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Lifestyle

Analphabetismus und Funktionaler Analphabetismus in Korea

#Sie fragen, wir antworten l 2014-09-13

Hörerecke

Q:Am 9. Oktober, dem Hangeul-nal, wird in Südkorea dem koreanischen Alphabet Hangeul gedacht. In Deutschland können maximal 4,4% der Bevölkerung Wörter, aber keine Sätze lesen. Weitere zehn Prozent der Bevölkerung können zwar mit kurzen Sätzen umgehen, scheitern aber an Texten und vermeiden diese daher. In diesem Falle spricht man von "Funktionalem Analphabetismus". Gibt es solche Probleme auch in Südkorea? Sind da Prozentzahlen bekannt?

A:Zunächst einige generelle Zahlen: Nach Angaben einer von der Nationalen Akademie für Koreanisch gemachten, 2009 veröffentlichten Untersuchung soll die Analphabetenrate in Korea bei 1,67% liegen. Andere Quellen sprechen von knapp 2%. In Korea erfasst man jedoch in der Regel nicht den Teil der Bevölkerung über 15, der nicht lesen und schreiben kann, also die Analphabeten, sondern die Statistik gibt die Alphabetisierungsrate wieder. Nach der aktuellen Statistik des World Fact Book können danach 97,9% der koreanischen Bevölkerung über 15 lesen und schreiben. Bei Männern liegt der Anteil bei 99,2%, bei Frauen bei 96,6%. Diese Geschlechterdiskrepanz hat zum Teil einfach damit zu tun, dass immer noch alte Frauen leben, die in Zeiten aufgewachsen sind, als man v.a. auf dem Land die Mädchen nicht in die Schule schickte, weil man Bildung für Frauen entweder nicht für notwendig hielt, oder aber, weil das Geld nur für die Söhne reichte, nicht aber für die Töchter.

Die im internationalen Vergleich hohe Alphabetisierungsrate in Korea hängt mit der fast 100%igen Einschulungsrate in Korea zusammen. Die meisten koreanischen Kinder lernen Lesen und Schreiben bereits im Kindergarten. Schon für Dreijährige gibt es spezielle Frühlernprogramme im Lesen und Schreiben. Nicht zuletzt liegt ein Grund für die hohe Lese- und Rechtschreibfähigkeit der Koreaner im koreanischen Alphabet Hangeul selbst. Mitte der 1990er Jahre wurden an der Fakultät für Linguistik, Philologie und Phonetik der Universität Oxford 30 Schriftsysteme anhand der Kriterien Rationalität, Wissenschaftlichkeit und Origialität geprüft. Hangeul kam auf Platz 1. Es gilt als besonders logisch, leicht einprägsam und leicht zu lernen, was sich eben auch in der hohen Alphabetisierungsrate des Landes niederschlägt. Und auch darin, dass 2009 ein kleiner indonesischer Stamm, der keine eigene Schriftsprache besaß, Hangeul zu seiner Schriftsprache gemacht hat.

Insgesamt gesehen ist Analphabetismus heutzutage in Korea kein großes und auch kein so intensiv erforschtes Thema wie etwa in Deutschland. Das wiederum mag auch damit zusammenhängen, dass die koreanische Gesellschaft noch sehr homogen ist, während sich die Prozentzahlen in Deutschland zum Teil wohl auch dadurch erklären lassen, dass deutsche Staatsangehörige mit Migrationshintergrund auch in der Statistik inbegriffen sind.

Insgesamt dürfte die Problematik speziell des Funktionalen Analphabetismus in Korea weniger untersucht als etwa in Deutschland. Es gibt aber eine weitere Studie der Nationalen Akademie für Koreanisch aus dem Jahre 2008, die sich etwas genauer mit dem Thema beschäftigt. Danach hat man stichprobenartig landesweit 12.137 Personen verschiedener Altersgruppen und unterschiedlichen Geschlechts auf ihre Fähigheit, Wörter und Sätze zu lesen und zu verstehen hin untersucht. Aus diesem Stichprobenergebnis hat man dann auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet. Daraus ergibt sich, dass man in Korea von etwa 1,7% Analphabeten in der Bevölkerung ausgehen kann, was rund 620.000 Personen entspricht. Dieser Analphabetismus konzentriert sich auf die Bevölkerung über 50 Jahre, die aufrund von Koreakrieg und/oder Geschlecht nie eine Schule besucht hat bzw. nicht richtig unterrichtet wurde. In den früher hoch entwickelten Ländern der Welt soll der Durchschnitt bei 1,4% liegen. Analphabeten und Funktionale Analphabeten zusammen sollen etwa 7% der rund 50 Mio. Koreaner ausmachen. Das sind alles nur Annäherungswerte, die mit Vorsicht zu genießen sind.

Für die Analphabeten und Funktionalen Analphabeten in Korea gibt es in den Gemeindezentren und den Volkshochschulen des Landes Kurse, in denen sie lesen und schreiben lernen, oder ihre diesbezüglichen Fähigkeiten verbessern können. Am Tag des koreanischen Alphabets Hangeul am 9. Oktober werden von diesen Organisationen oft Schreibwettbewerbe veranstaltet und manchmal bringen die Medien ein Interview mit dem Gewinner eines solchen Wettbewerbs.

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