Zum Menü Zum Inhalt

Kultur

Lieder aus dem Südwesten Koreas

#Musik verbindet l 2019-06-19

Musik verbindet


Der koreanische Schriftsteller Yi Gwang-su이광수, bekannt für seinen Roman „Herzlos“ und den Roman „Erde“, gehörte während der koreanischen Kolonialzeit unter der Herrschaft Japans Anfang des 20. Jahrhunderts der projapanischen Gruppe an und wurde dafür stark kritisiert. Da er allerdings eine wichtige Rolle in der Herausbildung der modernen koreanischen Literatur spielte, konnte man ihn nicht einfach als Verräter abstempeln und das Tuch des Vergessens über ihn ausbreiten. Dieser umstrittene Schriftsteller trug nun nicht immer den Namen Gwang-su. Sein ursprünglicher Name lautete Yi Bo-gyeong이보경. Doch er änderte ihn später zu Gwang-su in Anlehnung an Shin Gwang-su, einen Gelehrten und Dichter aus der späten Joseon-Zeit, den Yi sehr bewunderte. 


Shin Gwang-su hatte das Gedicht „Gwansanyungma“ 관산융마 für die staatliche Beamtenprüfung geschrieben und damit den zweiten Platz in der Prüfung gewonnen. Sein Gedicht wurde am Ende bekannter als das erstplatzierte Werk und ist uns heute auch nach Hunderten von Jahren als Liedform erhalten geblieben. Das Lied „Gwansanyungma“ hat seine langanhaltende Popularität seiner bewegenden Melodie und dem Liedtext zu verdanken. Das Lied wurde hauptsächlich von den Gisaeng bzw. den Unterhaltungskünstlerinnen in Pjöngjang gesungen. Einer alten Quelle zufolge soll Shin Gwang-su einmal Pjöngjang besucht haben und dort von der Gisaeng Moran und ihrer Wiedergabe von „Gwansanyungma“ 관산융마 bezaubert gewesen sein. Zu ihrer Darbietung hinterließ Shin folgende Aufzeichnung:


Als ich Moran besuchte, stiegen wir zu einem schönen Pavillon am Fluss Daedonggang hinauf und genossen eine malerische Bootsfahrt. Wir verbrachten unsere Zeit im Lampenschein oder unter dem Mond. Und immer wenn Moran mein Gedicht „Gwansanyungma“ sang, ließ ihre Stimme die vorbeiziehenden Wolken anhalten.


Als Shin der Gisaeng Moran begegnete, war er noch immer in großer Trauer um den Verlust seiner Frau. Wie dankbar und angenehm überrascht er gewesen sein musste, sein Gedicht von einer talentierten Künstlerin gekonnt vorgetragen zu hören. Seitdem wurde „Gwansanyungma“ 관산융마 in den verschiedenen Regionen des Landes gesungen, und die Liedversion aus der westlichen Region, insbesondere aus Pjöngjang, ist bis heute erhalten geblieben. 


Ein weiteres Lied aus dem Westen ist das „Chohanga”초한가. Es handelt von den Kämpfen zwischen Xiang Yu und Liu Bang während der Zeit der Streitenden Reiche in China. Liu Bang schlug am Ende Xiang Yu und gründete die Han-Dynastie, die einen großen Einfluss auf die chinesische Kultur haben sollte. Die Kriege zwischen Chu und Han wurden so berühmt, dass sie auch im chinesischen Schachspiel Einzug fanden und bis heute nicht vergessen sind. Die Kämpfe dienten zudem als Inspiration für eine Peking-Oper, die in dem bekannten chinesischen Film „Lebewohl, meine Konkubine“ zu sehen ist. 


Der Ausdruck „sa-myeon-cho-ga”사면초가 bedeutet wörtlich: „Chu-Lieder auf allen vier Seiten”. Diese Redewendung hat ihren Ursprung in Liu Bangs Angriff auf die Truppen von Xiang Yu. Liu Bangs Armee hatte die gegnerischen Truppen aus Chu umzingelt. Dann gab Liu seinen Soldaten die Anweisung, Chu-Lieder zu singen. Als Xiang Yus Männer die Lieder aus ihrer Heimat hörten, überkam sie große Heimweh und am Ende verloren sie alle Kampfeslust. Auf diese Weise können Lieder das Geschick eines ganzen Landes und den Lauf der Geschichte ändern. 


Aus den Westprovinzen stammt auch das Lied „Baebaengi-gut” 배뱅이굿. Es handelt von der einzigen Tochter eines wohlhabenden Mannes in Pjöngjang. Das Mädchen stirbt im jungen Alter und der verzweifelte Vater ruft alle bekannten Schamaninnen des Landes herbei, um den Geist seiner Tochter heraufzubeschwören. Ein Betrüger hört davon und stellt sich den Eltern als großer Schamanenpriester vor, um ihnen das Geld, das als Mitgift für die Tochter gedacht war, aus der Tasche zu ziehen. Das Lied soll als Warnung dienen für alle, die sich in ihrer Verzweiflung dem Aberglauben zuwenden und am Ende alles verlieren. 


Musik

  1. „Gwansanyungma“, gesungen von Kim Kwang-suk 관산융마 / 소리 김광숙
  2. „Chohanga“, gesungen von Oh Bok-nyeo 초한가 / 소리 오복녀
  3. Passage aus „Baebaengi-gut”, gesungen von Lee Eun-gwan 배뱅이굿 중에서 / 소리 이은관

Die Redaktion empfiehlt