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Handelskonflikt zwischen USA und China eskaliert zu Währungskrieg

#Thema der Woche l 2019-08-12

Wirtschaft Aktuell

© YONHAP News

Der Konflikt zwischen den USA und China verschärft sich. Nachdem das US-Finanzministerium China am 5. August zum Währungsmanipulator erklärt hat, eskaliert die Handelsfehde zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt zu einem Währungskrieg, der einen dunklen Schatten auf die Weltwirtschaft wirft. Hören wir Cho Yong-chan, Direktor des Amerika-China Wirtschaftsforschungsinstituts über die immer intensiveren Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China.


Der Kampf zwischen den USA und China um die Vorherrschaft begann im Juli letzten Jahres in Form eines Handelskrieges, als die USA Zölle auf chinesische Waren einführten. Der Handelsstreit entwickelte sich dann zu einem High-Tech-Kampf, als die USA Sanktionen gegen Chinas Technologieriesen Huawei verhängten. Jetzt weitet er sich auf der Währungsfront aus, da die USA China der Manipulation von Wechselkursen beschuldigen. Die USA betrachten den chinesischen Yuan gegenüber dem Dollar als viel zu stark unterbewertet. Sie könnten China auffordern, den Wert seiner Währung um 20 bis 40 Prozent zu erhöhen. In diesem Fall könnten Chinas Exporte in die USA um weitere 10 Prozent zurückgehen. Aus Protest gegen die Drohung von US-Präsident Donald Trump, neue Zölle auf chinesische Waren zu erheben, stellte China den Kauf von US-Agrarprodukten ein. Außerdem ließ China seine Währung auf den niedrigsten Dollar-Stand seit elf Jahren fallen. Als Reaktion darauf brandmarkten die USA China als Währungsmanipulator, eine nachdrückliche Warnung an Peking.


Die USA kündigten am 2. August an, neue Zölle für chinesische Produkte zu erheben. Am 5. August antwortete China mit einer Ankündigung, dass seine Unternehmen den Kauf amerikanischer Landwirtschaftsprodukte eingestellt hätten. Am selben Tag ließ Peking angeblich zu, dass seine Währung das psycholgisch wichtige Niveau von 7 Yuan pro Dollar überschritt. Gleich darauf bezeichneten die USA China zum ersten Mal seit 25 Jahren als Währungsmanipulator.


Der Währungskrieg zwischen den beiden wichtigsten Volkswirtschaften der Welt brach am 5. August aus, als der Dow-Jones-Index um 767 Punkte oder 2,9 Prozent fiel und damit den stärksten Rückgang des Jahres verzeichnete. Die Aktien- und Devisenmärkte in Asien schwankten ebenfalls stark, und bei ausländischen Fonds gab es Anzeichen für einen Abfluss aus China. Obwohl China es zu verhindern versucht, steht das Land unter dem Druck, seine Währung weiter auf 7,5 Yuan pro Dollar abzuwerten, falls die eigene Wirtschaft weiter nachlässt. Im schlimmsten Fall könnte der Wert der chinesischen Währung auf drastische 7,9 Yuan fallen, um den Schaden durch US-Zölle auf chinesische Produkte auszugleichen. In diesem Fall könnte eine massive Kapitalflucht nicht nur in China, sondern auch in anderen asiatischen Ländern einsetzen. So könnte es bei Schwellenländern zu einer durch den China-Schock ausgelösten Abschwächung ihrer Währungen kommen.


Der drastische Rückgang der New Yorker Aktien führte zu einem Rückgang der Aktienmärkte in Europa und Asien. In Korea fielen am 5. August die beiden wichtigsten Aktienindizes KOSPI und KOSDAQ zweitweilig so stark, dass erstmals seit mehr als drei Jahren, für fünf Minuten lang die „Sidecar-Regelung“ am KOSDAQ-Markt galt, das heißt, der Handel musste kurze Zeit ausgesetzt werden. Ein Sidecar ist eine Maßnahme, um den Programmhandel vorübergehend einzuschränken.Ein Rückgang des Yuan-Wertes verschafft den chinesischen Exporteuren einen Preisvorteil auf dem Weltmarkt und könnte Washingtons Handelsschranken teilweise durchbrechen. Eine weitere Abwertung der chinesischen Währung kann jedoch einen ausländischen Kapitalabfluss aus dem Land auslösen. Die chinesischen Finanzbehörden dürften daher das Währungsniveau zu gegebener Zeit anpassen. Vorerst wird der chinesische Schritt die USA jedoch dazu veranlassen, ihren Druck auf Peking zu verstärken. Der Währungskrieg könnte sich dann auf die ganze Welt ausbreiten.


Die Trump-Regierung sieht die Abschwächung der Währungen ihrer Handelspartner eher als Protest gegen Washingtons Handelsprotektionismus und die „America First“-Politik denn als Ergebnis unterschiedlicher wirtschaftlicher oder finanzpolitischer Grundlagen. Das Finanzministerium vermutet anscheinend, dass die Länder unter Währungsmanipulationsverdacht versuchen, ihre Exportwettbewerbsfähigkeit durch eine bewusste Abwertung der eigenen Währung zu stärken. Trump könnte die Anschuldigung als Währungsmanipulator jederzeit ausnutzen, um einen größeren Druck auf Länder mit einem großen Handelsüberschuss den USA gegenüber auszuüben wie etwa China, Deutschland, Japan und Italien.


In seinem Währungsbericht vom Mai erhöhte das Finanzministerium die Anzahl der Länder, die auf Währungsmanipulationen überprüft werden, von den 12 größten Handelspartnern des Landes auf 21 Länder mit einem bilateralen Handelsvolumen von 40 Milliarden Dollar oder mehr pro Jahr. Auch wenn die Gefahr gering ist, sollte Korea sich auf eine mögliche Einstufung als Währungsmanipulator einstellen, da das Land in der Vergangenheit bereits als solcher eingestuft wurde. Die Abwertung des koreanischen Won gegenüber dem Dollar infolge des Währungskrieges zwischen den USA und China könnte sich günstig auf die koreanischen Exporteure auswirken. Die zunehmende Schwankungsanfälligkeit an den Devisenmärkten dürfte jedoch die Finanzmärkte in Unruhe versetzen und das Handels- und Wirtschaftswachstum in Korea negativ beeinflussen.


Unmittelbar nach Washingtons Beschuldigung Pekings als Währungsmanipulator fiel die koreanische Währung auf 1.215 Won pro Dollar. Es könnte eine Gelegenheit für lokale Exporteure sein, ihre Auslandsverkäufe zu steigern, aber der Effekt ist aufgrund des schrumpfenden Weltmarkts im Zuge der globalen Konjunkturabkühlung nicht sonderlich groß. Fast 80 Prozent der koreanischen Exporte nach China sind Zwischenprodukte. Wenn ausländische Unternehmen China rasch verlassen, werden Koreas China-Exporte stark darunter leiden. Wenn die koreanische Währung weiterhin an Wert verliert, kann ausländisches Kapital aus dem Land abfließen. Steigende Importpreise werden die Verbraucher davon abhalten, Geld auszugeben, was das Wirtschaftswachstum weiter dämpfen wird.


Laut Wall Street Journal ist Korea anfällig für den US-chinesischen Währungskrieg, da der Won aufgrund des umfangreichen Handels mit China dem Wert des Yuan folgt, während koreanische Firmen auf riesigen Dollarschulden sitzen. Wie sollte Korea also mit den wachsenden wirtschaftlichen Unsicherheiten umgehen?


Korea ist wie ein kleines Fischerboot im Auge eines starken Taifuns. Angesichts der erbitterten Auseinandersetzung zwischen den USA und China im neuen Kalten Krieg stehen Südkorea nur wenige Optionen zur Verfügung. Hinzu kommt, dass Korea derzeit keine wirtschaftliche Zusammenarbeit von Japan erwarten kann. Es sollte umgehend Maßnahmen erarbeiten, die koreanischen Unternehmen dabei helfen sollen, den Schaden zu minimieren. Die Regierung, der Unternehmenssektor und die Wissenschaft sollten gemeinsam nach Wegen suchen, um gute Beziehungen sowohl zu den USA als auch zu China aufrechtzuerhalten, während Unternehmen schnell einen Notfallplan ausarbeiten müssen, um sich auf das Schlimmste vorzubereiten.


Während Korea mit Japans wirtschaftlicher Vergeltung zu kämpfen hat, weitet sich der Handelskrieg zwischen den USA und China immer weiter aus. Es gibt die Befürchtung, dass diese zunehmenden Unsicherheiten zu großen Schwierigkeiten für die koreanische Wirtschaft führen können.

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