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Nordkoreanische Arbeiter im Ausland

#Blick auf Nordkorea l 2019-11-07

Schritte zur Wiedervereinigung

© KBS

Das internationale Filmfestival über Menschenrechte in Nordkorea fand vom 1. bis zum 3. November in Seoul statt. Der Eröffnungsfilm war eine Dokumentation mit dem Titel “Dollar Heroes”, die beschreibt, wie nordkoreanische Arbeiter ins Ausland geschickt werden, um Devisen zu beschaffen. Zum Thema nordkoreanische Gastarbeiter sagt Chung Eun-chan vom Institut für Vereinigungserziehung: 


Nordkorea begann während der Herrschaft von Kim Il-sung 1948 damit, Arbeiter in die Sowjetunion zu schicken. Damals ging es bei der Entsendung von Arbeitern vor allem darum, die guten Beziehungen zur Sowjetunion zu erhalten und nicht so sehr um die Devisenbeschaffung. Nordkorea unterzeichnete 1967 ein Abkommen mit der Sowjetunion, um Arbeiter für die sowjetische Holzindustrie bereitzustellen. Anfang der 90er Jahre wurden mehr als 20.000 nordkoreanische Holzfäller nach Russland entsandt. Seitdem wurden immer mehr Nordkoreaner ins Ausland geschickt, um Devisen für das Regime zu beschaffen. Früher sandte Nordkorea zahlreiche Arbeiter in die Sowjetunion, um im Gegenzug Hilfsleistungen von seinem traditionellen Verbündeten zu erhalten. 


In den 70er Jahren schickte Nordkorea Arbeiter nach Afrika, die in Madagaskar am Bau eines Präsidentenpalastes und in der   Zentralafrikanischen Republik an der Errichtung eines Parlamentsgebäudes arbeiteten. Damals bildete Nordkorea politische Allianzen mit afrikanischen Ländern, die gegenüber der USA feindselig gesonnen waren. Nordkorea errichtete dort ohne finanzielle Gegenleistung verschiedene Gebäude. Der poltische Zweck wandelte sich zu wirtschaftlichen Zwecken während der Zeit von Kim Jong-ils, dem Sohn Kim Il-sungs. Nordkorea beschaffte sich Devisen, indem es Arbeiter in 45 verschiedene Länder außerhalb Chinas und Russlands entsandte. Sie arbeiteten in der Holzindustrie, beteiligten sich am Bau von Restaurants oder sie waren in der Fischerei, im Hotelgeschäft, im Bereich der Informationstechologie und medizinischen Bereich tätig. Seit der Machtübergabe an Kim Jong-un wurden sogar noch mehr Arbeiter ins Ausland geschickt:


Es gab eine Grenze, bis zu der Nordkorea seine marode Wirtschaft wiederbeleben konnte. Zudem war es fast unmöglich, wegen der Sanktionen des UN-Sicherheitsrats Auslandsinvestitionen anzuziehen. Das Kim-Jong-un-Regime musste einen Weg finden, um aus der wirtschaftlichen Notlage herauszukommen. Eine Lösung war die Entsendung von Gastarbeitern. Durch sie war es relativ einfach, Devisen zu beschaffen. Nordkorea hat zahlreiche Arbeiter nach China und Russland geschickt, wo es diese gut kontrollieren kann. 


Auch die Situation in China und Russland selbst trug zu der ansteigenden Zahl von nordkoreanischen Gastarbeitern bei. So suchte China nach Wegen, um etwas gegen die stark ansteigenden Arbeitskosten im Land zu tun. Russland wiederum kämpfte mit einem Mangel an Arbeitskräften. Es wird geschätzt, dass gegenwärtig zwischen 50.000 und 120.000 Nordkoreaner in etwa 50 Ländern arbeiten: 


Nicht jeder kann im Ausland arbeiten, selbst wenn er dies wollte. Die zuständigen Behörden wie das Ministerium für Forstwesen, das Handelsministerium, die Arbeiterpartei und das Militär wählen die Kandidaten aus und prüfen ihre Bewerbungen. Die ausgewählten Kandidaten müssen durch drei oder vier Vorgesprächsrunden für die ideologische Prüfung, und sie werden körperlich untersucht. Wenn sie alle Prozeduren hinter sich haben, werden sie von der Zentralpartei gebilligt. Die meisten werden als Parteimitglieder ins Ausland geschickt. Ihre Familien müssen in Nordkorea bleiben, wo sie auch als eine Art Geiseln dienen. 


Die nordkoreanischen Unternehmen schicken ihre eigenen Arbeiter zu ihren Filialen im Ausland. Die Arbeiter sollten Mitglied der Arbeiterpartei sein und keine Verwandten oder Bekannte in Drittländern haben. Trotz der gründlichen Prüfung hoffen viele Nordkoreaner, im Ausland arbeiten zu können, weil sie dort letztlich mehr verdienen. Einige versuchen, Beamte deswegen zu bestechen. Doch können sie nicht den gesamten Lohn für sich behalten: 


Nordkoreanische Gastarbeiter verdienen 100 bis 1.500 Dollar im Monat. Doch 70 bis 90 Prozent des Geldes gehen an den Staat im Namen von “Loyalitätszahlungen”. In einigen Fällen erhalten sie ein Sück Papier, auf dem der Verdienst steht statt wirkliches Geld. Wenn sie Geld an die Familie in Nordkorea schicken, erhält es zuerst der Staat. Ein Jahr später geht das Geld in Teilen an die Familie. Die sogenannten Loyalitätsbeträge fließen in das Parteibüro oder das Büro 39, das für die Verwaltung der Auslandsdevisen zuständig ist, die als Privatfonds des Machthabers gebraucht werden. 


Nordkorea verdient schätzungsweise 200 Millionen Dollar jährlich durch die Gastarbeiter im Ausland. Das Geld wird nicht nur für das Raketen- und Atomprogramm gebraucht, sondern auch für den Kauf von Luxusgütern für die Elite und den Machthaber. Ein weiteres Problem sind die schlechte Behandlung der nordkoreanischen Arbeiter und Menschenrechtsverstöße. Sie arbeiten zehn bis zwölf Stunden am Tag und 27 Tage im Monat. Viele von ihnen verletzen sich oder verunglücken tödlich bei der schweren Arbeit. Im Dezember 2017 verabschiedete der UN-Sicherheitsrat die Resolution 2397, die die Mitgliedsländer dazu aufruft, die nordkoreanischen Gastarbeiter bis zum Ende dieses Jahres nach Nordkorea zurückzuschicken:


Radio Free Asia prüfte im Juli dieses Jahres die Berichte von 35 Ländern an den UN-Sicherheitsrat, sechs Monate, bevor die Abschiebung beendet sein sollte. Den Berichten zufolge wurden 23.171 nordkoreanische Arbeiter wieder zurückgeschickt. Russland zum Beispiel berichtete, von 30.023 nordkoreanischen Arbeitern, seien 18.533 nach Nordkorea geschickt worden.

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