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Nordkorea kämpft regelmäßig gegen Überschwemmungen

#Blick auf Nordkorea l 2020-07-30

Schritte zur Wiedervereinigung

ⓒ YONHAP News

Die jährliche sommerliche Regenzeit auf der koreanischen Halbinsel neigt sich dem Ende zu. Die nordkoreanischen Medien berichteten zuletzt regelmäßig über Maßnahmen zur Verhinderung von Überschwemmungen. Die starken Regenfälle hatten große Schäden in der Landwirtschaft verursacht. Zu den regelmäßig wiederkehrenden Flutschäden sagt die aus Nordkorea stammende Reporterin Kang Mi-jin von der Internetzeitung Daily NK in Seoul:


Die nordkoreanischen Staatsmedien wie etwa die Zeitung Rodong Sinmun und die zentrale Fernsehstation betonten zuletzt, dass man sich auf Flutschäden vorbereiten muss. Das Land hat die Ufermauern und die Wasserreservoirs an den Flüssen verstärkt. Die Medien berichteten über Hochwasserschutzmaßnahmen in der Stadt Sariwon, die im vergangenen Jahr von einem starken Taifun getroffen wurde. Es wurden Projekte vorgestellt, die Häuser und Parks während der Regenzeit sicherer machen sollen. Sie betonten insbesondere, dass es nötig ist, die Felder und Anbaukulturen zu schützen. Die betroffenen Bürger wurden mobilisiert, um in Arbeitsschichten am Morgen und Nachmittag Schutzwälle gegen das Überlaufen von Flüssen zu bauen.


Die Schließung der Grenzen wegen des Covid-19-Ausbruchs führten in Nordkorea zu einem Rückgang der Getreideimporte. Zusätzlich zu den Auswirkungen der Regenzeit könnte diese Situation die Nahrungsmittelknappheit im Land verschärfen:


Im September des vergangenen Jahres traf der Taifun Linglin auf die Region Hwanghae, die Nordkoreas Kornkammer ist. Durch den Taifun wurden 460 Wohnhäuser und 15 öffentliche Gebäude komplett oder teilweise zerstört oder überflutet. Nordkorea berichtete damals, dass 46.200 Hektar Ackerland überschwemmt wurden. Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un rief ein Dringlichkeitstreffen am 6. September ein, als sich der Taifun näherte. Im ganzen Land wurde Taifun-Alarm ausgelöst.


Das Koreanische Umweltinstitut mit Sitz in Seoul berichtete 2009, dass 42.600 Quadratkilometer, oder 35 Prozent des nordkoreanischen Territoriums, anfällig für Überflutungen seien. In einem Katastrophenbericht von 2017 der UN-Wirtschafts- und Sozialkommission für Asien und den Pazifikraum hieß es, Nordkorea gehöre zu den asiatischen Ländern mit der geringsten Reaktionskapazität bei Naturkatastrophen:


Der Boden in Nordkorea ist nicht sehr fest. Normalerweise ergreift Nordkorea nur Überbrückungsmaßnahmen, wenn jedes Jahr Starkregen einsetzt. Die extreme Wirtschaftskrise Mitte der 1990er Jahre zwang viele Einwohner dazu, Bäume für Brennholz und Ackerland zu fällen. Das Ergebnis war, dass die Berge kahl wurden. Da die Berge kaum noch bewaldet waren, hat der Boden das Wasser nicht halten können, und selbst leichtere Regenfälle führten zu Überschwemmungen. Hinzu kommt, dass die veralteten Kanäle und Abwassereinrichtungen in den Städten nicht mehr gut funktionieren, um das Wasser aufzufangen, so dass noch mehr Schaden entstand.


Das Forschungszentrum INFORM der Europäischen Kommission veröffentlicht jedes Jahr seinen globalen Risikoindex. In diesem Jahr erhielt Nordkorea 5,2 von 10 Punkten. Es rangierte an 39. Stelle der am meisten gefährdeten Orte unter 191 untersuchten Ländern. Der Index bildet ab, wie stark ein Land Naturkatastrophen ausgesetzt ist und bewertet das Risikomanagement der Regierungen:


Einige weisen auf die mangelnden Kapazitäten Nordkoreas zur Wettervorhersage hin, da die meteorologische Ausrüstung veraltet ist. Jeder Landkreis, jede Stadt und Provinz hat ihre eigene Wetterstation in Nordkorea. Doch die Vorhersagen sind oftmals inkorrekt. Ich lebte in der Provinz Ryanggang. Die Bewohner einschließlich der Landwirte hingen von den Wettervorhersagen der Nachbarprovinz Nord-Hamgyeong ab, weil die eigenen Wetterinformationen meistens irreführend waren. Glücklicherweise hat sich die Vorbereitung Nordkoreas auf Naturkatastrophen schrittweise verbessert. In diesem Jahr beschloss das Land im Voraus strengere Flutkontrollmaßnahmen.


Zahlreiche Experten rufen zu einer stärkeren Zusammenarbeit zwischen Süd- und Nordkorea beim Katastrophenschutz auf:


Die Nordkoreaner gehen jedes Jahr davon aus, dass es Flutschäden geben wird. Nordkorea mangelt es an Technologie und an Ressourcen. Südkoreas fortgeschrittene Technologie könnte dazu verwendet werden, effektive Maßnahmen zu ergreifen, so dass die Nordkoreaner nicht mehr Überschwemmungen und Dürren ausgesetzt sind. Falls Nordkorea am Emissionshandel interessiert ist, könnten beide Koreas die Zusammenarbeit bei CO2-Emissionsrechten stärken. Nordkorea könnte auch einen Vorschlag beim Grünen Klimafonds der UN, dessen Zentrale sich in Incheon in Südkorea befindet, einreichen, so dass der Fonds die innerkoreanischen Kooperationsprojekte in Bereichen der Landwirtschaft und der Wasserressourcen unterstützen könnte.

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