, obwohl man sie vor der Kriminalität in dieser Gegend gewarnt hat. Die Menschen, die sie dort zu Gesicht bekommt, sind hauptsächlich alte Leute, die im Müll herumstöbern, betrunkene Männer und Teenager, die Rap- oder Schimpfwörter ausspucken. Sie hat Angst, plötzlich von hinten gepackt oder angegriffen zu werden und will gerade kehrt machen, als ein schwarzer Mann auf sie zukommt und wild gestikuliert. Vielleicht ein Bettler oder auch nur jemand, der einfach nach dem weg fragen will, aber sie tritt mit aller Kraft in die Pedale, um von ihm wegzukommen. Sie erreicht die Hauptstraße und sieht ein Auto auf sich zukommen. Ein Zusammenstoß scheint unausweichlich. In diesem Moment schießen ihr unzählige Erinnerungen durch den Kopf.



Nachdem ich ihnen gesagt hatte, dass alles in Ordnung sei, dass ich nicht verletzt sei, humpelte ich mit dem Fahrrad davon. Da musste ich plötzlich an diesen Raum in Mullae-dong denken.

Vielleicht lag es daran, dass ich hier in dieser fremden Stadt einer andere Version von Mullae gesehen hatte, oder an dem klackernden Geräusch, das sich am Eingang meiner Erinnerungen auf mein Ohr gelegt hatte.

In diesem Zimmer, das nur mir ganz allein gehörte, das von einer schlaffen Zeitlichkeit durchdrungen war, in diesem Zimmer, das von Wolken durchzogen war, um meinen Körper zu bedecken, das sich aber manchmal so unwirtlich angefühlt hatte wie ein kaltes Wartezimmer, in dieses Zimmer war ich eigentlich schon vor einer Weile eingetreten.

Ich habe dieses Zimmer ignoriert, die Gegend, in der sich dieses Zimmer befand, und die Menschen, die dort lebten, als hätten sie von Anfang an nie existiert, aber ich wusste es. Ich wusste, dass die Wunden, die dieses Zimmer mir zugefügt hatte, der Beginn meiner Literatur gewesen ist, dass Mullae meine Heimat war und dass das, was ich schrieb, von dort kam. 


자전거를 끌면서 절뚝이며 걷는데 문래의 그 방이 생각났습니다.

기억의 입구에서 귓가를 감싸던 찰칵, 하는 소리 탓이었는지도 모르겠습니다.


나른한 촉감의 시간이 배어 있던 오직 혼자만의 방,

저는 그 방을, 그 방이 있던 동네와 그 동네에 살았던 사람들까지

마치 처음부터 없었던 것처럼 모른척하며 살아왔지만

알고 있었습니다.

그 방이 저에게 새겨 넣은 상처가 내 문학의 시작이었다는 것을요,

내 고향은 문래라고, 나의 문장이 그곳에서 왔다고.




Die Autorin Cho Hae-jin wurde 1976 in Mullae-dong, Seoul, geboren. Sie debütierte als Schriftstellerin 2004, als sie auch den Munye Joongang Literary Award erhielt.

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