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Frühlingsszenen

#Musik verbindet l 2019-03-13

Musik verbindet


Im Süden des Landes beginnen bereits die Blüten zu blühen, und die Bäume ergrünen mit jedem weiteren Tag. Alles Anzeichen dafür, dass der Frühling Einzug hält. Im alten Korea war der Frühling aber auch die Jahreszeit der Trennungen. In jenen Tagen gab es weder Züge noch Autos, weshalb Boote das meist genutzte Transportmittel waren. Diese wiesen jedoch einen Nachteil auf: Froren die Flüsse zu, waren sie nicht mehr zu gebrauchen. So mussten Reisepläne verschoben werden, bis im Frühjahr das Eis wieder auftaute. Wenn es schließlich wärmer sowie das Reisen auf dem Wasser möglich wurde, standen die Reisenden an den Anlegestellen und verabschiedeten sich von ihren Lieben. Auf diese Weise wurde der Frühling auch zur Jahreszeit des Abschieds. Der Dichter Jeong Ji-sang 정지상 aus der Goryeo-Zeit beschrieb in einem Gedicht eine solche Abschiedsszene:


Nach dem Regen wächst das Gras grüner am langen Pier.

In Nampo verabschiede ich meine Liebe mit einem traurigen Lied.

Wird der Daedong-Fluss je austrocknen?

Tränen des Abschieds fallen jedes Jahr in das blaue Wasser. 


Als trauriges Lied wäre das „Susimga“ 수심가 vorstellbar, das “Lied von den Sorgen“. Eine Interpretation dieses Volksliedes der westlichen Region singt Kim Mu-bin김무빈. Die ersten Liedzeilen lauten übersetzt: „Hinterließe ein Geist in einem Traum Spuren von seinem Kommen und Gehen, dann würde der Steinboden vor dem Haus zu Sand zerfallen.“ Damit wird gemeint, dass die Sängerin in vielen Träumen nach ihrem Geliebten gesucht hat. 


Wenn sich Liebende am Flussufer voneinander verabschiedeten, brachen sie als Zeichen ihrer Liebe einen Zweig von den blühenden Weidenbäumen ab. Warum aber Weidenbäume? Eine Antwort darauf gibt der konfuzianische Gelehrte Lee Ik 이익 aus der späten Joseon-Zeit. Dieser schrieb, dass die Koreaner Reisenden Geschenke zu geben pflegten. Weidenbäume wuchsen oft in Flussnähe und es kostete nichts, einen Zweig davon abzubrechen, um damit seine Zuneigung auszudrücken. Außerdem war es ein Leichtes, einen Weidenbaum großzuziehen. Es genügte, einen Zweig in den Boden einzupflanzen. Ein Weidenzweig war also auch dazu gedacht, eingepflanzt zu werden, um an die geliebte Person zu erinnern, die den Zweig überreicht hatte. In einem Gedicht wird beschrieben, wie Kuckucke nach einem herzzereißenden Abschied zwischen den Weidenzweigen spielerisch umherfliegen. Die Weidenzweige werden mit den Fäden in einem Webstuhl verglichen, während die Kuckucke die Webschiffchen mit den Schussfäden darstellen. Zusammen bilden sie das große Frühlingsgewebe. 


Das Lied „Die Weiden“ zählt zu den langsamsten traditionellen koreanischen Liedern. Es setzt sich aus lediglich 43 Zeichen zusammen, die sich auf 10 Minuten erstrecken. Dabei wird jeder Laut so lang gedehnt, dass man am Ende meint, nur noch den Vokal zu hören. Diese langen Vokale drücken wiederum expressiv Gefühle aus wie beispielsweise lange Seufzer. 


Die Zeit heilt alle Wunden, so sagt man. Demnach werden auch die tiefsten Wunden und traurigsten Momente mit der Zeit erträglicher. Das Stück „Seonaryeong“ 서나령 der Gruppe Geomungo Factory ist ein solches Beispiel. Dem Geomungo-Ensemble zufolge wurde das Stück geschrieben, als sich die Musikgruppe in der schwierigsten Phase ihrer Karriere befand. Und dieses Stück half den Mitgliedern von Geomungo Factory dabei, diese schwierige Phase zu überstehen. Wir alle machen schwere Zeiten durch und sind dankbar, wenn wir etwas oder jemanden finden können, die uns dabei helfen, diese Zeiten gut durchzustehen.


Musik

  1. „Susimga“, gesungen von Kim Mu-bin서도민요 수심가 / 노래 김무빈
  2. „Die Weiden“, gesungen von Cho Sun-ja 여창가곡 이수대엽 ‘버들은’ / 노래 조순자
  3. „Seonaryeong“, dargeboten von Geomungo Factory서나령 / 연주 거문고팩토리

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