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Mun Suntae: „Der Klang des Gongs“

#Literatur zum Hören l 2021-02-23

Literatur zum Hören

ⓒ Getty Images Bank

Die Geschichte spielt im Jahre 1970 in einem kleinen Dorf in der Provinz Süd-Jeolla. Die Modernisierung des Landes schreitet unaufhaltsam voran und es wird ein Stausee angelegt. Das Dorf, das im Gebiet des Sees liegt, muss weichen, die Bewohner, die Land und Boden verlieren und nun umziehen müssen, erhalten lediglich eine mickrige Entschädigung.

Chilbok, der seine Heimat verlassen und in die Stadt ziehen musste, kehrt nun, nach drei Jahren, mit seiner fünfjährigen Tochter in die alten Heimat zurück. Seine Frau hat ihn verlassen, er ist psychisch schwer angeschlagen. Die Leute sagen, er tickt nicht mehr richtig. Manchmal wandert er in der Nähe des Stausees umher und schlägt seinen Gong, ein altes Schamaneninstrument. Und bekommt deshalb handfesten Ärger mit den Anglern am Ufer.


Chilbok schlug seinen Gong und hüpfte hier und da auf und ab, dort am Ufer des Sees, dessen Wasser am Stamm der Eichenbäume leckte. Seine kleine Tochter tanzte dazu. 

„Deokchil! Bonggu! Palman! Seid ihr noch da?“ 

Chilbok rief die Namen seiner alten Freunde und blickte über den See. Die Angler, vielleicht ein Dutzend, die dort drüben ihre Angelschnüre ins Wasser geworfen hatten, waren aufgesprungen bei dem Lärm, den der Gong verursachte, und starrten mit wütendem Blick zu dem Felsen hinüber, an dem Chilbok stand. Ihr lautes Geschrei, das sich nun mit dem Krach des Gongs vermischte, drang durch das ganze Tal.

„Willst du wohl ruhig sein!“, rief einer der Fischer mit einer roten Sportkappe und hob drohend einen Stein auf. Chilbok sprang schnell hinter die Eiche und war für eine Weile still, um gleich im nächsten Moment wieder lauthals hervorzubrechen.

„Der ist wohl durchgeknallt! Dem werden wir schon ein Ende bereiten!“

Fünf oder sechs Angler kamen angerannt, offenbar fest gewillt, Chilbok zu fassen und ihn ins Wasser zu stoßen. Chilbok wich hierhin und dorthin aus, ohne jedoch aufzuhören, den Gong zu schlagen.

Schließlich hatten sie ihn gepackt. Einer von ihnen zog einen Stock hervor, den Chilbok sogleich zu spüren bekam. 

In diesem Augenblick tauchten drei andere Männer auf.

„Er ist nicht ganz richtig im Kopf! Lassen Sie ihn!“, rief einer von ihnen. Es waren Leute aus dem Dorf, die am Ufer Hütten aufgebaut hatten, um den angereisten Anglern und Touristen Schnaps und heiße Suppe zu verkaufen.

„Er ist doch von hier!“, sagte der Mann.

„Was soll das heißen, von hier?“. Die Angler waren verwirrt.

„Aus dem Dorf, das nun im See versunken ist!“

„Heißt das, hier, wo wir jetzt angeln, war früher ein Dorf?“

„So ist es. Ihre Angelschnüre befinden sich genau über unseren alten Häusern“, sagte der Mann ...




Mun Suntae, geboren 1941, ist seit 1975 Schriftsteller. Im Jahre 2010 gewann er den Chae-Mansik-Literaturpreis. Seine Erzählung „Der Klang des Gongs“ entstand  1978.

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