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Südkorea setzt Handelsgespräche mit Mercosur fort

#Thema der Woche l 2019-10-07

Wirtschaft Aktuell

© Ministry of Trade, Industry and Energy

Die sükoreanische Regierung und der südamerikanische Staatenbund Mercosur haben in der vergangenen Woche in Busan ihre vierte Runde von Handelsgesprächen abgehalten. Es ging um Verbesserungen in den Bereichen Warenhandel, Dienstleistungen, Investitionen und öffentliche Beschaffung. Zum Thema sagt Gwak Dong-cheol vom Institut für Internationalen Handel: 


Mercosur ist Südamerikas größter Wirtschaftsblock, der Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay umfasst. Er wurde 1991 gegründet, um den Freihandel in der Region zu fördern und gemeinsame Außenzölle festzulegen. Er steht im Wettbewerb um wirtschaftliche Vorherrschaft in der Region mit der Pazifischen Allianz, einem anderen lateinamerikanischen Handelsblock mit Mexiko, Chile, Kolumbien und Peru. Trotz des großen Wachstumspotenzials hat Mercosur noch kein Handelsabkommen mit einem asiatischen Land unterzeichnet, da der Markt nach wie vor geschlossen ist. Ein Handelsdeal zwischen Korea und Mercosur würde koreanischen Firmen einen einfacheren und schnelleren Zugang zum lateinamerikanischen Markt verschaffen. 


Zu den Partnerstaaten des Mercosur gehören Chile, Kolumbien und Peru, während Bolivien dabei ist, als Vollmitglied aufgenommen zu werden: 


Mercosur umfasst eine Gesamtbevölkerung von 260 Millionen, und das Bruttoinlandsprodukt übertrifft zwei Billionen Dollar. Der große Wirtschaftsblock ist einer der weltweit wichtigsten Lieferanten von Rohstoffen sowie Agrarprodukten und tierischen Erzeugnissen. Doch die Wirtschaft ist im Vergleich zu anderen Regionen wegen der instabilen politischen Situation nicht so schnell gewachsen. Die Regierungen des Blocks wollen daher die Marktfunktionen verstärken und ihre Märkte weiter öffnen. Mercosur führte Handelsgespräche mit der EU, Kanada und Korea. Korea muss seine Exportziele erweitern, um besser gegen den zunehmenden Protektionismus im internationalen Handelsumfeld gewappnet zu sein. Es sollte daher aus der jüngsten Initiative Mercosurs Vorteile ziehen und sich für ein Handelsabkommen einsetzen, um ihn als Brücke zum südamerikanischen Markt zu nutzen. 


Auf Mercosur entfallen mehr als 70 Prozent des BIP Südamerikas. Das ressourcenreiche Brasilien ist die neuntgrößte Volkswirtschaft der Welt und die größte in Zentral- und Südamerika. Argentinien will seine wirtschaftlichen Fundamente auf dem Rücken einer marktfreundlichen Reformpolitik der neuen Regierung verbessern. Paraguay, das ein Wachstum um über vier Prozent verzeichnete, und Uruguay als regionaler Logistikknoten leisteten ebenfalls ihren Beitrag für einen soliden gemeinsamen Markt. Die Region ist ein attraktiver Markt für globale Anbieter von Autos, elektronischen Produkten und Anlagen. Das exportabhängige Korea und Mercosur begannen bereits 2004 damit, die Möglichkeiten eines Handelsabkommens auszuloten: 


Das Handelsvolumen zwischen Korea and Mercosur ist seit 2011, als es 20,8 Milliarden Dollar erreichte, stetig zurückgegangen. Auf Mercosur entfielen 2017 bloß 1,2 Prozent des gesamten Handels Koreas, und der Anteil fiel 2018 auf unter 1 Prozent. Korea exportiert vor allem Industriegüter, IT-Ausrüstung, Autos und Autoteile eingeschlossen, in die Mercosur-Staaten und importiert aus ihnen Rohstoffe sowie Agrarprodukte. Unter den südkoreanischen Exporten entfiel 2018 der Hauptanteil auf Halbleiter mit 1,1 Milliarden Dollar. 


Der Handel blieb auf einem niedrigen Niveau aufgrund der früheren Politik der Mercosur-Staaten, ihre eigenen Industrien zu schützen, des Rückgangs der Rohstoffpreise und politischer Unruhen in der Region. Doch Brasilien und Argentinien haben Änderungen in Richtung Marktreform und Öffnung vorgenommen: 


Mercosur schlug unter Berücksichtigung der gegen eine Öffnung gerichteten Stimmung in ihren Ländern den Ausdruck Handelsabkommen, oder HA, vor und nicht Freihandelsabkommen oder FHA. Wenn ein HA geschlossen wird, werden zu den koreanischen Exportprodukten für Brasilien Medikamente, Handyteile sowie Kondensatoren und Transformatoren gehören, die dann von der Abschaffung von Zöllen profitieren. Das gleiche gilt für koreanische Lieferwagen, Handys und Teile für den argentinischen Markt. Auch wird erwartet, dass Korea mehr Kompaktautos, Handys, Fernseher und Motorradausrüstungen nach Paraguay und Uruguay exportieren kann. 


Südkorea würde sich mit einem Handelsabkommen mit Mercosur vor anderen asiatischen Staaten einen Vorteil verschaffen:


Korea ist das erste asiatische Land, das Handelsgespräche mit Mercosur führt. Die Handelsbehörden in Korea sollten sich also genau mit den Zollsystemen von Mercosur auskennen und Vorzugszölle aushandeln, so dass koreanische Exporteure einen Preiswettbewerbsvorteil erzielen können. Doch Mercosur wird seinen Markt nicht über Nacht öffnen. Es ist daher für Korea nötig, zunächst einen Handelsdeal auf niedrigem Stand zu erzielen und dann schrittweise weitere Verhandlungen aufzunehmen. 


In diesem Jahr schloss Mercosur ein FHA mit der EU nach Verhandlungen in den vergangenen 20 Jahren ab. Für Korea und Mercosur liegt ein ähnlich schwieriger Weg bevor. Korea muss daher eine intelligente Strategie entwickeln, um das Potenzial des südamerikanischen Markts nutzen zu können.

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