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Hintergrund

Streit über Familienbegriff und -formen in Südkorea

#Themen der Woche l 2021-08-21

Nachrichten

ⓒGetty Images Bank

Die Diskussionen über eine Revision des Rahmengesetzes für gesunde Familien, die eine Erweiterung der Definition von Familie vorsieht, sind wegen des Widerstands einiger Gesellschaftsgruppen festgefahren. 


Der parlamentarische Ausschuss für Geschlechtergleichstellung und Familie hatte vor, am Mittwochvormittag sein Unterkomitee zur Prüfung von Gesetzentwürfen einzuberufen, um über die Revision zu diskutieren. Die Sitzung kam jedoch nicht zustande. Die für Donnerstag vorgesehene Plenarsitzung des Ausschusses wurde ebenfalls abgesagt.


Die Änderung wurde von den Parlamentarierinnen der regierenden Minjoo-Partei Koreas Jung Choun-sook und Nam In-soon stellvertretend in die Wege geleitet. Die führende Oppositionspartei Macht des Volkes und religiöse Kreise leisteten heftigen Widerstand mit dem Argument, die Gesetzesänderung werde die Grundordnung der koreanischen Gesellschaft aushöhlen.


Einem Mitglied des parlamentarischen Familienausschusses nach seien zahlreiche Proteste per Telefonanruf und SMS eingegangen, sodass die Sitzung abgesagt werden musste.

Das Rahmengesetz für gesunde Familie wurde 2004 erlassen mit dem Ziel, die Politik der Familienunterstützung zu verbessern und gesunde Familien zu fördern. Es wurde jedoch wiederholt die Kritik vorgebracht, dass damit der Staat die Familienform auf Eheschließung, Blutsverwandtschaft und Adoption begründete Beziehungen beschränke und damit die Entstehung von vielfältigen Familienformen behindere.


Diese Vorwände wurden berücksichtigt und Bestimmungen herausgenommen, in denen die Familie als eine Grundeinheit der Gesellschaft definiert ist, die auf Eheschließung, Blutsverwandtschaft und Adoption beruht. Zudem verbietet die Revision Diskriminierungen aufgrund von Familienformen.

Die Gegner argumentieren, im Falle einer Verabschiedung der Revision würden nichteheliche Lebensgemeinschaften häufiger werden und letztlich auch gleichgeschlechtliche Ehen gesetzlich anerkannt. Eine am 27. Juli auf der Petitionsseite der Nationalversammlung eingereichte Petition gegen die Gesetzesänderung fand bis Montag 100.000 Unterstützer.


Die Initiatoren der Revision erklären, dass die Verabschiedung des Entwurfs nicht die Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe bedeute.


Angesichts des Wandels der Familienentwicklung scheint eine neue Definition von Familie notwendig. Die dominierende Familienform mit Ehepaar und zwei Kindern wurde abgelöst durch Familien mit zwei Personen und Alleinlebenden. Auch das Bewusstsein der Koreaner über sexuelle Minderheiten hat sich geändert.

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