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Frühlingslandschaften

#Musik verbindet l 2020-02-19

Musik verbindet


Heute ist „usu“우수. Dieser Begriff setzt sich aus den chinesischen Schriftzeichen für Regen und Wasser zusammen und das Wort verweist auf die zum Ende des Winters auftretende Schneeschmelze. Für die Koreaner war die Schmelze ein untrügliches Anzeichen dafür, dass der Frühling nicht mehr fern ist. Auch wenn in einem letzten Aufbäumen des Winters noch Schnee fallen sollte, so wird das die Vorfreude auf wärmere Tage dennoch nicht schmälern können. Die schöne Aussicht auf den Frühling, trotz des Schneefalls, inspirierte vielleicht Hwang Byung-ki 황병기 zu seinem Gayageum-Solostück „Chunseol“춘설 oder zu Deutsch „Frühlingsschnee“. Das Stück besteht aus fünf Sätzen: der erste Satz trägt den Titel „Stiller Morgen“, der zweite lautet „Friedlich“, der dritte „Mystisch“, der vierte „Närrisch“ und der fünfte „Fröhlich“. 


Die Musik von „Chunseol“ bzw. „Frühlingsschnee“ basiert im Grunde genommen auf ein von Hwang Byung-ki komponiertes Gayageum-Konzert mit dem Titel „Neuer Frühling“. Hwang nahm sich später nur die Gayageum-Melodie aus dem Konzert vor und arrangierte sie zum Stück „Frühlingsschnee“. Was ihn wohl dazu veranlasste, an Schnee zu denken, als er an seiner Frühlingsmusik schrieb? Vielleicht wollte er sowohl seine Enttäuschung über den zu Ende gehenden Winter als auch seine Vorfreude auf den kommenden Frühling ausdrücken. Je älter man wird, desto empfänglicher scheint man für den Wechsel der Jahreszeiten zu werden. Nähert sich eine Jahreszeit dem Ende und kündigen sich die Vorboten der neuen Jahreszeit an, kommt man nicht selten in Erstaunen darüber, wie schnell die Jahreszeiten einander ablösen. Dieses Gefühl wird sehr gut im Lied „Sacheolga“사철가 bzw. „Lied der vier Jahreszeiten“ wiedergegeben:


In den Bergen blühen die Blumen. Es muss Frühling sein.

Der Frühling hat Einzug gehalten, doch über alles hängt die Melancholie.

Gestern noch grün hinter den Ohren, ist heute das Haar schon ergraut. So ein Elend.


Weiter wird in dem Lied das rasche Vorbeiziehen der Jahreszeiten und die Flüchtigkeit des Lebens beklagt. In dem Text heißt es:


Der Mensch, so sagt man, lebt 100 Jahre.

Zieht man jedoch die Tage ab, an denen man krank ist, schläft und sich sorgt,

dann bleiben einem weniger als 40 Jahre.

Nach dem Tod zerfallen wir in unseren Gräbern zu Staub.


Deshalb wird im Lied dazu geraten, das Leben zu genießen. Denn eine Schale Reiswein im Hier und Jetzt schmecke in jeder Hinsicht besser als der nach dem Tod von den Hinterbliebenen beim Ahnenritual geopferte Wein. Das Lied endet mit der Aufforderung, zuerst alle Bösewichte ins Jenseits gehen zu lassen, aber alle Freunde um sich zu versammeln und mit ihnen gemeinsam zu trinken und zu feiern. 


Bei Danga단가 oder zu Deutsch „kurzes Lied“ handelt es sich, wie der Name schon sagt, um kurze Gesangsstücke, die vor einem Pansori dargeboten werden. Es dient dazu, das Publikum vor der Hauptvorstellung in Stimmung zu bringen und die Stimmbänder der Sänger zu lockern. In diesen Liedern geht es hauptsächlich um Helden oder reizvolle Landschaften. Und ganz gleich, um welches Thema es sich auch dreht, die Danga enden allgemein mit der Aufforderung, sich nun zu amüsieren. Zum Schluss hören Sie ein Volkslied aus der Region Gyeonggi. Es trägt den Titel „Yangryuga”양류가 mit der Bedeutung „Lied der Weiden“. Beschrieben werden darin Frühlingslandschaften, das Rauschen der Weiden sowie der Gesang der Nachtigallen und Schwalben. Stimmen wir uns also mit diesem Stück auf den sich ankündigenden Frühling ein. 


Musik

  1. 3. und 5. Satz aus „Chunseol“, komponiert und am Gayageum gespielt von Hwang Byung-ki 춘설 중 3, 5 악장 / 작곡, 가야금 황병기
  2. „Danga Sacheolga“, gesungen von Jo Sang-hyeon 단가 사철가 / 소리 조상현
  3. „Yangryuga“, dargeboten von Namu 양류가 / 소리와 연주 나무

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