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Pro-Kopf-Einkommen in Südkorea übersteigt 30.000 Dollar

#Thema der Woche l 2019-03-11

Wirtschaft Aktuell

© YONHAP News

Südkorea hat die Schwelle von 30.000 Dollar beim Pro-Kopf-Bruttonationaleinkommen (BNE) überschritten. Die Bank of Korea teilte am 5. März mit, dass das BNE um 5,4 Prozent auf 31.349 Dollar gestiegen sei. Zum Thema sagt der Ökonom Choi Bae-geun von der Konkuk-Universität: 


Südkoreas Pro-Kopf-BNE betrug 1953 lediglich 67 Dollar. Damals begann das Land, sich vom Korea-Krieg zu erholen. Es dauerte mehr als 40 Jahre, bis es 1994 auf 10.000 Dollar kam. Zwölf Jahre später überschritt der Wert unter der Regierung von Roh Moo-hyun 20.000 Dollar. Es dauerte weitere zwölf Jahre, um 30.000 Dollar zu übersteigen. Wenn man bedenkt, dass Großbritannien, das als erstes Land der Welt eine Industrienation wurde, 200 Jahre brauchte, um beim BNE pro Kopf die Schwelle von 10.000 Dollar zu erreichen, ist es erstaunlich, dass Korea das Gleiche in so kurzer Zeit geschafft hat. 


1953 war Südkorea eines der ärmsten Länder der Erde. Umso erstaunlich war sein rasanter wirtschaftlicher Aufstieg. Unter den OECD-Mitgliedsstaaten ist Korea das 22. Land, das die Grenze zu 30.000 Dollar durchbrach. Es ist jedoch nur das siebte Land, dessen Pro-Kopf-Einkommen über 30.000 Dollar und dessen Bevölkerung mehr als 50 Millionen Menschen zählt:


Bis 2017 gab es nur sechs Länder mit einer Bevölkerung von über 50 Millionen, deren BNE pro Kopf 30.000 Dollar überstieg. Das waren die USA, Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Japan und Italien, die alle Mitglieder der G7-Gruppe sind. Unter ihnen wird Kanada mit einem BNE von über 30.000 Dollar ausgeschlossen, weil seine Bevölkerung unter 50 Millionen liegt. Seit dem vergangenen Jahr ist Korea das siebte Land im Club dieser   Wirtschaftsmächte. 30.000 Dollar multipliziert mit der Bevölkerungszahl von 52 Millionen übersteigt 1,5 Billionen Dollar. 


Zwar hat Korea sein Ziel erreicht. Doch das Wirtschaftswachstum und das höhere Pro-Kopf-Einkommen werden nicht überall in der Bevölkerung gleich wahrgenommen: 


Das Einkommen von 40 bis 50 Prozent der koreanischen Haushalte ist wegen des wirtschaftlichen Abschwungs zurückgegangen. Das heißt, viele Menschen in der Mittelklasse und diejenigen mit niedrigem Einkommen sind in die Armutsgruppe abgerutscht. Um es anders zu sagen, die Wirtschaft mag wachsen, doch viele Bürger genießen nicht die Vorteile des Wachstums. Während sich das verfügbare Einkommen der 10 bis 20 Prozent Großverdiener sich erhöhte, ist das der unteren 18 bis 25 Prozent geschrumpft. Die sich weitende Kluft zu schließen, ist eine der dringlichsten Aufgaben. 


Das Pro-Kopf-Einkommen umfasst das Einkommen der Regierung, der Unternehmen wie auch der Haushalte. Im vierten Quartal des vergangenen Jahres fiel das nominale Monatseinkommen der Haushalte in den unteren 20 Prozent der Einkommensgruppen im Vergleich zum Jahr davor um 17,5 Prozent. Das Einkommen derjenigen im oberen 20-Prozent-Bereich stieg hingegen um 10,4 Prozent. Eine andere negative Entwicklung war, dass die Gewinne von kleinen und mittelgroßen Unternehmen zurückgegangen sind. Es war das Wachstum der großen Unternehmen, das dazu beitrug, in die Ära des 30.000-Dollar-Einkommens einzuschwenken: 


Das Wachstum der Weltwirtschaft verlangsamt sich rapide. Nicht nur Korea, sondern auch die größten Mächte einschließlich der USA sind wegen der wirtschaftlichen Rezession besorgt. Im vergangenen Jahr waren die Exporte und der Privatverbrauch die Antreiber des wirtschaftlichen Wachstums in Korea, während die Unternehmensinvestitionen zurückgingen. Da sich das Exportumfeld 2019 voraussichtlich verschlechtern wird, müsste Korea seine Hoffnung auf den Verbrauch richten. Doch lässt sich nur schwer vorstellen, dass sich das Einkommen der Haushalte trotz der einkommensbasierten Wachstumspolitik der Regierung von Moon Jae-in dramatisch erhöht. 


Koreas Wirtschaft wuchs 2018 um 2,7 Prozent. Es verfehlte damit das zweite Jahr nacheinander das Ziel, über 3 Prozent zu kommen. Die Exporte gingen drei Monate in Folge zurück. Das liegt zum Teil daran, dass die Halbleiter-Exporte aufgrund eines Überangebots und fallender Preise um mehr als 24 Prozent fielen. Die Ratingagentur Moody’s Investors Service hat die diesjährige Wachstumsprognose für Korea auf 2,1 Prozent heruntergesetzt. Spanien hatte das Ziel des Pro-Kopf-BNE von über 30.000 Dollar ehr erreicht als Korea, doch seine Finanzkrise zwang es, wieder auf 20.000 Dollar abzurutschen: 


Einige Länder, die die Schwelle von 30.000 Dollar überschritten haben, mussten Rückschläge hinnehmen. Sie führten bestimmte Wachstumspläne aus, um diesen Meilenstein zu verzeichnen. Korea könnte die gleichen Erfahrungen machen. Derzeit hat Korea mit dem ernsten Problem der steigenden Schulden der privaten Haushalte zu kämpfen, die im Zusammenhang mit dem Immobilienmarkt zu sehen sind. Das erinnert an Japan vor 30 Jahren. Korea sollte daraus Lehren ziehen. Für eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung sollte die Nachfrage stark bleiben. Dafür müsste sich die Finanzkraft der Haushalte verbessern. Eine Politik, die sich auf wachsendes Einkommen richtet, müsste kontinuierlich verfolgt werden, so dass auch die Ära des 40.000-Einkommens erreicht wird. 


Um in der Gruppe der Länder mit den höchsten Pro-Kopf-Nationaleinkommen über 30.000 Dollar zu bleiben, muss Korea neue Wachstumsmotoren entwickeln und seine wirtschaftlichen Fundamente verstärken.

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