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Ex-First Lady Lee Hee-ho ist tot

#Thema des Tages l 2019-06-11

Nachrichten

ⓒYONHAP News

Lee Hee-ho, die Witwe des früheren Präsidenten Kim Dae-jung, ist verstorben. Lee hinterließ nicht nur in der Geschichte der Frauenbewegung in Korea, sondern auch an der Seite des Politikers Kim Dae-jung wichtige Spuren. Sie war die bisher einflussreichste First Lady und spielte auch in den innerkoreanischen Beziehungen eine wichtige Rolle.

 

Lee wurde im Jahr 1922 geboren und gehörte zur Elite. Sie lernte an der Ewha Mädchenoberschule und studierte an der Ewha Frauenhochschule. Danach studierte sie Pädagogik an der Seoul Nationaluniversität. Nach dem Abschluss des Studiums im Jahr 1950 ging sie in die USA und studierte an der Lambuth University und dem Scarritt College.


Nach der Heimkehr im Jahr 1958 beteiligte sie sich als Generalsekretärin des Young Women´s Christian Association (YWCA) Koreas an der Frauenbewegung. Sie kreierte Slogans, die in der stark patriarchalischen Gesellschaft von damals sehr radikal und unkonventionell klangen. Dazu zählte beispielsweise der Slogan „Männer, die eine Konkubine haben, nicht ins Parlament schicken“. Lee setzte sich als Chefin einer Gesellschaft zur Erforschung der Frauenfrage dafür ein, Frauen diskriminierende Gesetzesregelungen zu ändern.


Im Jahr 1962 trat ein Wendepunkt in Lees Leben ein, die sich bislang unverheiratet der Frauenbewegung widmete. Trotz Einwänden aus ihrem Umfeld heiratete sie Kim Dae-jung und wurde Frau eines Politikers. Seitdem stand Lee immer Kim zur Seite, während er der Unterdrückung ausgesetzt war und ins Gefängnis gesteckt wurde. Als seine politische Weggefährtin überstand Lee gemeinsam mit Kim alle Nöte.


Kim wurde im Jahr 1997 zum 15. Präsidenten Südkoreas gewählt. Lee engagierte sich als First Lady besonders aktiv für die Kinder- und Frauenrechte. Ihr Einfluss zahlte sich aus, ein Paradebeispiel hierfür ist die Einführung eines Frauenministeriums. Sie gründete auch die Hilfsorganisationen „Friends of Love“ und „Korea Foundation for Women“. Lee setzte auch nach dem Ende von Kims Amtszeit diese Aktivitäten fort.


Lee spielte auch in den innerkoreanischen Beziehungen eine bemerkenswerte Rolle. Kim verwirklichte im Jahr 2000 als Präsident das erste Gipfeltreffen zwischen Süd- und Nordkorea und gewann den Friedensnobelpreis. Nach Kims Tod im Jahr 2009 setzte sich sie als Erbin seiner sogenannten Sonnenscheinpolitik, einer auf Versöhnung und Kooperation beruhenden Politik gegenüber Nordkorea, für die innerkoreanischen Beziehungen ein.


Lee besuchte im Dezember 2011 Nordkorea, nachdem Staatsführer Kim Jong-il gestorben war. Sie traf damals Kim Jong-un, den heutigen nordkoreanischen Machthaber. Damit wurde Lee die erste Persönlichkeit aus Südkorea, die Kim traf. Lee reiste im Juli 2015 auf Kims Einladung nach Nordkorea, um medizinische Hilfe für bedürftige Schichten anzubieten. Damals kam kein Treffen mit Kim zustande.


In diesem Zusammenhang richtet sich die Aufmerksamkeit darauf, ob Nordkorea eine Kondolenzdelegation schicken wird. Nordkorea hatte in der Vergangenheit Delegationen geschickt, um wegen des Todes von Südkoreanern Beileid zu äußern, die zur Verbesserung der innerkoreanischen Beziehungen beigetragen hatten. Als Kim Dae-jung verstarb, entsandte Nordkorea eine hochrangige Beileidsdelegation nach Südkorea. Auch angesichts Lees Kondolenzbesuches nach dem Tod von Kim Jong-il in Nordkorea gilt es als sehr wahrscheinlich, dass eine nordkoreanische Beileidsdelegation Südkorea besucht. Dann könnte es zu einem Dialog zwischen Süd- und Nordkorea kommen, was auch den Gesprächen über die Denuklearisierung sehr dienlich sein könnte.

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