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Exilregierung und Arirang

#Musik verbindet l 2019-04-10

Musik verbindet


„Wir, das koreanische Volk, die wir seit urdenklichen Zeiten eine glorreiche Tradition besitzen, haben uns, unter Wahrung des ehrenhaften Unabhängigkeitsgedanken, wie er in der Bewegung vom 1. März im Jahre 1919 offenkundig geworden ist, angesichts der Gründung einer neuen demokratischen Republik, dazu entschlossen ...“


So beginnt in etwa die Präambel der koreanischen Verfassung und dieses Jahr markiert den hundertsten Jahrestag der Unabhängigkeitsbewegung vom 1. März. Nach der Annektion Koreas durch Japan im Jahre 1910 kam es im ganzen Land zu Demonstrationen gegen die japanische Kolonialmacht, die ihrerseits Soldaten und Polizisten aussandte, um die koreanischen Forderungen nach Unabhängigkeit zu unterdrücken. Zahlreiche Zivilisten verloren dabei ihr Leben oder erlitten Verletzungen. Nach diesen landesweiten Aufständen wurden auf japanischer und koreanischer Seite unterschiedliche Schlussfolgerungen gezogen. Die japanische Regierung ordnete einen Richtungswechsel in ihrer Kolonialpolitik an. Statt nur auf rohe Gewalt zu setzen, wollte man nun mit einer Kulturpolitik die Ausübung traditioneller koreanischer Kulturgüter verbieten und eine Japanisierung Koreas erreichen. Die Koreaner dagegen nahmen sich selbst als treibende Kräfte der Unabhängigkeitsbewegung wahr und gründeten eine Exilregierung, um einen dauerhaften und organisierten Widerstand gegen Japan zu leisten. Am 11. April 1919 verabschiedete die Provisorische Regierung der Republik Korea in Schanghai eine vorläufige Charta und gab zwei Tage später, am 13. April, die Bildung einer koreanischen Regierung bekannt. Ohne diese Unabhängigkeitsaktivisten wäre Korea sicher nicht das Land, das es heute ist. 


Neben der 1919 in Schanghai gegründeten Provisorischen Regierung gab es sechs weitere Exilregierungen innerhalb und außerhalb Koreas, die sich im September desselben Jahres mit der in Schanghai zusammenschlossen. Die Mitglieder der Provisorischen Regierung riskierten ihr Leben, um die Unabhängigkeit Koreas zu erlangen. Und das Lied „Arirang“ repräsentierte für sie nicht nur irgendein koreanisches Volkslied, vielmehr kann es als kultureller Begleiter der koreanischen Geschichte verstanden werden. Der amerikanische Missionar Homer Hulbert, der Anfang des 20. Jahrhunderts nach Korea kam, hat es einmal so beschrieben: Für die Koreaner ist „Arirang“ so unverzichtbar wie ihr Reis. Variationen dieses Volksliedes haben das koreanische Volk durch alle schwierigen Zeiten begleitet. Die koreanische Freiwilligenarmee und Befreiungsarmee hatten jeweils ihre eigene Arirang-Version. Und der koreanische Regisseur Na Woon-gyu 나운규 präsentierte 1926 im Film „Arirang“ seine eigene Version des Liedes, das er aus seiner Kindheit kannte. Diese Version entwickelte sich zu einem Hit und inspirierte wiederum neue Lieder. Die Version aus Na Woon-gyus Film gilt heute als „Original-Arirang“, während die nachfolgenden Interpretationen als „Alte Arirang“-Stücke bezeichnet werden. 


Eine weitere Arirang-Adaption ist das „Sangju Arirang“. Hintergrund des Liedes ist die japanische Kolonialzeit und es beschreibt die schmerzhaften Erfahrungen der Koreaner, die ihre Heimat verlassen mussten und im Norden von Gando in China, nördlich des Flusses Tumen, Zuflucht fanden.


Gehen wir über den Arirang-Hügel, mit einem Bündel auf unseren Schultern.

Mutter, Vater, brechen wir auf. Ich höre Gutes über die Felder im Norden von Gando.

Gehen wir über den Berg Baekdu, mit festem Griff um unsere bitteren Herzen.


Vertrieben in die Fremde schlossen sich die Koreaner zusammen. Von dort organisierten sie den Widerstand und kämpften für die Unabhängigkeit ihres Landes, um eines Tages wieder in ihre Heimat zurückkehren zu können. 


Musik

  1. „Arirang“, dargeboten von Prelude 아리랑 / 연주 프렐류드
  2. „Altes Arirang“, gesungen von Kim Yong-woo 구아리랑 / 노래 김용우
  3. „Sangju Arirang“, gesungen von Kim So-hee 상주 아리랑 / 노래 김소희

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