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Nebenfiguren im Pansori

#Musik verbindet l 2019-10-30

Musik verbindet


In den meisten Geschichten, sei es in Romanen, Fernsehserien oder Filmen, stehen die Hauptfiguren mitten im Rampenlicht. Doch ohne die sie unterstützenden Nebenfiguren würden sie weniger hell strahlen. Den Hauptfiguren ist oftmals ein doch sehr vorhersehbarer Weg vorgezeichnet, weshalb nicht selten den schrulligen Nebenfiguren die Aufgabe zufällt, die Geschichte mit Witz aufzupeppen. Manche Nebenfiguren schaffen es sogar, mit ihrer Darstellung die größte Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und damit den Hauptdarstellern die Show zu stehlen. In der Filmszene werden sie als „Scene Stealer“ bezeichnet. Auch in den Pansori-Stücken gibt es solche Figuren. Im Chunhyangga wären das beispielsweise Bangja방자, der loyale Diener des jungen Herrn Lee Mong-ryong이몽룡, Wolmae월매, eine ehemalige Gisaeng und die Mutter des jungen Mädchen Chunhyang, sowie der Statthalter Byeon, der Chunhyang schikaniert. Hierbei anzumerken ist, dass Bangja eigentlich kein Name einer Person ist, sondern ein Sammelbegriff für alle Diener, die für die lokalen Regierungsstellen Botengänge erledigten. 


In der Geschichte von Chunhyang begleitet Bangja seinen jungen Herrn Lee Mong-ryong bei einem Spaziergang am Pavillon Gwanghallu광한루, wo der junge Gelehrte zum ersten Mal die bezaubernde Chunhyang erblickt. Dort stellt Bangja den ersten Kontakt zwischen den beiden Hauptfiguren her und spielt damit eine wichtige Rolle. Bangja mag zwar einen gesellschaftlich niedrigen Status innehaben, doch durch seine Arbeit für die Regierungsstelle hat er viel gelernt und weiß, wie die wirkliche Welt funktioniert. So ist es auch nicht verwunderlich, dass er in Liebesdingen dem unerfahrenen Lee Mong-ryong mit guten Ratschlägen aushelfen kann. Später in der Geschichte offenbart Bangja seine sanfte Seite, als er seinem jungen Herrn einen Brief von der eingesperrten Chunhyang übergibt und dabei sich die Augen ausweint. 


Eine weitere wichtige Nebenfigur ist der Bösewicht im Pansori Heungboga흥보가. Obwohl Nolbo놀보 der Hauptschurke in diesem Stück ist, tritt er nicht so oft in Erscheinung. Doch die Geschichte von Heungbo würde ohne Nolbo keinen Sinn machen. Denn es war der kaltherzige ältere Bruder Nolbo, der den recht farblosen und unfähigen Heunbgo aus dem Haus jagt und damit die eigentliche Handlung ihren Lauf nimmt. Das Heungboga beginnt mit einer langen Aufzählung von Nolbos schlechten Taten. So habe er unter anderem jemanden getreten, der schon auf dem Boden lag, oder in das Feuer Öl gegossen, statt es zu löschen. Einige von Nolbos Vergehen könnte man womöglich als Schabernack herunterspielen, doch das Stehlen von Akkupunkturnadeln, die sexuellen Übergriffe auf sittsame Witwen oder Tritte in den Bauch einer Schwangeren sind ohne Zweifel als kriminelle Handlungen zu verurteilen. Seinen einzigen Bruder mittellos vor die Tür zu setzen stellt dabei nur ein weiteres Beispiel aus einer langen Liste von Vergehen dar, die den üblen Charakter von Nolbo zeigen.


In dem Pansori Simcheongga심청가 gehört zu den unvergesslichen Nebenfiguren die Mutter von Bbaengdeok뼁덕. Die Geschichte von Simcheong erzählt von einer hingebungsvollen Tochter, die versucht, ihren blinden Vater zu unterstützen. Simcheongs Mutter stirbt nämlich bei der Geburt ihrer Tochter und ihr blinder Ehemann muss das Kind allein großziehen. Sobald Simcheong laufen kann, bettelt das Mädchen um Essen für sich und ihren Vater. Mit 15 Jahren entscheidet sie dann, ihr Leben dem Meeresgott zu opfern, damit ihr Vater sein Augenlicht zurückerlangt. Simcheongs Geschichte wird von ihrer aufopferungsvollen Liebe zum Vater vorangetrieben. Die Geschichte wäre jedoch sicher nicht so populär geworden, wenn sie nur von tragischen Umständen handeln würde. Für humoristische Unterbrechungen in der ansonsten traurigen Geschichte sorgt eine Frauenfigur, die im Pansori als Mutter von Bbaengdeok뼁덕 bezeichnet wird. Sie nähert sich dem blinden Vater von Simcheong, als dieser den vermeintlichen Tod seiner Tochter betrauert. Denn sie beabsichtigt, dem Vater das Geld aus der Tasche zu ziehen, das er für Simcheongs Opfergabe erhalten hat. Am Ende lässt Bbaengdeoks Mutter den Vater auf dem Weg zu einer Wohltätigkeitsveranstaltung für Blinde in einem Gasthaus sitzen, nachdem sie mit einem anderen Mann angebandelt hat. Ohne Zweifel ist sie eine schreckliche Person, doch sie ist längst noch nicht so verabscheuenswert wie Nolbo. 


Musik

  1. Ausschnitt aus dem „Chunhyangga“, gesungen von Kim So-hui 춘향가 중 방자 춘향에게 가는 대목 / 소리 김소희
  2. Ausschnitt aus dem „Heungboga“, gesungen von Oh Jeong-suk 흥보가 중 놀보 심술타령 / 소리 오정숙
  3. Ausschnitt aus dem „Simcheongga“, gesungen von Kim Su-yeon 심청가 중 뺑덕어멈 행실 / 소리 김수연

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