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Die Stellung der Frau in Nordkorea

#Blick auf Nordkorea l 2019-03-07

Schritte zur Wiedervereinigung

© KBS

Am 8. März ist wieder Weltfrauentag. Nordkorea begeht seine eigene Version des Frauentags, der sogar ein Feiertag ist. Zur Stellung der Frau in dem Land sagt Professorin Chung Eun-chan vom Institut für Wiedervereinigung:  


In Nordkorea wird der internationale Frauentag am 8. März als “3.8 Jahrestag” abgekürzt. Nordkorea hat neben den traditionellen Feiertagen auch sozialistische Feiertage, die nationale und internationale Feierlichkeiten einschließen. Der internationale Frauentag wird als Tag internationaler Feierlichkeiten eingestuft. Auf der Grundlage des Marxismus-Leninismus unterstützt das kommunistische Land die Frauenrechte prinzipiell. Der Frauentag ist ein Feiertag. 


Der internationale Frauentag soll die Menschen an die Gleichbehandlung und Frauenrechte erinnern. Doch in Nordkorea wird der Tag noch anders begangen. Die Frauen versammeln sich in den Fabriken, Unternehmen oder Dörfern, um miteinander zu essen und verschiedene Spiele zu spielen. Viele Ehemänner stehen früh auf, um Essen vorzubereiten oder besorgen Kosmetika und Blumen für ihre Frauen als Zeichen der Wertschätzung. Auf politischer Seite trifft sich die Partei zu einer kurzen Sitzung:  


Am 8. März dieses Jahres feiert Nordkorea den 109. Jahrestag des internationalen Frauentags auf seine eigene Art, indem eine zentrale Informationssitzung stattfindet. Verschiedene Organisationen, die sozialistische Frauenunion eingeschlossen, haben ihre eigenen Veranstaltung während des Tags, und in der Nacht nehmen zahlreiche Frauen an Gedenkveranstaltungen teil einschließlich Tanzpartys, die von den Provinzen, den Städten und Landeskreisen ausgerichtet werden. Die Männer bereiten die Mahlzeiten vor und waschen Geschirr ab für die Frauen. Die Geburtenrate in Nordkorea ist sehr niedrig, obwohl sie noch höher ist als in Südkorea. Viele Nordkoreanerinnen wollen keine Kinder, und die Mütter von sieben oder mehr Kindern erhalten den Titel „mütterliche Heldin“. Der Titel ist Teil des Programms der Regierung, die Geburtenrate zu erhöhen. 


Nordkorea hat 1946 ein Gesetz zur Gleichberechtigung eingeführt. Das Gesetz garantiert das Wahlrecht für Frauen, verbietet Zwangsheirat und Prostitution und erkennt das Recht der Frauen auf Scheidung und Klagen auf Unterstützung für die Kinder durch die Väter an. 2010 wurde das Gesetz verschärft. Es ging um Gleichheit bei Immobilienerbschaften, ein Verbot heimischer Gewalt und ein Verbot von Entlassungen aufgrund von Heirat, Schwangerschaft und Mutterschaftsurlaub. Gesetzlich gesehen ist Nordkorea das fortschrittlichste Land, was die Geschlechtergleichheit betrifft. Nordkoreanerinnen können 240 Tage Mutterschaftsurlaub in Anspruch nehmen, 60 Tage vor der Geburt eines Kindes und 180 Tage nach der Geburt. Das ist die zweitlängste Zeitspanne weltweit hinter Großbritannien. Doch die Realität ist, dass das Leben der Frauen in Nordkorea anders aussieht, als was die Gesetze vorsehen: 


Die nordkoreanischen Gesetze sehen gleiche Rechte von Frauen und Männern vor bei Löhnen, Arbeit und sozialer Stellung. Doch für viele Frauen ist das nicht der Fall. In der Obersten Volksversammlung sind 18 Prozent der 687 Abgeordneten Frauen. An den Arbeitsplätzen erhalten die Frauen nicht den gleichen Lohn für die gleiche Arbeit wie die Männer. 


Keine Frau, die bei den UN arbeitet, stammt aus Nordkorea. Zwar spielen Frauen in der Politik Nordkoreas eine Rolle. Das zeigt etwa auch die jüngere Schwester von Machthaber Kim Jong-un, Kim Yo-jong, die auch Vizedirektorin des Zentralkomitees der Arbeiterpartei ist und bei internationalen Ereignissen auftritt. Die Vizeaußenministerin Choe Son-hui gilt als repräsentative nordkoreanische Diplomatin. Doch ist die Zahl der Nordkoreanerinnen klein, die im diplomatischen Dienst sind. In den meisten Familien herrschen strenge patriarchalische Werte, die meisten Frauen verrichten Hausarbeit und sorgen für die Kindererziehung: 


Nordkorea gebraucht oft das Wort “Blumen”, wenn es sich auf die Frauen bezieht. Die Frauen gelten als Blumen des Hauses, des Lebens und der Gesellschaft. Seit der Hungersnot Mitte der 90er Jahre tragen die Frauen zur finanziellen Unterstützung der Familie bei, weil ihre Ehemänner keinen Monatslohn mehr erhielten.


Viele Frauen wurden infolge der Hungersnot gezwungen, auf den privaten Märkten, oder Jangmadang, zu arbeiten:


Die Nordkoreanerinnen haben ihre privaten wirtschaftlichen Aktivitäten auf den Märkten ausgeweitet, um Wohlstand zu erlangen. Ihre Stellung hat sich dadurch schrittweise verbessert, und in vielen Fällen spielten sie eine größere Rolle bei der Unterstützung der Familie als ihre Ehemänner. Seitdem nach 2010 mehr Informationen von außen, zum Beispiel kulturelle Inhalte aus Südkorea, ins Land flossen, haben einige Männer in Nordkorea die Südkoreaner kopiert. Traditionelle Werte über die Geschlechterrollen verändern sich dadurch in Nordkorea.  


Zwar betont Nordkorea die positive Rolle der Frauen und die Bedeutung des internationalen Frauentags. Doch oft geht es dabei darum, die Kritik an der Menschenrechtssituation zu verdecken: 


Nordkorea hebt die Wichtigkeit der Rolle der Frauen und ihre Rechte zu internen und externen Zwecken hervor. Weil die Frauen jetzt die soziale Entwicklung anführen, unterstützen sich die interne Solidarität. Das sozialistische Nordkorea versucht seine Entschlossenheit zu demonstrieren, sich um die Frauen zu sorgen, die zusammen mit den Kindern normalerweise zu den sozial gefährdeten Gruppen zählen.

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