Zum Menü Zum Inhalt

Wirtschaft

Bank of Korea setzt erneut Leitzinz herab

#Thema der Woche l 2019-10-21

Wirtschaft Aktuell

© YONHAP News

Angesichts der zunehmenden Sorgen wegen einer Rezession hat die Bank of Korea in der vergangenen Woche ihren Leitzins von 1,50 auf 1,25 Prozent gesenkt. Es war die zweite Zinssenkung in drei Monaten. Zum Thema sagt der Experte Kim Wan-joong vom Hana Institute of Finance:


Am 16. Oktober setzte der Geldmarktausschuss der Bank of Korea den Basiszins um einen Viertelpunkt auf 1,25 Prozent herab. Damit geht sie auf das niedrigste Zinsniveau vor zwei Jahren zurück. Bedenkt man, dass zwei Ausschussmitglieder für einen unveränderten Zinssatz votierten und dass der Zins bereits ein historisches Tief erreicht hat, ist zu erwarten, dass die Zentralbank mit Blick auf weitere Zinssenkungen vorsichtig sein wird.  


Der jüngste Zinsschritt hängt hauptsächlich mit der Befürchtung um eine Verlangsamung der Wirtschaft zusammen: 


Die Zinssenkung schien unvermeidlich, wenn man die Auswirkung des Handelskonflikts zwischen den USA und China sowie das schwache Wachstum der koreanischen Wirtschaft berücksichtigt. Die Bank of Korea prognostizierte zuvor in diesem Jahr, dass die einheimische Wirtschaft 2019 um 2,7 Prozent wachsen wird. Doch die Wachstumsrate könnte unter 2 Prozent fallen. Hinzu kommt, dass die Verbraucherpreise in negatives Territorium rutschten, was die Sorgen wegen einer Deflation befeuerte. Vor diesem Hintergrund gibt es vermehrt Stimmen, die eine aktivere Lockerung der Geldpolitik fordern. 


Zwar reagierte die Notenbank mit dem Zinsschritt auf das langsamere Wachstumstempo und die Risikofaktoren im In- und Ausland, doch zweifeln einige Experten die erwünschte Wirkung der Maßnahme an:  


Analysten bezweifeln den Nutzen der Zinssenkung. Sie verweisen auf chronische Probleme der koreanischen Wirtschaft, die stark vom Außenhandel abhängt und deshalb stark auf Schwankungen in der Weltwirtschaft reagiert. Zinssenkungen können daher wahrscheinlich nicht zu mehr Investitionen und Konsum führen, solange die globale Wirtschaft stagniert. Korea steht auch unmittelbar unter dem Einfluss des Handelsstreits zwischen den USA und China. Die lokalen Unternehmen und die Verbraucher werden die Folgen des Zinsschritts im Umfeld niedriger Zinsen kaum spüren, und einige warnen vor einer “Liquiditätsfalle”. Damit eine Zinssenkung effektiv ist, ist es nötig, die expansive Geldpolitik zu verstärken und die größeren finanziellen Ressourcen wirksam einzusetzen. Die Regierung sollte auch die Regulierungen lockern, um die industriellen Strukturen zu reformieren.  


Eine Zinssenkung hat den Zweck, die Wirtschaft anzukurbeln, indem mehr Geld in den Markt gepumpt wird. Doch angesichts der Struktur der koreanischen Wirtschaft werden Unternehmen von weiteren Investitionen Abstand halten, und die Konsumenten werden weniger Geld ausgeben:


Da erwartet werden kann, dass die Zinsen einige Zeit auf dem niedrigsten Stand verharren werden, wird spekuliert, dass mehr Geld in den Immobilienmarkt fließt und die Wohnungspreise wieder steigen. Doch ist es schwierig, den Hauskauf über Kredite zu finanzieren, weil die Regierung die Verleihregeln im vergangenen Jahr verschärft hat. 


Die Bank of Korea könnte den Leitzsins weiter in der Hoffnung herabsetzen, damit die Wirtschaft ankurbeln zu können. Der Schlüssel ist der Umfang der Zinsänderungen. Einige prognostizieren, dass der Zinssatz auf null Prozent fallen könnte: 


Im Gegensatz zu den USA verfügt Korea nicht über eine internationale Handelswährung. Das bedeutet, das niedrigste Zinsniveau in Korea könnte dafür sorgen, dass die Geldpolitik ineffektiv bleibt, wenn das Level in anderen Ländern mit Schlüsselwährungen höher ist. Die Bank of Korea kann den Basissatz nicht drastisch herabsetzen, selbst wenn sie weitere Zinssenkungen beschließen sollte. Ich denke, die Zentralbank wird den Zinssatz ein weiteres Mal oder noch zweimal senken, wegen der Zweifel an der Wirkung der Geldpolitik, der strukturellen Probleme der einheimischen Wirtschaft und der Finanzindustrie sowie des Risikos eines Kapitalabflusses. Korea wird nicht so weit gehen, um einen negativen Zinssatz zu erreichen, wie es die Zentralbank in Europa und Japan machen, doch könnte der Zinssatz in den Null-Prozent-Bereich fallen. 


Falls Korea den Leitzins noch ein weiteres Mal senkt, wäre die Schwelle von ein Prozent erreicht. Doch die weiteren Zinsentscheidungen werden von der Entwicklung der wirtschaftlichen Bedingungen abhängen.

Die Redaktion empfiehlt