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Jung Han-ah: „Halloween“

#Literatur zum Hören l 2019-09-03

Literatur zum Hören

ⓒ Getty Images Bank

Nun, wo der Tod bald kommen wird …

So begann Großmutters Testament.

Die Beerdigung soll am vierten Freitag im Oktober zu Hause stattfinden.

Grundstück und Haus sollen auf die vier Kinder aufgeteilt werden.

Der Laden soll geordnet und an Se-hee übergeben werden.



Jung Han-ahs Erzählung „Halloween“ beginnt mit dem Tod von Se-hees Großmutter. Se-hee, die Ich-Erzählerin und Hauptfigur dieser Geschichte, befindet sich zum Zeitpunkt des Todes ihrer Großmutter in der Stadt P. Nach der Scheidung ihrer Eltern lebte sie bei ihrer Großmutter und fühlte sich ihr sehr nahe. Doch als die Großmutter stirbt, ist Se-hee nicht bei ihr, weil sie sich zu diesem Zeitpunkt gerade in der Stadt P. befindet, wo sie eine Beziehung zu einem Mann namens Gun hat.



Literaturkritikerin Jeon So-young:

Danielle ist in einer ähnlichen Situation wie Se-hee. Sie wurde von ihrer Mutter als Kind im Stich gelassen und irrte ziellos umher. Die beiden ähneln sich darin, dass sie beide Schmerzen hatten, über die sie keine Kontrolle hatten. Se-hee meinte jedoch, sie müsse wegen der Schmerzen ein zielloses Leben führen, während Danielle dachte, sie müsse eine Heilerin werden, die die Seelen der Lebenden und Toten erreicht. Diese Fähigkeit von Danielle zeigt sich, als sie und Se-hee die vergangene Geschichte der Großmutter, ihren Schmerz und ihre Traurigkeit aufspüren.



Danielle will Se-hee die Karten legen, bevor sie zurückfliegt. Sie holt einen verblichenen alten Lederbeutel aus ihrer Tasche. Der Beutel enthält schwarzweiße Tarotkarten. Sie breitet die Karten auf einem Tisch aus.


„Wähle drei Karten mit der linken Hand.“

Ich zog drei Karten und Danielle drehte sie nacheinander um.

Der Narr, der Gehängte, acht Kelche.

Ich lachte unsicher.

“Du stehst am Rand einer Klippe. Es war eine dumme Entscheidung. Du hast dein Geld verschwendet und bist nervös. Es gibt nichts, was du realistischerweise machen könntest. Zum Glück ist dein Unbewusstes noch frei, so dass du nach einem neuen Ziel suchen kannst.

Aber du musst loslassen. Die acht Kelche sind mit deinem Eigensinn und deiner Hoffnung gefüllt. Du musst alles ausschütten. Wenn du dies nicht tust, wird sich nichts ändern.“ 




Jung Han-nah begann ihre Schriftstellerkarriere 2007 und gewann im selben Jahr den Munhak-Dongne-Preis. 2019 wurde sie mit dem Han-Moo-suk-Literaturpreis ausgezeichnet. Ihre Erzählung „Halloween“ erschien im Jahre 2016.

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