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Ex-Präsident Chun erscheint in Gwangju vor Gericht

#Thema des Tages l 2019-03-11

Nachrichten

ⓒYONHAP News

Im derzeit laufenden Prozess gegen den früheren Präsidenten Chun Doo-hwan geht es um die Ehrverletzung eines Verstorbenen. Chun bezichtigte in seinen Memoiren den verstorbenen katholischen Priester Cho Bi-oh der Lüge. Dieser hatte ausgesagt, dass die für die Niederschlagung der Gwangju Demokratiebewegung im Mai 1980 eingesetzten Truppen aus Hubschraubern mit Maschinengewehren auf Zivilisten geschossen hätten. Chun dementiert, dass es solche Schüsse gab. Daher steht im Mittelpunkt des Prozesses die Frage, ob Chun von den Schüssen aus Hubschraubern wusste und ob er absichtlich die Aussage des Geistlichen als Lüge zurückwies. Im Falle der Verletzung der Ehre eines Verstorbenen droht eine Haftstrafe von bis zu zwei Jahren oder eine Geldstrafe von bis zu fünf Millionen Won (4.400 Dollar).


Chun leugnete in seinen Memoiren, dass Schüsse mit Maschinengewehren aus Hubschraubern abgegeben worden waren. Er behauptete, dass fürchterliche Geschichten wie Schüsse aus Hubschraubern erfunden und weitergegeben würden. Es sei jedoch durch die Aussage des damaligen Staffelkommandeurs nachgewiesen worden, dass dies eine haltlose Behauptung sei. Cho habe auch danach seine falsche Behauptung nicht zurückgenommen. Er sei lediglich ein schamloser Lügner, der den Titel des Geistlichen nicht verdiene, kritisierte Chun.


Jedoch wurde durch verschiedene Kanäle bestätigt, dass tatsächlich aus Hubschraubern auf Zivilsten geschossen worden war. Sowohl ein Sonderuntersuchungsausschuss des Verteidigungsministeriums zur Gwangju Demokratiebewegung als auch die Staatsanwaltschaft kamen zu diesem Schluss. An der Außenwand eines Gebäudes in Gwangju wurden Einschusslöcher entdeckt. Der Nationale Forensische Dienst schrieb in einem Gutachten, dass diese Schüsse aus im Schwebeflug (hovering) befindlichen Hubschraubern abgegeben worden waren. Der Schwebeflug bedeutet einen Flugzustand, bei dem Flugzeuge in einer bestimmten Höhe unverändert verbleiben.


Das Sonderuntersuchungskomitee des Verteidigungsmininisteriums veröffentlichte einen Bericht, in dem diese Tatsache bestätigt wurde. Darin steht, dass das Heer am 21. und 27. Mai 1980 aus Hubschraubern auf Bürger in Gwangju geschossen habe. Das Komitee fand heraus, dass einige damalige militärische Dokumente gefälscht worden waren. Die damals eingesetzten Piloten behaupteten, dass es keine Schüsse gegeben habe, obwohl die Hubschrauber mit Munition bestückt gewesen seien. Ein Teil der Piloten ließ sich nicht auf die Befragung ein. Der Sonderausschuss fand jedoch anhand von mehreren Dokumenten des Militärs und Augenzeugenberichten heraus, dass aus einigen der mehr als 40 eingesetzten Hubschrauber aus, darunter Angriffshelikopter, auf Einwohner in Gwangju geschossen worden war. In dem Bericht steht auch, dass die Luftwaffe bewaffnete Kampfflugzeuge einsatzbereit gehalten hatte.


Die Staatsanwaltschaft kam vor allem anhand eines geheimen Telegramms der US-Botschaft zu dem Schluss, dass tatsächlich aus Hubschraubern heraus gefeuert worden war. Darin hieß es, dass es eine Warnung vor Schüssen auf Bürger aus Hubschraubern gegeben habe und dass es tatsächlich zu Schüssen gekommen sei. Daher betrachtet die Staatsanwaltschaft die Behauptung als unwahr, dass Chun über die Schüsse aus Hubschraubern nicht informiert gewesen sei. Sollte Chun wissentlich den Priester Cho als Lügner bezeichnet haben, stellt dies eine Ehrverletzung dar.


Chun hatte als Kommandeur des Sicherheitskommandos den Staatsstreich vom 12. Dezember 1979 in die Wege geleitet und die Macht ergriffen. Er hatte 1980 als stellvertretender Chef des Geheimdienstes den Gwangju Demokratie-Aufstand im Mai niedergeschlagen und war in einer Direktwahl im August zum Präsidenten gewählt worden.

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