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Schüsse an indisch-chinesischer Grenze im Himalaya

#Asien Kompakt l 2020-09-09

Kreuz und Quer durch Korea

ⓒ YONHAP News

Im Grenzkonflikt zwischen Indien und China sind erstmals seit 1975 Schusswaffen zum Einsatz gekommen. Die Spannungen zwischen beiden Rivalen drohen erneut zu eskalieren. Laut Angaben von Behörden und der Presse seien am Montag im umstrittenen Grenzgebiet Ladakh im Himalaya Schüsse gefallen.


Chinas Militär behauptete, indische Truppen hätten die Grenzlinie am Pangong-See überschritten und die chinesische Seite mit Schüssen bedroht. Indien wies diese Vorwürfe zurück. Das indische Verteidigungsministerium warf den Chinesen seinerseits vor, als Einschüchterungsversuch Schüsse in die Luft abgegeben zu haben.


Zwar gab es weder Verletzte noch Tote, der Vorfall bedeutet jedoch eine gefährliche Abweichung vom bisherigen Status Quo, nach dem der Einsatz von Schusswaffen auf beiden Seiten über Jahrzehnte vermieden wurde.


Im Jahr 1962 führten China und Indien einen heftigen Grenzkrieg, der einen Monat dauerte und bei dem tausende Soldaten ums Leben kamen. Um einen weiteren Krieg zu vermeiden, einigten sich beide Länder in einem Abkommen von 1996 darauf, dass keine Seite innerhalb von zwei Kilometern im Umkreis von der Linie des aktuellen Grenzverlaufs, Schusswaffen oder Sprengstoff benutzen darf.


Soldaten Chinas und Indiens waren seitdem bei Auseinandersetzungen im Grenzgebiet mit Steinwürfen, Eisenstangen und Knüppeln aufeinander losgegangen. Im Juni kam es dann das erste Mal seit 1975 zu einem tödlichen Grenzzwischenfall, bei dem auf indischer Seite mindestens 20 Soldaten ums Leben kamen. Fotos in sozialen Netzwerken, auf denen indische Soldaten mit nagelgespickten Eisenstangen verprügelt wurden, lösten unter der indischen Bevölkerung eine große Empörung aus.


Das indische Verteidigungsministerium nahm daraufhin eine Änderung des Verbots der Nutzung von Schusswaffen vor. Truppenführer im Grenzgebiet erhielten die Genehmigung, nach eigenem Ermessen Schießbefehle zu erteilen.


Trotz anschließenden Deeskalationsgesprächen von militärischen und diplomatischen Vertretern beider Länder konnten die Spannungen bislang nicht vollständig beigelegt werden.

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