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Wirtschaft

Südkorea legt Programm gegen wirtschaftliche Auswirkung von Covid-19 auf

#Thema der Woche l 2020-03-02

Wirtschaft Aktuell

© YONHAP News

Die südkoreanische Regierung hat am Freitag ein Maßnahmenpaket gegen die negativen Auswirkungen angekündigt, die der Ausbruch der Lungenkrankheit Covid-19 auf die Wirtschaft des Landes hat. Dazu gehört auch ein milliardenschwerer Nachtragshaushalt. Zum Thema sagt der Direktor des Real Good Economic Institute, Lee In-chul:


Die jüngsten Maßnahmen zeigen, dass sich die Regierung der schlechter werdenden öffentlichen Stimmung wegen des rapiden Anstiegs der Infektionsfälle mit dem Virus auf Kommunalebene sehr bewusst ist. Die Maßnahmen sollen die Wirtschaft durch finanzielle Unterstützung, Steuervorteile und neue Bestimmungen ankurbeln. Die Regierung will mehr als 16 Milliarden Dollar ausgeben, um die Schwierigkeiten durch den Ausbruch zu überwinden. Die Stützungsmaßnahmen schließen Fiskalspritzen, Steuerreduzierungen, Niedrigzinskredite für kleine Unternehmen und weitere Geldmittel vor, die von den staatlichen Institutionen zur Verfügung gestellt werden.


Der Schlüssel der neuen Maßnahmen ist, den Verbrauch zu fördern. So sollen die Steuern für den Autokauf von März bis Juni um 70 Prozent reduziert werden. Die Steuerabzüge bei Kredit- und Debitkartenkauf sollen in der gleichen Zeit von 30 auf 80 Prozent steigen. Käufer von hoch-effizienten Haushaltsgeräten erhalten einen Preisabschlag von 10 Prozent. Erwerbstätige Eltern mit Kindern unter acht Jahren sollen bezuschusst werden, wenn sie Erziehungsurlaub aufgrund der Schließung von Kinderbetreuungen nehmen müssen. Um den Konsum zu stärken, sollen die sogenannten Ausgabengutscheine in fünf Bereichen - Arbeitsmarkt, Ferien, Kultur, Tourismus und Familienwohlfahrt - an mehr Menschen ausgegeben werden:


Für Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 50.000 Dollar oder weniger wird die Mehrwertsteuer bis Ende des nächsten Jahres auf das Niveau derjenigen für normale Steuerzahler heruntergesetzt. Es wird geschätzt, dass diese Maßnahme 900.000 Menschen helfen wird, 160 bis 660 Dollar einzusparen. Die Steuereinnahmen werden sich dadurch in den nächsten zwei Jahren um 720 Millionen Dollar vermindern. Die Regierung will “regionale Geschenkgutscheine” im Wert von 5 Milliarden Dollar ausgeben und Barcoupons von 2,5 Milliarden Dollar zur Verfügung stellen, die auf traditionellen Märkten eingelöst werden können. Vermieter, die wegen des Virus-Ausbruchs die Mieten für kleine und mittelgroße Firmen senken, kommen in den Genuss von Steuererleichterungen.


Die Notfallfonds für kleine und mittelgroße Firmen, die wegen des Ausbruchs des neuartigen Coronavirus wirtschaftliche Einbußen erleiden, sollen auf 570 Millionen Dollar aufgestockt werden. Insgesamt sind als Teil des Maßnahmenpakets 5,8 Milliarden Dollar an Steuererleichterungen vorgesehen:


Der alarmierende Anstieg der Infektionsfälle vergrößert die Sorgen um die negativen Folgen auf die Wirtschaft. Koreas Exporte fielen bereits um fast zweistellige Werte, während der Verbrauch stagniert. Die Straßen sind ruhig und die Läden sind selbst an Wochenenden leer. Die Leute halten sich von normalerweise stark besuchten Orten wie Kaufhäuser oder Kinos fern. Am stärksten ist die Luftfahrtbranche und der Tourismus betroffen. Die Preise für Essenszutaten sind wegen der Schwierigkeiten, sie aus China zu importieren, stark gestiegen. Die Menschen wollen nicht mehr auswärts essen. Die Restaurants leiden also doppelt. Es scheint, als ob das Virus fast alle Industriebereiche trifft.


Die Einnahmen aus dem Tourismus werden sich in diesem Jahr voraussichtlich verringern, weil die Zahl der chinesischen Touristen in Korea drastisch fällt. Viele Selbstständige in der südöstlichen Stadt Daegu, die als ein Zentrum des Ausbruchs von Covid-19 gilt, erwägen eine Geschäftsaufgabe. Immer mehr Länder verhängen Reiserestriktionen für Koreaner:


Immer mehr sind pessimistisch, was das Wirtschaftswachstum Koreas in diesem Jahr betrifft. Standard & Poor’s setzte seine Prognose für Korea von 2,1 Prozent auf 1,6 Prozent herab. Die Kreditratingagentur weist darauf hin, dass Korea bei einer Störung der Lieferketten, die von China ausgehen, besonders anfällig ist. Morgan Stanley prognostiziert, dass die koreanische Wirtschaft im schlimmsten Fall um bloß 0,4 Prozent in diesem Jahr zulegen wird.


Als sich 2003 die Atemwegserkrankung Sars in Südkorea ausgebreitet hat, schrumpfte die Wirtschaft zwei Quartale in Folge. Auch der Ausbruch von Mers 2015 wirkte sich stark auf die koreanische Wirtschaft aus. Im zweiten Quartal jenes Jahres lag das Wachstum bei nur 0,2 Prozent. Um die Folgen von Covid-19 abzufedern, will Südkorea jetzt einen Nachtragshaushalt vorlegen:


Unter Berücksichtigung des Nachtragshaushalts von 5,2 Milliarden Dollar und der Stützungsmaßnahmen im Wert von über 16 Milliarden Dollar wird die Regierung mehr als 21 Milliarden Dollar zur Verfügung stellen. Die Regierung sollte jetzt die Restruktuierung aktiv vorantreiben und ihre Pläne entschieden umsetzen, um die Wirtschaft wiederzubeleben. Damit die Spezialmaßnahmen effektiv sind, sollte die Regierung ihre Entschlossenheit für Reformen demonstrieren.

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