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Kim Yong-ik: „Die Hochzeitsschuhe“ (1956)

#Literatur zum Hören l 2022-09-27

Literatur zum Hören

ⓒ Getty Images Bank

Damit sie sicfh nicht due Füße wundscheuerte, trug sie weiße Musselinsocken, und auf dem schmalen Weg zur Schule ging ich oft einen Schritt hinter ihr her und betrachtete die Linie zwischen den weißen Socken und den kanuförmigen Schuhen. 

Einen Tag, nachdem es geregnet hatte, überquerte ich die Straße, wo sich das Regenwasser sammelte, wobei ich sie auf dem Rücken trug, und all meine Kraft aufwendete, um nicht zu fallen. Sie klammerte sich an meinen Rücken wie ein grüner Frosch. Und wie ich diese Schuhe liebte, die zu beiden Seiten an meiner Taille baumelten.


Mir fiel nichts ein, was einer Heirat im Wege gestanden hätte. Die Kürbisse, die am Trennzaun wuchsen, wurden immer ohne Streit geteilt. Seit ich denken kann, verkaufte mein Vater dem Schuhmacher die Ochsenhaut für die Schuhe.

Da er sehr stolz war, kam in letzter Zeit seine Frau zu uns, bat uns, ihr ein paar Häute zu verkaufen, und versprach, sie im nächsten Monat zu bezahlen. Wir wussten, dass sie nicht zahlen würden, aber wir gaben ihr ein Stück, das groß genug für zwei Paar Schuhe war.

Nun, da ich den Antrag gestellt hatte, würde ich morgen das größte Stück Ochsenhaut nehmen und ihn bitten, die schönsten Hochzeitsschuhe für seine Tochter zu machen. Anstatt an unserem Hochzeitstag auf einer Sänfte zu reiten, würde ich sie, da wir ja Nachbarn waren, über den weißen Musselin-Teppich laufen lassen, der bei uns zu Hause gewebt wurde, dachte ich.

Aber an diesem Abend hörte ich, wie der Schuhmacher meine Familie beleidigte.

„Ich würde meine Tochter niemals dem Sohn eines Metzgers geben! Sie ist die Tochter des besten Schuhmachers in sieben Dörfern. Ich habe mich mit denen gutgestellt, damit ich etwas Rindfleisch als Beilage bekomme, aber dieser Metzger muss das gewaltig missverstanden haben. Ich mache Blumenbrokatschuhe für Hochzeiten!“, meinte der Schuster.


Die Hochzeitsschuhe verschwanden Paar für Paar. Ich kam immer wieder zurück. Als die Ware des alten Mannes weniger wurde, ließen auch meine bitteren Gefühle für ihn nach. An ihre Stelle trat Traurigkeit.

Manchmal wünschte ich mir, der alte Mann würde mich erkennen. Dann hätte ich nach seiner Frau und seiner Tochter fragen können. Aber er erkannte mich nicht.

Ich wollte ein Paar Hochzeitsschuhe kaufen, bevor sie alle an andere Leute verkauft wurden, aber ich hatte Angst, dass ich Traurigkeit anstelle von Hochzeitsschuhen kaufen könnte. Selbst als nur noch drei Paare übrig waren, kam ich nicht näher an den Stand heran. Ich konnte diese Ecke des Marktes nicht mehr besuchen, weil ich das Gefühl hatte, die wunderschön verzierten Spitzen der Hochzeitsschuhe würden mich anstarren und mir dann den Rücken kehren.




Kim Yong-ik (1920-1995): „Die Hochzeitsschuhe“ (1956)

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