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Geschichte

Südkoreas multikulturelle Gesellschaft

2015-12-15

Südkoreas multikulturelle Gesellschaft
Der Regenbogenchor ist der erste Chor in Korea, der nur aus Kindern aus multikulturellen Familien besteht. Diese entzückenden Kinder singen zusammen wunderschöne Melodien und tragen Kostüme ihres jeweiligen Herkunftslandes. Ihre Eltern kommen aus China, Japan, Russland, Vietnam und aus weiteren Ländern. Der Regenbogenchor wurde 2009 gegründet, um das Selbstvertrauen und die Zuversicht der musikalisch begabten Kinder aus multikulturellen Familien zu stärken.

Nach Angaben des Innenministeriums waren im Januar 2015 über 1,74 Millionen Ausländer mit Wohnsitz in Korea gemeldet. Wenn man die ausländischen Ehepartner der koreanischen Staatsangehörigen dazu rechnet, erhöht sich die Zahl auf über zwei Millionen. Korea hat sich bereits zu einer echten multikulturellen Gesellschaft entwickelt, in der die Menschen aus verschiedenen Ländern sich und ihre Kulturen gegenseitig respektieren und miteinander Freundschaften schließen. Die Zahl der ausländischen Arbeitnehmer, im Ausland geborenen Ehepartner und Kinder aus multikulturellen Familien ist in den letzten Jahren stark angestiegen. Gab es 2006 erst rund 537.000 Ausländer in Korea, waren es 2014 bereits mehr als 1,56 Millionen.

Allein im letzten Jahr erhöhte sich die Zahl um 170.000 Personen; damit machten die Ausländer im Januar 2015 3,4 Prozent der koreanischen Bevölkerung aus. In insgesamt zwölf „multikulturellen Zonen“ stellen Ausländer mehr als 5 Prozent der lokalen Bevölkerung. In sieben dieser zwölf Zonen ist jeder Zehnte im Ausland geboren, so etwa in Yeongdeungpo-gu, Geumcheon-gu und Guro-gu in Seoul sowie in den Städten Ansan und Siheung in der Provinz Gyeonggi. Die meisten von ihnen arbeiten in kleinen Unternehmen und Sweatshops. Korea ist traditionell ein homogenes Land ohne Erfahrung bei der Integration kulturell oder ethnisch fremder Bevölkerungsgruppen. In seiner Isolation wurde es lange Zeit das „verschlossene Königreich“ genannt. Erst seit den 1990er Jahren akzeptieren die Koreaner Ausländer allmählich als Teil ihrer Gesellschaft. Der Kolumnist Choi Young-il erklärt uns die Änderungen in der demografischen Zusammensetzung.

Die Ausländer kamen erst in den 1990er Jahren in größerer Zahl nach Korea, meist als Arbeitsmigranten oder Ehepartner von Koreanern. Es gab einen Bedarf an Arbeitskräften für schmutzige, schwierige und gefährliche Jobs. Obwohl die Arbeitslosigkeit unter jungen Leuten rasch anstieg, waren immer weniger junge Koreaner bereit, schlecht bezahlte und körperlich anspruchsvolle Arbeit zu übernehmen. Irgend jemand musste es aber machen. Korea öffnete seinen Arbeitsmarkt teilweise für Menschen aus Entwicklungsländern, die dazu bereit waren, und so kamen immer mehr Arbeitsmigranten ins Land. Außerdem gehen Männer aus ländlichen Gebieten, die dort kaum noch Ehepartnerinnen finden können, seit etwa 20 Jahren zur Brautschau ins Ausland.

In den 1990er Jahren wurde der Arbeitskräftemangel in kleinen Fabrikationsbetrieben zu einem ernsthaften gesellschaftlichen Problem. Die koreanischen Arbeiter wurden damals immer anspruchsvoller und vermieden die arbeitsintensiven Jobs in Schuh- und Textilfabriken. Diese wachsenden Personalengpässe führten die Branche in eine Krise. Als Maßnahme gegen den Arbeitskräftemangel führte die koreanische Regierung 1993 ein Ausbildungssystem in der Industrie ein und holte im darauf folgenden Jahr ausländische Arbeitskräfte ins Land.

Seit der Einführung des Ausbildungsprogramms war die Zahl der ausländischen Arbeiter bis 2003 auf über 350.000 gestiegen. Da diese Ausländer aber nicht offiziell als Arbeitnehmer, sondern als Auszubildende gemeldet waren, wurden sie immer wieder zum Opfer von Anfeindungen, körperlicher Ausbeutung und der Nichtauszahlung von Löhnen. Einige verließen auch das Ausbildungsprogramm und tauchten als illegale Ausländer in Korea unter, woraufhin die Kritiker des Ausbildungssystems die Einstellung des Programms forderten. Im August 2008 erlaubte die koreanische Regierung den krisengeschüttelten koreanischen Unternehmen schließlich die legale Anstellung von Ausländern als reguläre Arbeitnehmer. Mit der Umsetzung dieses gesetzlichen Beschäftigungssystems für Ausländer öffnete Korea seinen Arbeitsmarkt für Arbeitssuchende aus 15 Ländern, darunter die Philippinen, China, Bangladesch und Nepal. Seitdem ist die Zahl der ausländischen Arbeiter in Korea auf der Suche nach dem koreanischen Traum stark gestiegen. Der Kolumnist Choi Young-il erklärt uns mehr.

Korea ist nach der Industrialisierung in den 1970er Jahren zu einer der zehn führenden Volkswirtschaften der Welt geworden. Das bedeutet, dass es viele andere Länder mit einem schlechteren Lebensstandard als Korea gibt. Aus der Perspektive dieser Länder ist Korea ein wohlhabendes, dynamisches und wundervolles Land mit guten Möglichkeiten, viel Geld in den verschiedensten Jobs zu verdienen. Es ist klar, dass Korea für diese Menschen ein Traumland ist. So überlegten sich immer mehr Ausländer, in Korea zu arbeiten.

Laut Innenministerium arbeiteten 2015 fast 610.000 Ausländer in Korea. Diese Zahl zeigt, dass Ausländer zu einem unverzichtbaren Teil der industriellen Arbeitnehmerschaft in Korea geworden sind. Im Ausland geborene Frauen, die nach ihrer Heirat mit koreanischen Männern nach Korea kamen, stellen seit den 1990er Jahren einen großen Anteil der Ausländer in Korea.

Aus Russland: Hallo, mein Name ist Anna Vitenko. Ich stamme aus Chabarowsk und bin vor zehn Jahre nach Korea gekommen. Ich habe meinen Mann beim Training in einem Fitnessstudio getroffen.

Aus Indonesien: Ich bin Kim Su-hyun aus Indonesien, ich lebe seit elf Jahren in Korea. Ich habe meinen Mann geheiratet, als ich anderthalb Jahre in einem koreanischen Unternehmen gearbeitet habe.

Aus Vietnam: Mein Name ist Phuc Ngoc. Es ist bereits 20 Jahre her, dass ich meinen koreanischen Mann geheiratet habe und mit ihm nach Korea kam.


Der wichtigste Faktor für Multikulturalität in Korea waren die internationalen Eheschließungen von Männern in ländlichen Gebieten. Die schnelle Industrialisierung in den 1990er Jahren veränderte das Geschlechterverhältnis in den ländlichen Gegenden derart, dass koreanische Männer sich ausländische Frauen für die Ehe suchen mussten. Im Jahr 1990 waren nur 1,2 Prozent aller Ehen in Korea internationale Ehen, doch dieser Anteil erreichte bis zum Jahr 2010 zehn Prozent. Herr Choi Young-il erklärt uns mehr über das Phänomen.

Die meisten eingewanderten Frauen sind Chinesinnen, etwa bei 20 Prozent aller multikulturellen Familien. Diese Zahl beinhaltet nicht die ethnischen Koreanerinnen unter den Chinesinnen. Diese stellen 14 Prozent der ausländischen Ehepartner in Korea. Da diese ethnischen Koreanerinnen die chinesische Staatsangehörigkeit haben, haben Chinesinnen einen Anteil von insgesamt rund 34 Prozent, gefolgt von Vietnamesinnen mit etwa 16 Prozent. Andere ausländische Ehepartner kommen aus den Philippinen, aus Ost- und Westeuropa, aus dem arabischen Raum, aus der Mongolei, der Ukraine und aus vielen anderen Ländern. Korea ist ein kleines Land, aber hier leben Menschen aus praktisch jeder Ecke der Welt.

Es gibt bisher rund 300.000 ausländische Ehepartner, die nach Korea einwanderten. Die Regierung und Bürgergruppen bieten verschiedene Bildungs- und Förderprogramme an, um ihnen zu helfen, sich in ihrer Wahlheimat erfolgreich zu integrieren. In jeder lokalen Regierungsbehörde befindet sich ein multikulturelles Zentrum, wo ausländische Ehepartner unter anderem die koreanische Sprache lernen, sich auf eine Beschäftigung vorbereiten und ärztliche Untersuchungen erhalten können. Vor kurzem eröffnete sogar eine Art Freizeitpark für multikulturelle Familien.

Frau 1: Es ist wirklich schön und es gibt genau solche Häuser wie auf den Philippinen. Ich möchte später mit meiner Familie wiederkommen.

Frau 2: Ich konnte nicht so oft meine Heimat besuchen. Wenn ich dieses Haus sehe, erinnere ich mich an meine Heimatstadt.


Anna Vitenko aus Russland sagt, dass eine solche Politik und soziale Maßnahmen es den im Ausland geborenen Ehepartnern viel einfacher machen, in Korea zu leben.

Ich hatte in den zehn Jahren meiner Ehe eine Menge Hilfe. Es gibt viele Zentren für multikulturelle Familien. Die Mitglieder dort verteilen im Winter Kimchi und zu Chuseok und zum Neujahr kleine Geschenke. Es gibt auch Kurse für Kinder und am Wochenende Camping-Reisen für multikulturelle Familien. Ich sage meinem Mann immer wieder, dass Korea ein wunderbares Land ist. Sie helfen mir sehr dabei, dass ich mich nicht einsam fühle, auch, wenn meine Familie nicht zuhause ist. Es ist viel leichter für multikulturelle Familien geworden, in Korea zu leben, und ich werde hier bis an mein Lebensende bleiben.

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