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Wirtschaft

Die Bank of Korea beschließt Zinsanhebung

#Thema der Woche l 2021-08-30

Wirtschaft Aktuell

ⓒ Getty Images Bank

Die Bank of Korea, kurz BOK, hat am 26. August ihren Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 0,75 Prozent angehoben. Es war das erste Mal seit November 2018, dass der geldpolitische Ausschuss der Zentralbank eine Zinserhöhung beschlossen hat. Der Schritt signalisiert den Ausstieg von einer “Ultraniedrigzins-Politik”, die die Bank als Antwort auf die Coronavirus-Pandemie verfolgte, um die Wirtschaft zu unterstützen. Korea ist damit die erste größere asiatische Volkswirtschaft, die die Zinsen erhöht. Dazu sagt der Direktor des Global Economic Research Institute, Kim Dae-ho:


Eine der Gründe für die Zinsanhebung ist der wachsende Inflationsdruck. Die Verbraucherpreise stiegen im Juli im Vergleich zum Vorjahr um 2,6 Prozent und überstiegen damit das Inflationsziel der Regierung von 2 Prozent. Auch bewog der Niedrigzinstrend zahlreiche Koreaner dazu, Darlehen aufzunehmen, um in Immobilien und Aktien zu investieren, was die Besorgnis wegen einer Vermögensblase und steigender Haushaltsschulden befeuerte. Um gegen die steigende Inflation anzugehen, die Vermögenspreise zu stabilisieren und die wachsenden Haushaltsschulden einzudämmen, beschloss die BOK, den Leitzins zu erhöhen, obwohl der Schritt eine Last für kleine Unternehmen bedeuten kann.


Die Schulden privater Haushalte in Korea erreichte im zweiten Quartal das Rekordhoch von 1,805 Trillionen Won, was etwa 1,6 Billionen Dollar sind. Im Vergleich zum vorigen Jahr erhöhten sich die Darlehen der Haushalte um fast 170 Billionen Won. Während die Finanzbehörden beschlossen, die Gesamtschulden zu kontrollieren, begannen einige Banken darmit, keine Hypothekenkredite mehr auszugeben. Ein weiterer Faktor für den Zinsanstieg war die Zuversicht in die koreanische Wirtschaft, die auf dem Rücken steigender Exporte voraussichtlich in diesem Jahr um mehr als 4 Prozent zulegen wird. Die BOK geht davon aus, dass die Wirtschaft sich weiter erholt und sich damit die Schockwirkungen von der Zinswende abfedern lassen. Es gab auch externe Faktoren dafür:


Die Mitschrift vom Treffen des Offenmarktausschusses der US-Notenbank zeigt, dass die Fed schon bald ihre Geldexpansion reduzieren wird. Auch erlebten die USA einen Anstieg der Wohnungspreise, der Inflation und der Haushaltsschulden. Vor diesem Hintergrund deutete die Fed an, das Tempo der Vermögenskäufe zu drosseln. Der Dollar zog im vergangenen Monat an, was den Wechselkurs vom koreanischen Won zum Dollar steigen ließ. Korea hob die Zinsen vor den USA offensichtlich in der Absicht an, die Wechselkursschwankungen durch die reduzierte Geldexpansion der Fed gering zu halten. Wenn die USA ihren Leitzins erhöhen, werden Gelder aus der ganzen Welt in die USA fließen. Da Korea den Leitzins bereits anhob, könnte einiges davon nach Korea gelangen.


Durch den Zinsanstieg werden die Kreditnehmer eine höhere Last bei der Schuldenrückzahlung auf sich nehmen müssen. Die Kreditzinsraten der Banken sind bereits spürbar gestiegen. Die Situation ist besorgniserregend, wenn berücksichtigt wird, dass 73 Prozent der Kredite der Haushalte variable und keine festen Zinsen haben. Das heißt, die verschuldeten Haushalte sind bei steigenden Zinsen anfällig:


Koreas Schulden, die Haushalts-, Unternehmens- und Staatsschulden eingeschlossen, betragen 5000 Billionen Won, oder etwa 4,3 Billionen Dollar. In dieser Situation führt eine Zinsanhebung um 25 Basispunkte zu großen Gewinnen durch die Schuldenzinsrückzahlung. Doch für zahlreiche Sebstständige ist es bereits schwierig, ihre Kredite zurückzuzahlen und wegen der harten Kontaktbeschränkungen Mieten zu zahlen. Für Exportunternehmen führen steigende Zinsen zu einem Verlust ihrer Preiswettbewerbsfähigkeit.


Einige Analysten gehen nicht davon aus, dass der Zinsanstieg die steigenden Haushaltschulden und Immobilienpreise eindämmen wird. Der Grund dafür ist, dass viele Haushalte noch Kredite benötigen, während weiter ein Anstieg der Vermögenspreise erwartet wird. Doch könnten weitere Zinserhöhungen folgen:


Der BOK-Governeur Lee Ju-yeol deutete die Möglichkeit weiterer Zinserhöhungen an. Er denkt wahrscheinlich, dass das Vor-Pandemie-Niveau von 1,25 Prozent der normale Zinssatz ist. Doch sagte Lee, dass die Zentralbank den Zeitpunkt und das Ausmaß einer Zinsanpassung unter Berücksichtigung einiger Faktoren wie etwa die Entwicklung bei der Impfkampagne prüfen will. Ein weiterer wichtiger Faktor sind Veränderungen der US-Geldpolitik.


Doch sowohl Korea wie auch die USA bewegen sich in Richtung einer geldpolitischen Zügelung. Nach dem Ende der globalen Finanzkrise im Jahr 2010 erhöhte die BOK den Leitzins innerhalb eines Jahres fünf Mal. Die Regierung und die Finanzbehörden müssen nun Maßnahmen ausarbeiten, um eine weiche Landung des Markts in Zeiten höherer Zinsen zu erreichen:  


Die meisten Ökonomen sind sich einig, dass höhere Zinsen im Licht makroökonomischer Bedingungen und der globalen wirtschaftlichen Situation unvermeidlich sind. Doch selbst wenn sich die koreanische Wirtschaft verbessert, wurden einige Unternehmen bereits durch die Pandemie in Mitleidenschaft gezogen. Abgesehen von Zinsanhebungen müssen die Finanzbehörden angemessene Maßnahmen ergreifen, um mit den Problemen bestimmter Gruppen, wie etwa durch einen Aufschub der Kreditrückzahlung, umzugehen. Auch ist es wichtig, die Zinsen schrittweise zu erhöhen, so dass sich der Markt darauf einstellen kann. Eine neue Politik könnte zum Beispiel vielen anfälligen Gruppen ermöglichen, von Krediten mit variablen Zinsen zu festen Zinsen zu wechseln.

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