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Geflüchteter nordkoreanischer Diplomat soll in Südkorea sein

#Themen der Woche l 2020-10-10

Nachrichten

ⓒKBS News

Der vor zwei Jahren untergetauchte frühere kommissarische Botschafter Nordkoreas in Italien, Jo Song-gil, soll sich seit über einem Jahr in Südkorea aufhalten.


Jo leitete ab Oktober 2017 übergangsweise die Botschaft in Rom, nachdem Italien den damaligen Botschafter Mun Jong-nam als Reaktion auf Nordkoreas sechsten Atomtest den Monat davor des Landes verwiesen hatte. Im November 2018, kurz vor dem Ende seiner Amtszeit und der bevorstehenden Rückkehr nach Nordkorea, war der Diplomat verschwunden. Beobachter nahmen damals an, dass er unter dem Schutz der italienischen und anderen Regierungen in einem Drittland Asyl beantragt haben könnte. Dies ließ sich jedoch nicht bestätigen.


Im Februar letzten Jahres stellte das italienische Außenministerium offiziell fest, dass Jo Song-gils minderjährige Tochter nach Nordkorea zurückgebracht wurde. Es wurde unter anderem spekuliert, dass die Tochter sich entweder geweigert habe, mit ihren Eltern im Ausland unterzutauchen oder dass sie gegen ihren Willen nach Nordkorea zurückgebracht wurde. Seitdem war Jos Aufenthaltsort unbekannt. Es wurde nun festgestellt, dass der Nordkoreaner offenbar schon vor etwa einem Jahr in Südkorea eingereist war. Regierungsquellen zufolge habe der Diplomat um die Geheimhaltung seiner Einreise gebeten.


Jo Song-gil ist seit dem Amtsantritt von Kim Jong-un 2011 der erste Diplomat im Rang eines Botschafters, der nach Südkorea geflüchtet ist. Der letzte ranghohe nordkoreanische Diplomat dessen Überlaufen bekannt wurde, war Thae Yong-ho, früherer stellvertretender Botschafter in London, der 2016 nach Südkorea kam. Thae wurde bei den Parlamentswahlen im April zum Abgeordneten eines Seouler Bezirks gewählt. Der bisher ranghöchste nordkoreanische Überläufer war der 2010 verstorbene Hwang Jang-yop. Hwang war zum Zeitpunkt seiner Flucht nach Südkorea im Jahr 1997 Sekretär für Außenpolitik der nordkoreanischen Arbeiterpartei.


Jo Song-gil und seine Ehefrau stammen aus einer elitären Politikerfamilie. Deren Flucht nach Südkorea bedeutet für das nordkoreanische Regime eine Schmach. Vor dem Hintergrund der derzeit angespannten Beziehungen zwischen beiden Koreas könnte dies die zukünftigen Entwicklungen in den innerkoreanischen Beziehungen beeinflussen.


Dies könnte ein Grund dafür sein, dass der südkoreanische Geheimdienst an der Position festhält, dass der Verbleib des Ehepaares in Südkorea nicht bestätigt werden könne.

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