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Wirtschaft

Nach dem Tod von Lee Kun-hee: Für Samsung beginnt neue Ära

#Thema der Woche l 2020-11-02

Wirtschaft Aktuell

ⓒ YONHAP News

Der Vorsitzende von Samsung Electronics, Lee Kun-hee, starb am 25. Oktober im Alter von 78 Jahren. Er war dafür bekannt, kühne Investitionen in Halbleiter und Mobilgeräte zu tätigen, die beide die wichtigsten Säulen des führenden koreanischen Technologieunternehmens sind. Der Tod Lee Kun-hees ebnet den Weg weiter für die Übergabe der Konzernführung an seinen Sohn Lee Jae-yong, der Vizevorsitzender von Samsung Electronics ist. Der Sohn hatte die Position seines Vaters praktisch schon in den vergangenen sechs Jahren übernommen. Der Kommentator Choi Young-il sagt zum Thema:


Es wird schwierig sein, eine ähnliche Persönlichkeit wie Lee Kun-hee zu erwarten, der eine prägende Spur in der koreanischen Wirtschaft hinterlassen hat. Das gilt besonders angesichts der wachsenden Marktunsicherheiten. Unter seiner Führung wurde Samsung zu einem weltweit führenden Anbieter im Bereich der Halbleiter und Smartphones. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts sagte er, dass Halbleiter der “Reis” für die Ära der Informationstechnologie sind. Dank seiner strengen Führung stieg Samsung zu einem globalen Elektronik-Riesen auf. 


Die Vermögenswerte der Samsung-Gruppe lagen 1987, dem ersten Jahr unter Lee Kun-hees Führung, bei 10 Billionen Won. Bis 2019 stiegen sie auf 803 Billionen Won. Die Zahl der Tochterunternehmen kletterte von 37 auf 59. Samsung Electronics wurde zum Marktführer bei Speicherchips, Smartphones und Fernsehern und trug mit dazu bei, dass sich Südkorea zu einer IT-Macht entwickelte. Lee drängte auf Investitionen und die technologische Weiterentwicklung. Seit 1992 hat Samsung eine führende Position im Markt für DRAM-Chips: 


Lee steigerte die Qualität von Samsung-Produkten auf Weltniveau. Nur einige Tage vor seinem Tod wurde berichtet, dass Samsungs Markenwert weltweit an fünfter Stelle in der diesjährigen Interbrand-Liste der 100 besten Marken steht. Die vier ersten Plätze belegten US-Technikfirmen, allen voran Apple, gefolgt von Amazon, Microsoft und Google. 


Trotz des Beitrags Lees zum Wirtschaftswachstum Koreas fällt die Bewertung seiner Errungenschaften gemischt aus. So wurde er dafür kritisiert, ein Wirtschaftssystem zu festigen, das um familiengeführte Firmenkonglomerate zentriert ist. Er ist nicht unschuldig an den Problemen, wie etwa die Intransparenz der Unternehmensführungen und die Verflechtungen von Politik und Unternehmen: 


Lees Hinterlassenschaft hat positive und negative Seiten. Er hatte in den 2000er Jahren problematische Momente. So wurde er etwa von Sonderstaatsanwälten zu vermuteten schwarzen Kassen befragt. Auch muss Samsung mit kontroversen Themen umgehen, dazu gehören die Politik, keine Gewerkschaft zuzulassen, und die Vorwürfe, Industrieunfälle zu verschleiern. Das Unternehmen muss diese internen Probleme zunächst klären und dann seinen Weg finden, zur Gesellschaft beizutragen. 


Lees Sohn Lee Jae-yong, der den Konzern seit dem Herzinfarkt seines Vaters im Mai 2014 praktisch führt, steht vor schwierigen Aufgaben. Zunächst muss er auch die nötigen Mittel besorgen, um die 10 Billionen Won an Erbschaftssteuer zu bezahlen. Auch steht er wegen Korruptionsvorwürfen vor Gericht: 


Zuerst muss sich Lee zwei Gerichtsverfahren stellen. Falls er schuldig gesprochen wird, könnte er eine Haftstrafe absitzen. Nur wenn er diesen Prozess durchläuft, wird es ihm möglich sein, die dunklen Verbindungen der Vergangenheit hinter sich zu lassen. Von da an muss er sich an die Gesetze halten, zur Gesellschaft beitragen und künftige Geschäftsmodelle entwickeln. Er sollte eigenes Fehlverhalten einräumen und dann Schritt für Schritt vorgehen. Ehrlichkeit und Sauberkeit werden es Samsung erlauben, seinen Unternehmenswert zu verbessern. 


Lee muss darüber hinaus jenseits von Halbleitern und Smartphones neue Wachstumsmotoren finden und eine Strategie erarbeiten, um seine Führungsposition innerhalb der Gruppe zu festigen. Der neue Unternehmenschef hat das Geschäftsportfolio der Gruppe bereits überarbeitet, indem er Geschäftsaktivitäten wie etwa Chemie- und Rüstungsunternehmen, die nicht zu den Kernbereichen des Konzerns gehörten, abstieß. Er konzentriert sich auf neue Geschäftsfelder wie Systemhalbleiter, 5G-Ausrüstung, künstliche Intelligenz und Bioprodukte. Auch betont er, wie wichtig die Kooperation sei. Samsung bot etwa seine technologische Unterstützung für Covid-19-Testskits sowie Schutzmasken in Korea und im Ausland an. Auch schuf der Konzern trotz des schwierigen Handelsumfelds mehr Arbeitsplätze:


Samsung war bisher bekannt für sein starkes Streben nach externem Wachstum. Doch in diesen Tagen wird auf Details und feine Unterscheidungen mehr Wert gelegt. Ich denke, dass Lees Stil zu diesen Elementen besser passt. Auch der soziale Wert wird immer wichtiger. Natürlich sollten Unternehmen Gewinne erzielen. Doch ihr sozialer Beitrag und ihre nachhaltige Beziehung mit den Kunden sind ebenso wichtig. Samsungs Infrastruktur ist dafür optimiert. Die Frage ist, wie effektiv der neue Samsung-Boss ist, um Empathie mit der allgemeinen Öffentlichkeit herzustellen. Lee beschrieb die neue Vision des Unternehmens einmal als “begleiten”. Ob und wie Samsung seinen Unternehmenswert verbessert, hängt von Lees Fähigkeit ab, mit der Öffentlichkeit zu kommunizieren.

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