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Die Landwirtschaft in Nordkorea

#Blick auf Nordkorea l 2019-03-14

Schritte zur Wiedervereinigung

© KBS

Dem traditionellen koreanischen Kalender zufolge bedeutet  Gyeongchip der Tag des Erwachens vom Winterschlaf und die Ankunft des Frühlings. In diesem Jahr fiel Gyeongchip auf den 6. März. Zu dieser Zeit beginnen in Südkorea die Vorbereitungen für die Feldarbeit, die Ausbesserung von Geräten, das Furchen der Erde und die Vorbereitung auf die Aussaat eingeschlossen. Wie sehen die Vorbereitungen in Nordkorea aus? Zum Thema sagt Professor Chung Eun-chan vom Institut für Wiedervereinigungserziehung:


Wie Südkorea folgt Nordkorea dem traditionellen Glauben, dass der Ackerbau die Basis der nationalen Existenz bildet. Nordkoreas wichtigstes Ziel in der Landwirtschaft ist es, die Menschen zu ernähren. Etwa 60 Prozent der Nordkoreaner leben in den Städten und etwa 36 Prozent in landwirtschaftlichen Gebieten. Nordkorea produzierte 2018 weniger als fünf Millionen Tonnen Getreide. Doch braucht Nordkorea mindestens 5,5 Millionen Tonnen, um den einheimischen Bedarf zu decken. Das Land hat seit eh und je nicht genügend Nahrungsmittel. Die landwirtschaftliche Produktion erfüllt nicht das Ziel.   


Nach Schätzungen der südkoreanischen Zentralbank belief sich 2016 die Produktion in der nordkoreanischen Landwirtschaft, der Fischerei und im Forstwesen auf wertmäßig 7,14 Billionen Won. Das wären 22,3 Prozent des realen Bruttoinlandsprodukts. Die Organisation für Ernährung und Landwirtschaft der UN schätzt, dass 2014 etwa 2,93 Millionen Menschen in Nordkorea in der Landwirtschaft tätig gewesen seien. Das wären 11,7 Prozent der Gesamtbevölkerung. Doch die landwirtschaftliche Infrastruktur weist große Defizite auf. Die Bewässerungsanlagen sind unzureichend, so dass die Landwirte nicht genug Wasser sichern können. Auch sind chemische Düngemittel knapp, die nötig sind, um die Produktion zu steigern: 


Nordkorea organisiert oft landesweite Kampagnen, die “Kämpfe“ genannt werden, um die Menschen für staatliche Projekte zu mobilisieren. Diese jährlichen Kampagnen umfassen auch den „Kampf fürs Reispflanzen“, den „Kampf des Jätens“ und den „Ernte-Kampf“. Im Winter werden die Nordkoreaner zum „Dünger-Kampf“ aufgerufen. Diese Aktionen sollen dazu dienen, dem Produktionsziel näher zu kommen. Auch führen sie dazu, dass sich die Menschen auf bestimmte Projekte konzentrieren und nicht ausscheren. Mit anderen Worten, Nordkorea will das Regime erhalten, indem es die Menschen an die Projekte bindet und sie so kontrolliert. 


Im Frühjahr halten die nordkoreanischen Landwirte die sogenannte Traktor-Einführungszeremonie, um zu zeigen, dass sie bereit sind für die Feldarbeit. Direkt nach der Zeremonie pflügen sie die Felder und verteilen den Dünger mit den Traktoren. In der Hochsaison im Mai und Juni nehmen die Menschen an den Kampagnen für die Reisaussaat und das Unkrautjäten teil. Im Herbst geht es um die Ernte:  


Sozialistisches Eigentum in Nordkorea umfasst das Staatseigentum, kooperatives Eigentum und begrenztes Privateigentum. Die landwirtschaftlichen Flächen befinden sich in der Hand des Staates oder kollektiver Betriebe. Die Regierung ist verantwortlich für die Geräte und das Management der staatlichen Betriebe. Die Landwirte beziehen einen Monatslohn und Essensrationen, während diejenigen in den kollektiven Betrieben einmal im Jahr ausgezahlt werden. 


Ein Jahr nach der Befreiung von der japanischen Kolonialherrschaft 1945 gab es im Norden der koreanischen Halbinsel eine Landreform. Die Ländereien von Japanern und Großgrundbesitzern wurden konfisziert und an Arbeiter und Pächter verteilt. In den ersten fünf Jahren nach 1953 wurde die Landwirtschaft kollektiviert. Seitdem besitzt der Staat das Land, und der Kauf und die Privatisierung von Land wurden verboten. 1997 gab es 3220 Kollektiven und 1241 staatliche Agrarbetriebe in Nordkorea. Auf die Kollektiven entfielen mehr als 90 Prozent der nutzbaren Fläche. Doch die Situation hat sich seitdem verändert: 


Früher holten die Landwirte der kollektiven Betriebe die Ernte ein und die Regierung kaufte die Ernte auf. Die Landwirte erhielten im Dezember oder Januar ihren Anteil. Heutzutage jedoch nimmt die Regierung 30 Prozent der produzierten Nahrungsmittel. Die Kollektivbetriebe können 40 Prozent der Ernte dazu verwenden, um sich selbst zu verwalten. Von den restlichen 30 Prozent können sie sich ernähren. Das System soll die Landwirte stärker motivieren und ihnen größere Autonomie für die Kollektivbetriebe verschaffen. 


Nach der großen Hungersnot Mitte der 90er Jahre sowie nach dem Antritt von Machthaber Kim Jong-un Ende 2011 förderte Nordkorea eine Agrarreform, um die Nahrungsknappheit in den Griff zu bekommen. Die Kollektivbetriebe wurden aufgeteilt, und Felder wurden an kleinere Gruppen verteilt, die aus drei bis fünf Personen bestanden. Unter dem Familien-Betriebssystem können die Bauern jeden Überschuss für sich behalten:


Die Ernährungssituation ist verglichen mit Mitte der 90er Jahre um vieles besser. Während der sogenannten mühevollen März-Periode konnte die Regierung keine Lebensmittel an die Menschen mehr verteilen. Viele Menschen starben vor Hunger. Die Menschen wurden gezwungen, Produkte auf privaten Märkten zu verkaufen. Immer mehr Menschen schafften es, das Ernährungsproblem eigenständig zu lösen. 


Trotz der allgemeinen Verbesserung ist Nordkorea nach wie vor auf Hilfe von außen angewiesen:  


Als Teil der Agrarreform könnte der private Ackerbau eine Lösung sein. Falls Nordkorea die mutige Entscheidung trifft, einen größeren Teil seines Verteidigungsbudgets in die Agrarwirtschaft und in die Ausrüstung und Produktion zu stecken, könnte das Nahrungsproblem grundlegend gelöst werden.

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