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Zwei Jahre J-nomics

#Thema der Woche l 2019-05-13

Wirtschaft Aktuell

© YONHAP News

Am 10. Mai beging Südkoreas Präsident Moon Jae-in sein zweijähriges Amtsjubiläum. Im vergangenen Jahr läutete das Land die Ära des Pro-Kopf-Einkommens von 30.000 Dollar ein, zwölf Jahre nachdem die Schwelle von 20.000 Dollar überschritten wurde. Doch schlechte wirtschaftliche Indizes lassen die Südkoreaner skeptischer auf die Wirtschaftspolitik Moons blicken, die auch als J-nomics bezeichnet wird. Zum Thema sagt der Wirtschaftskommentator Chung Chul-jin:


Es scheint, dass die Öffentlichkeit die Außenpolitik Moons positiv bewertet, besonders hinsichtlich der innerkoreanischen Gipfeltreffen. Doch zeigt sich, dass die Menschen der Wirtschaftspolitik Moon äußerst kritisch gegenüberstehen. In einem Treffen, bei der die zwei Jahre Wirtschaftspolitik der Regierung überprüft wurde, sagte Wirtschaftsminister Hong Nam-ki, dass die Regierung angesichts schwieriger Bedingungen hart daran gearbeitet hat, ihr wirtschaftliches Konzept zu ändern. Doch gab er zu, dass die Menschen in diesem Prozess wirtschaftliche Probleme hinnehmen mussten. 


Die Erwartungen der Südkoreaner an die J-nomics wurden nicht erfüllt. Nach einem Rückgang der Exporte und der Investitionen schrumpfte die koreanische Wirtschaft im ersten Quartal dieses Jahres:


Das Minuswachstum im ersten Quartal war in der Tat ein Schock. Eine der am meisten verstörenden Entwicklungen war die Verlangsamung der Exporte. Die Inlandsnachfrage war bereits in den vergangenen Jahren schleppend, was teilweise auch auf einen deutlichen Rückgang der Zahl chinesischer Touristen in Korea zurückzuführen war. Doch die wirtschaftlichen Indizes sahen 2017 und 2018 noch einigermaßen gut aus, vor allem wegen der robusten Exporte. Doch die Ausfuhren sind seit dem letzten Dezember fünf Monate nacheinander gesunken. Besonders die Exporte von Halbleitern, einem Schlüssel-Exportgut, gingen weiter zurück. Industrieexperten gehen davon aus, dass die Chipexporte die Talsohle noch nicht erreicht haben. Es ist ungewiss, ob das schon im zweiten Quartal der Fall sein wird. 


Kern der J-nomics ist das “einkommensgesteuerte Wachstum”. Nach dieser Strategie soll die Wirtschaft wachsen, indem die Einkommen der Haushalte mit niedrigerem Einkommen und der Einzelpersonen steigen, statt die Unternehmen stärker zu stützen. Höhere Einkommen sollen den Konsum ankurbeln, was wiederum die Unternehmen zur Erhöhung ihrer Investitionen und zu einem größeren Jobangebot führen soll. Doch die Indizes sind nicht auf einer Linie mit der Strategie. Südkoreas Leistungsbilanzüberschuss fiel im ersten Quartal 2019 auf das niedrigste Niveau seit fast sieben Jahren. Zwar verbesserte sich der Arbeitsmarkt in diesem Jahr leicht, doch weisen Ökonomen darauf hin, dass die Regierung Steuereinnahmen für die Schaffung von Arbeitsplätzen im öffentlichen Bereich und für Senioren eingesetzt hat. Die Investitionen, die Produktion und der private Verbrauch fielen dagegen. Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte im ersten Quartal im Vergleich zum Vierteljahr davor um 0,3 Prozent:


Einer der hauptsächlichen Gründe ist, dass die Initiative des einkommensgesteuerten Wachstums nicht den gewünschten Effekt erzielt hat. Grundsätzlich beginnt die Politik mit dem Anstieg der Einkommen der Haushalte. Um dieses Ziel zu erreichen, erhöhte die Regierung deutlich den Mindestlohn. Doch ist es schwierig zu sagen, dass das zu mehr Konsum führte. Für den Unternehmenssektor bedeuten höhere Löhne eine größere Kostenlast und einen Rückgang der Gewinne. Die Regierung hat diesen Teil übersehen. 


Ökonomen weisen darauf hin, dass ein zehnprozentiger Anstieg bei den Einkommen nicht gleichbedeutend ist mit einer Erhöhung des Konsums um zehn Prozent. Höhere Einkommen gehen normalerweise mit dem Anstieg anderer Ausgaben, wie Rentenbeiträge, Steuern und Zinsen einher:


Die Regierung mobilisierte einen großen Teil ihrer Ressourcen für das einkommensgesteuerte Wachstum, doch seit der zweiten Jahreshälfte 2018 begann sie damit, den Fokus auf innovatives Wachstum zu lenken, einer weiteren Achse der J-nomics.  Moon will neue Industriezweige fördern. Zuletzt nahm der Präsident zum Beispiel an einer Veranstaltung von Samsung Electronics teil, um die Pläne des Unternehmens für die Halbleiter im Nicht-Speicherbereich zu würdigen. Er sagte, dass die Regierung drei Industrien fördern will, Systemhalbleiter, Bio-Gesundheitsprodukte und Autos der Zukunft. 


Es wird erwartet, dass sich die Regierung Moons in ihrem dritten Jahr darum bemühen wird, dass sich die privaten Investitionen wieder erhöhen: 


Die vorrangige Aufgabe der Regierung ist es, die Wirtschaft anzukurbeln. Ich denke, die Wirtschaft nähert sich einem kritischen Punkt. Im vergangenen Monat schlug die Regierung deshalb einen massiven Nachtragshaushalt vor. Doch ist dieser noch immer zu gering. Die Regierung muss ihre gesamte Energie darauf verlegen, die Wirtschaft wiederzubeleben, so dass sie nicht unter den kritischen Punkt sinkt.

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