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Kim Aeran: „Gegenüber“

#Literatur zum Hören l 2022-01-18

Literatur zum Hören

ⓒ Getty Images Bank

Do-hwa starrte auf Isus nackte Füße, die unter der Bettdecke hervorschauten. Es gab Tage, da drückte sie ihm oft einen Kuss auf seine Füße, bevor sie das Haus verließ. Sie nahm seine Füße auch in die Hand und streichelte seine behaarten Zehen, bevor sie sie wieder unter die Decke schob.

Do-hwa betrachtete die Füße ihres Freundes, die Füße, die sie an so viele Orte begleitet hatten, aber dann wandte sie sich ab.


Es war schwer für Isu zu sehen, wie Do-hwa ohne ihn erwachsen geworden war. Er konnte es nicht ertragen, zu sehen, wie sich ihre Worte, Mimik und Interessen langsam veränderten, wie ihre Welt allmählich größer wurde und ihn verdrängte.

Darüber hinaus war Do-hwa gewissermaßen eine staatlich zertifizierte Bürgerin. Im Gegensatz dazu war Isu weder Student noch Angestellter, sondern nur ein obskures Individuum.



Professor Bang Min-ho von der Abteilung für koreanische Literatur an der Seoul National University:

Diese Charaktere sind sehr authentisch. In dieser Welt gibt es selten absolute Schurken oder absolute Heilige. Gewöhnliche Menschen verfolgen ihre eigenen Wünsche oder Hoffnungen oder Annehmlichkeiten, während sie gleichzeitig an etwas Mitgefühl und Bedauern festhalten. So ist Do-hwa in dieser Geschichte nur eine gewöhnliche Frau. Sie will mit dem arbeitslosen Isu Schluss machen, hat aber gleichzeitig Mitleid mit ihm. Sie ist daher eine sehr glaubwürdige, authentische Frau.



Isus Hand, die das Glas hielt, zitterte leicht. Die Menschenmenge im Restaurant wurde mit der Zeit immer größer.

In diesem Restaurant mit Hunderten von Gästen, die alle versuchten, sich über den Lärm hinweg zu unterhalten, waren Isu und Do-hwa die einzigen, die nichts sagten.


Da erkannte Do-hwa, dass das, was sie nach dem Treffen mit ihrem Vermieter am Abend zuvor empfunden hatte, nicht das Gefühl gewesen war, betrogen worden zu sein, sondern Erleichterung. Als hätte sie lange gehofft, dass Isu einen großen Fehler machen würde. Aber wohin sollte er jetzt gehen?

Do-hwa unterdrückte die Gedanken an die letzten Tage und schluckte sie hinunter.




Kim Aeran (*1980): „Gegenüber“

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