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Geschichte

Korea im Fokus des weltweiten Tourismus

2015-12-08

Korea im Fokus des weltweiten Tourismus
Myeongdong, im Herzen der Innenstadt von Seoul. Die einen Kilometer lange Hauptstraße von Myeongdong ist ein Shopping- und Modezentrum und einer der beliebtesten Anlaufpunkte für ausländische Touristen. In einer Hand einen Touristenführer, in der anderen ein Smartphone flanieren die Touristen hier entlang, um einzukaufen, etwas am koreanischen Straßenimbiss zu probieren und einfach Spaß zu haben.

Frau 1 (Japanisch): Ich möchte Orte besuchen, die ich noch nicht gesehen habe, also zum Beispiel historische Stätten. Man kann so viel günstiges, leckeres Essen probieren, ich finde das gut, aber das Beste ist, dass ich überall mit Koreanern sprechen kann.

Frau 2 (Chinesisch): Ich komme aus Taiwan. Koreanisches Essen ist so lecker und die Mode so abwechslungsreich.

Frau 3 (Chinesisch): Ich komme aus Peking und Ich mag Jang Dong-gun und So Ji-seop. Ich mag auch Jeon Ji-hyeon aus dem Drama.

Frau 4 (Chinesisch): Wir sind zum Shopping und zu Besichtigungen gekommen. Das Essen ist lecker und die Koreaner sind nett.


Die Zahl der ausländischen Touristen in Korea überschritt im Jahr 2014 die Marke von 14 Millionen. Damit gehört Korea zu den weltweit beliebtesten Reisezielen. Am 21. November 2012 begrüßte Korea zum ersten Mal in der Geschichte seinen zehnmillionsten Besucher in einem Jahr. Das Ministerium für Kultur, Sport und Tourismus und die koreanische Tourismusorganisation feierten diesen historischen Moment mit großem Aufwand auf dem internationalen Flughafen in Incheon. Dieser Anlass zeigte auch, dass Korea das Potenzial hat, eins der beliebtesten Tourismusländer der Welt zu werden.

In den 1950er Jahren lag der Großteil der industriellen Infrastruktur Koreas als Folge des Koreakriegs in Ruinen. Bei ihrer verzweifelten Suche nach ausländischem Geld zur Finanzierung der zahlreichen Wirtschaftsprojekte wandte sich die koreanische Regierung an den Tourismus und stellte das Jahr 1961 unter das Motto: „Besuchen Sie Korea“, um ausländische Touristen anzulocken. In jenem Jahr besuchten rund 10.000 Ausländer Korea, und seitdem stieg die Zahl der ausländischen Besucher stetig an. Dr. Kwon Tae-il vom koreanischen Institut für Kultur und Tourismus (KCTI) erzählt uns mehr über das Wachstum der koreanischen Tourismusbranche.

Laut einer statistischen Erhebung aus dem Jahr 1962 hatten in jenem Jahr rund 15.000 Ausländer Korea besucht. Zehn Jahre später, 1972, war diese Zahl um das 24-Fache auf etwa 376.000 angestiegen. Die meisten Ausländer, die von den späten 1960er bis Anfang der 1970er Jahre nach Korea kamen, waren allerdings Japaner, die nach der Normalisierung der diplomatischen Beziehungen zwischen Korea und Japan ihr nächstgelegenes Nachbarland besuchen wollten.

In den 1970er Jahren machte die koreanische Regierung viele der majestätischen Gebirge des Landes zu regionalen und Nationalparks und gründete in Gyeongju, der alten Hauptstadt des Silla-Reiches, den Tourismuskomplex Bomun. Derartige Bemühungen zum Aufbau der Tourismus-Infrastruktur ließen die Zahl der ausländischen Reisenden im Jahr 1978 auf eine Million steigen.

Dann kamen 1988 die Olympischen Spiele nach Seoul. Dieses globale Sportereignis stellte auch für die koreanische Tourismusbranche einen Wendepunkt dar. Korea konnte am Ende mehr als zwei Millionen Ausländer als Gäste der Olympischen Spiele sowie als Besucher der vielen wunderbaren Sehenswürdigkeiten des Landes begrüßen. Der Tourismusforscher Dr. Kwon Tae-il vom KCTI erzählt uns mehr über diese Zeit.

Korea war damals als touristisches Ziel praktisch unbekannt, die Ausrichtung der Olympischen Sommerspiele 1988 war daher die beste Gelegenheit, Koreas Ansehen auf der Weltbühne immens zu steigern. Die Olympischen Spiele machten Korea zu einem attraktiven und neuartigen touristischen Reiseziel. Tatsächlich ist seit 1988 die Zahl der ausländischen Besucher in Korea auch stark angestiegen.

Die Finanzkrise in Korea im Jahr 1998 hatte den überraschenden Effekt, noch mehr ausländische Besucher anzulocken, denn die Abwertung der koreanischen Währung ließ die Attraktivität des Landes als erschwingliches Reiseziel noch weiter ansteigen, was durch die mehr als vier Millionen Ausländer in jenem Jahr bekräftigt wurde. Hier ist erneut Dr. Kwon Tae-il.

Die Finanzkrise von 1998 wertete den koreanischen Won ab, aber die abgewertete Währung machte Korea nur noch verlockender für Ausländer, da sie bei den billigen Preisen viel an Reisekosten einsparen konnten. Die Währungskrise war zweifellos ein schwerer Schlag für die koreanische Wirtschaft im Ganzen, aber sie erwies sich als Glück im Unglück für die koreanische Tourismusbranche, da mehr preisbewusste ausländische Touristen nach Korea kamen.

Dann kam Hallyu, die Welle der koreanischen Popkultur. Die Popularität koreanischer Musik und Fernsehserien im Ausland, vor allem in Südostasien, China und Japan, ließ die Zahl der ausländischen Touristen im Jahr 2000 auf mehr als fünf Millionen ansteigen. Diese neuen Korea-Begeisterten reisten zu den Drehorten koreanischer Serien und Filme und suchten Boutiquen und Restaurants auf, die auch von koreanischen Prominenten gern besucht wurden. Die Hallyu-Euphorie hat sicherlich dabei geholfen, den koreanischen Tourismussektor aufzubauen. Dank der anhaltenden Popularität von K-Pop-Stars und koreanischer Dramen besuchten im Jahr 2012 mehr als 10 Millionen und zwei Jahre später 14 Millionen Ausländer Korea. Dr. Kwon erklärt dazu:

Im 21. Jahrhundert setzte Korea die Welt in Erstaunen, als seine Mannschaft bis ins Halbfinale der Fußballweltmeisterschaft 2002 vordrang. Dank K-Pop konnte das Land die weltweite Aufmerksamkeit weiter auf sich ziehen, vor allem durch den Mega-Hit „Gangnam Style“ von Rapper Psy im Sommer 2012, was maßgeblich zur Bekanntheit der koreanischen Kultur in der Welt beigetragen hat. Zur gleichen Zeit haben Koreas digitale Spitzenprodukte weltweit Neugier auch bei denjenigen ausgelöst, die sich nicht für koreanische Musik oder Fernsehdramen begeistern. Dieses weltweite Interesse an Korea konnte sich, nicht zuletzt Dank hilfreicher Einrichtungen wie Visumfreiheit und Angebote von Billigfluggesellschaften, erfolgreich in der Tourismusbranche niederschlagen.

Die Ziele und Bedürfnisse der ausländischen Touristen in Korea änderten sich ebenfalls. Bis die 1990er Jahre kamen die meisten ausländischen Besucher in Korea aus Japan. Doch seit dem Jahr 2000 strömen immer mehr chinesische Touristen ins Land, da die chinesische Regierung die Reisebeschränkungen für chinesische Bürger nach Übersee erleichtert hat. Dementsprechend machten Chinesen im Jahr 2014 den größten Teil der ausländischen Touristen in Korea aus. Im Jahr 2000 lag die Zahl der Besucher aus China noch bei 440.000 Personen, 2014 waren es um 6,12 Millionen, mehr als ein Drittel aller ausländischen Reisenden in Korea. Der Tourismusforscher Dr. Kwon Tae-il erklärt:

Nach Angaben der koreanischen Einwanderungsbehörde kamen die meisten ausländischen Touristen im Jahr 2014 aus China, gefolgt von Japan, den USA, Taiwan und Hongkong. Auf chinesische Reisende entfielen rund 43 Prozent aller ausländischen Besucher, während Japaner um 16 Prozent ausmachten. Zusammen kamen aus diesen beiden Ländern also gut 60 Prozent aller ausländischen Besucher nach Korea.

Auch die Art zu reisen hat sich geändert. In der Vergangenheit kam die Mehrheit der Besucher in einer organisierten Reisegruppe. Die Teilnehmer folgten einem Reiseleiter zu kulturellen und historischen Stätten wie alten Palästen oder den speziell für Touristen errichteten „Folk Villages“. Doch im 21. Jahrhundert bevorzugten viele, sich freier zu bewegen, selbstständig zu malerischen, weniger bekannten Zielen zu reisen und Korea auf eine persönlichere Weise kennenzulernen. Noch einmal Dr. Kwon:

Früher kamen die meisten Touristen in Reisegruppen. Aber die Touristen kommen heutzutage aus immer mehr Ländern und werden immer jünger und erfahrener. Sie können sich immer besser Reiseinformationen aus online-Foren und über Blogs selbst besorgen und reisen dann einzeln und auf eigene Faust. Der jüngste Anstieg der Anzahl freier, unabhängiger Touristen (free independent tourists, FIT) zeigt an, dass mehr und mehr Besucher ihre eigenen Reiseziele individuell zusammenstellen, wie z.B. berühmte lokale Restaurants oder skurrilen Gassen. Ihre Interessen und Bedürfnisse sind vielfältiger geworden, und folglich haben sich Art und Weise der Reise ebenfalls verändert.

Die Ausländer wollen eine Seite Koreas erleben, die völlig verschieden von ihren eigenen Erfahrungen ist. Dem Bericht des koreanischen Instituts für Kultur und Tourismus von 2014 über ausländische Touristen zufolge gaben mehr als 72 Prozent der Ausländer Shopping als Grund ihrer Reise nach Korea an. Die gefragtesten Produkte der ausländischen Besucher in Korea sind Kosmetik, Parfüm und Kleidung. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die Straßen von Myeondong, die meistbesuchte Gegend für ausländische Touristen, mit Kosmetikgeschäften und freien „Schönheitskursen“ oder Make-up-Demonstrationen, die dort von Kosmetik-Unternehmen angeboten werden, quasi überschüttet wurden. Ein chinesischer Tourist berichtet:

Ich wollte wissen, wie die Hallyu-Stars ihr Make-up auftragen, aber niemand in China konnte mir das zeigen. Ich bin froh, dass ich das Hallyu-Make-up in Korea lernen konnte. Es sieht einfach natürlich und so gut aus. Ich mag auch die koreanischen Kosmetikprodukte.

Die koreanische Küche (Hansik) ist ein weiterer Grund, warum Ausländer nach Korea kommen. Laut Ministerium für Kultur, Sport und Tourismus zählen zu den bei Ausländern beliebten koreanischen Gerichten die Reis-Gemüse-Mischung Bibimbap, das marinierte Rindfleisch Bulgogi, der am Tisch gegrillte Schweinebauch Samgyeopsal und Jeon, ein Eierpfannkuchen mit verschiedenen Zutaten. Eines der beliebtesten Touristenprogramme dieser Tage ist das Selberkochen koreanischer Gerichte, bei dem Ausländer unter Anleitung lernen, mit den eigenen Händen koreanisch zu kochen.

Hallyu begann mit der populären Kultur, doch es umfasst inzwischen auch die koreanische Küche, traditionelle Kunst und Kultur und bietet den Ausländern ein größeres Angebot an einzigartigen Erfahrungen. Die neuen Tourismustrends hatten Auswirkungen auf die Landschaft des koreanischen Tourismus. Das Gebiet rund um die Hongik-Universität in Seoul, genannt Hongdae, zählt inzwischen ebenso zum Pflichtprogramm erlebnishungriger Seoul-Besucher wie das trendige Apgujeong und die Straße Garosu-gil in Sinsa-dong. Das angesagte Künstlerviertel Hongdae ist immer voller Touristen, die die koreanische Untergrundkultur erleben und die leckersten Imbissstände ausprobieren wollen.

Frau (Chinesisch): Meine Freunde sagten mir, dass es hier so viele Clubs, Cafés und Boutiquen gibt. Es ist so schillernd, dass es sich wie in Myeongdong anfühlt, aber die Gegend hier ist jünger. Ich wollte Jjamppong probieren, weil ich es in einem koreanischen Drama gesehen hatte. Es schmeckte anders, als ich dachte, aber es war sehr gut.

Frau 2 (Englisch): Hongdae hat ein aufregendes Nachtleben. Es gibt so viele junge Leute und ich sehe hier Dinge, die es sonst nirgends gibt. Die Live-Vorführungen und die Imbissstände machen die Nächte in Korea zu etwas ganz Besonderem.


Der Tourismus in Korea war früher auf die Besichtigung natürlicher Landschaften und alter Kulturdenkmäler ausgerichtet. Doch heutzutage verführt Korea ausländische Touristen mit leckerem Essen und trendigen Stilarten und rangiert bei den Wünschen der Globetrotter weltweit nach ihren Reisezielen längst ganz oben.

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