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Wahre Lehrmeister

#Musik verbindet l 2019-05-15

Musik verbindet


In der Vergangenheit lernten koreanische Musiker nicht durch das Studieren von Noten, sondern durch Beobachten und Imitieren ihrer Lehrer. „Mit dem Mund zeigen und mit dem Herzen unterrichten“, so wird der Lehrprozess beschrieben. Sogar beim Unterrichten von Musikinstrumenten sangen die Lehrer oftmals die Musik vor. Die Nachahmung der instrumentalen Klänge mit der eigenen Stimme wird als „Gueum“ 구음 bezeichnet. Dabei werden allerdings nicht nur die Tonhöhen vorgegeben, sondern auch die Spieltechniken. Beim Geomungo bezeichnet beispielsweise das Wort „Dang“ 당 den Ton, der durch das Drücken der Saiten mit dem Ringfinger hervorgerufen wird. Bei „Dong“ 동 wird der Zeigefinger auf die Saiten gepresst. Mit dem Bambusstab Suldae 술대 werden die Saiten in der Regel abwärts gezupft, doch wenn der Lehrer „Ddeul“ 뜰 ruft, werden die Saiten mit dem Suldae aufwärts gezupft. Mit Hilfe dieser unterschiedlichen Gueum-Anweisungen kann ein Schüler ein Instrument spielen, indem er lediglich dem Lied des Lehrers lauscht. Diese Unterrichtsmethode hat auch für die Lehrer Vorteile, da sie damit nicht nur die Spieltechniken, sondern gleichzeitig ihre Anweisungen für ein gefühlvolles Spielen übermitteln können. 


Die Gueum-Technik ist allerdings am Verschwinden, da nicht viele Musiker diese Lehrmethode heute noch anwenden. Die Tonaufnahme von dem Stück „Sanghyeongdodeuri“ 상현도드리mit dem Geomungo-Meister Seong Gyeong-rin und seiner Schülerin Chae Seng-hee war ein Versuch, die Gueum-Technik für das Gayageum wiederzuentdecken. In dieser Aufnahme war Seong bereits über 80 Jahre alt und der älteste Lehrmeister am National Gugak Center. Lange Zeit leitete er das National Gugak Center und er war auch als Rektor der Gugak National High School tätig gewesen. An dieser Oberschule wurde auch die Gayageum-Spielerin Chae Seong-hee ausgebildet, die dann Mitglied des Ensembles für Hofmusik des National Gugak Center wurde. Für den Meister und die Schülerin stellte die Tonaufnahme auch in dieser Hinsicht einen besonderen Moment dar. 


Bei dem zweiten Stück handelt es sich um ein Gayageum-Sanjo im Stil von Kim Juk-pa. Am Gayageum spielt Lee Yeon-hee, die unter der Gayageum-Virtuosin Kim Juk-pa gelernt hatte. Die Meistersängerin Jo Sun-ae feierte vor allem in den 1950er und 1960er Jahren große Erfolge und ihr Ehemann Kim Dong-joon war ein anerkannter Trommelspieler, der für Kim Juk-pa spielte. Auf diesem Wege war der traditionellen Sängerin Jo Sun-ae das Gayageum mehr als nur vertraut. Und so war sie auch bestens darauf vorbereitet, die Schönheit und die Stimmung des Instruments mit der Gueum-Technik musikalisch wiederzugeben. 


Imitation ist die aufrichtigste Form der Schmeichelei, so heißt es. Trotzdem versuchten die traditionellen koreanischen Musiker ihre Schüler davor zu bewahren, ihre Lehrmeister genau zu kopieren. Als wahre Musiker werden nur die anerkannt, die über die gelernten Inhalte hinausgehen und ihren eigenen Klang entwickeln. Deshalb bildeten sich die Musiker in der Vergangenheit weiter, nachdem sie die Grundlagen von ihren Lehrern gelernt hatten. Wenn sie von ihren Lehrern Musik lernten, hielten sie sich nicht wie heute an einen festgelegten Zeitplan. Zudem fand das Lernen nicht nur im Unterrichtsraum statt. Manchmal lebten die Schüler mit ihren Lehrern zusammen, um deren Einstellung zur Musik zu studieren und zu beobachten, wie die Lehrer an ihren musikalischen Fertigkeiten arbeiteten. 


Oh Jung-hae, der Star des Films „Sopyeonjae” 서편제, sprach einmal über ihr Leben mit ihrer Lehrmeisterin Kim So-hee김소희. So trug ihr die Meisterin einmal auf, mitten im Winter eine Jeanshose mit kaltem Wasser zu waschen und sie danach gut auszuwringen. Die sparsame Meisterin warf auch niemals Essen weg, selbst wenn es nicht mehr gut war. Und was aufgetischt wurde, musste natürlich gegessen werden. All das aber war Teil eines Plans, um Oh Jung-hae nicht nur zu einer mit allen Wassern gewaschenen Sängerin für die Bühne auszubilden, sondern sie ebenso für das harte Künstlerleben mit all seinen Schwierigkeiten vorzubereiten. 


Musik

  1. „Yeongsanhoesang Sanghyeondodeuri“, Gueum von Seong Gyeong-rin, gespielt am Gayageum von Chae Seong-hee 영산회상 상현도드리 / 구음 성경린, 가야금 채성희
  2. „Gayageum Sanjo im Stil von Kim Juk-pa“, Gueum gesungen von Jo Sun-ae, am Gayageum gespielt von Lee Yeon-hee 김죽파류 가야금산조 / 구음 조순애, 가야금 이연희
  3. „Bootslied“, gesungen von Kim So-hee 뱃노래 / 김소희 외

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