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Kultur

Jo Hyeon: „Wie man gutgelaunt Marsfische fängt“ (Teil 1)

#Literatur zum Hören l 2022-03-29

Literatur zum Hören

ⓒ Getty Images Bank

Köder. Da galt bei mir prinzipiell: Keine künstlichen Köder verwenden. Deshalb betrieb ich kein Köderfischen mit künstlichen Objekten. Ich war immer der Überzeugung gewesen, dass ich zumindest einen ehrlichen Köder verwenden muss, wenn die Fische und ich in der Tiefe des Meeres ein Kräftemessen austragen.

Für den Fisch, der von einem Köder getäuscht wurde, wäre die ganze Sache schließlich noch grausamer, wenn er herausfinden würde, dass der Köder kein lebender ist, sondern ein Stück Plastik oder Holz oder Blei.

Als ich auf das nächtliche Meer blickte, erinnerte ich mich an jemanden, der vor langer Zeit einmal einen falschen Köder benutzt hatte.



Das Problem war, dass ich ihr bereits hoffnungslos verfallen war. Angeltechnisch gesehen hatte ich den Haken zu tief geschluckt, um ihn wieder auszuspucken und aufs weite Meer zu entkommen.

Was die Sache für mich noch erbärmlicher machte, war, dass der Köder, den ich geschluckt hatte, kein lebender Regenwurm oder eine frische Garnele war, sondern ein bloßer Plastikköder.


„Ich habe einen Freund, der auf dieser Insel seine Schwester verloren hat. Vielleicht können Sie sich nochg daran erinnern, wie damals Kaufhaus Sampoong einstürzte. Es war im selben Jahr.. Ein gewaltiger Taifun hatte die Gegend getroffen, aber zu diesem Zeitpunkt ging seine Schwester mit zwei ihrer männlichen Freunde zum Nachtfischen. Sie starben im Meer. Sie rutschte aus und fiel zuerst ins Meer, und dann sprang einer der Jungen hinter ihr her. 

Das Merkwürdige an dem Vorfall war, dass sich die drei in einer Art Dreiecksbeziehung befanden. Die Polizei untersuchte den Fall sehr genau, da die Umstände ziemlich verdächtig waren. Sie waren zu dritt ans Meer gekommen, aber zwei starben und nur einer kam lebend heraus. Aber die Sache wurde schließlich als Unfall eingestuft. Mein Freund hat früher viel gefischt, aber seit diesem Unfall ist er nie wieder zum Fischen gegangen.“


Der Regensturm wurde stärker und die unteren Felsen waren nicht mehr zu sehen. So wie die Menschen unterschiedliche Leben führten, sahen die Felsen alle unterschiedlich aus. Sie zeigten manchmal ihre nackten Gesichter und verstecken sich dann sogleich wieder unter den Wellen. Nur sie kennen die wahre Geschichte.




Jo Hyeon (*1969): „Wie man gutgelaunt Marsfische fängt“ (Teil 1)

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