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Nordkorea

Die koreanische Sprache in Nordkorea

#Blick auf Nordkorea l 2019-04-18

Schritte zur Wiedervereinigung

© KBS

Seit Süd- und Nordkorea 1948 ihre jeweils eigene Regierung etablierten, haben sich viele Dinge, darunter auch der Gebrauch der gemeinsamen Sprache, in beiden Teilen der koreanischen Halbinsel unterschiedlich entwickelt. Zum Thema sagt Professor Chung Eun-chan vom Institut für Wiedervereinigungserziehung: 


Nach der Befreiung Koreas von der japanischen Kolonialherrschaft 1945 sind beide Seiten der koreanischen Halbinsel den 1933 veröffentlichten Sprach-Richtlinien gefolgt, die auch “Vorschlag für eine vereinigte koreanische Orthographie” genannt wurden. Doch 1949 schaffte Nordkorea die Verwendung chinesischer Schriftzeichen ab und förderte das koreanische Alphabet Hangeul. Hauptzweck war es, den Analphabetismus zu überwinden und die sozialistische Ideologie unter den Leuten effektiver zu verbreiten. Nordkorea führte 1954 neue Regeln für die koreanische Rechtschreibung ein und gab 1966 die „koreanische Standardsprache“ heraus. Die sogenannte kulturelle Sprache basiert zum größten Teil auf dem Pjöngjanger Dialekt. 


Südkorea legte seine eigenen Regeln für die Rechtschreibung in Hangeul sowie die Aussprache fest, während Nordkorea bei seiner „kulturellen Sprache“ auf Redeweisen aus der Arbeiterklasse zurückgriff. Die meisten Wörter, die mit chinesischen Schriftzeichen geschrieben wurden, sowie Fremdwörter wurden durch eigene koreanische Wörter ersetzt: 


Einer der auffälligsten Unterschiede ist die verschiedene Aussprache und Schreibweise von einigen Anfangssilben. In Nordkorea bedeutet etwa Ryeoja „Frau“ und Ryeoksa „Geschichte“. In Südkorea werden diese Worte Yeoja und Yeoksa ausgesprochen, das „r“ fällt in der Regel weg. Die gleiche Regel wird in einigen Fällen auf das „r“ angewandt, wenn es zwischen Silben steht, etwa bei Daeryeol und Gyuryul in Nordkorea, wo beide Wörter „Linie“ beziehungsweise „Regel“ bedeuten. In Südkorea werden sie Daeyeol und Gyuyul ausgesprochen. 


Ein anderer Unterschied ist, dass ein S-Ton bei einigen zusammengesetzten Wörtern in Südkorea eingefügt wird, während er im Norden wegfällt. Auch klingen einige Wörter in Nordkorea, die Doppelkonsonanten haben, aggressiver in der Aussprache:


Für die Südkoreaner hören sich viele nordkoreanischer Wörter ungewöhnlich an. Dazu gehören etwa Dongmu und Suryong, die „revolutionärer Genosse” bzw. „oberster Führer“ bedeuten. Nordkorea hat einige Wörter oder Phrasen geschaffen, die in Verbindung mit dem Sozialismus stehen, darunter etwa Hubidae, was sich auf die Jugendgruppe der Arbeiterpartei bezieht. 


In Nordkorea wird die Sprache nicht nur als alltägliches Kommunikationsmittel gebraucht, sondern sie dient auch als Propagandainstrument für die kommunistische Ideologie. Darum wurden Worte geschaffen, die den Kapitalismus kritisieren und den Sozialismus preisen. In diesem Kontext sind auch die Ehrenbezeichnungen zu verstehen, die sich auf die Machthaber beziehen:


Nordkorea meidet Wörter aus dem Ausland. Das nordkoreanische Wort für Hamburger zum Beispiel kann in etwa als “Brot mit Fleischeinlage” übersetzt werden. Smartphone wird etwa als „intelligentes Handtelefon“ ausgedrückt, und Netizen sind „Netzwerkbürger“. Während englische Wörter in Südkorea einen großen Einfluss haben, gebrauchen die Nordkoreaner zahlreiche russische Wörter. Traktor zum Beispiel wird als tturakttoru ausgesprochen. 


Weil Nordkorea Wörter ersetzt hat, die schwierige chinesische Zeichen enthielten, wenden die Menschen im Süden und Norden unterschiedliche Ausdrücke an, auch wenn sie das gleiche meinen. Nordkorea sagt, dass seine Sprache die koreanische Tradition besser erhalte. Doch heißt das nicht, dass Nordkorea gänzlich auf ausländische Vokabeln verzichtet. Die Sprache enthält viele chinesische und russische Ausdrücke:


In Südkorea haben Neuankömmlinge aus Nordkorea Probleme damit, sich wegen der unterschiedlichen Sprache in der Gesellschaft einzuleben. Ich selbst war von den vielen englischen Wörtern überwältigt, die von Wirtschaftsprofessoren während meines Doktorkurses gebraucht wurden. Viele nordkoreanische Flüchtlinge haben besonders an Arbeitsplätzen Schwierigkeiten, englische Wörter zu verstehen. Eine Nordkoreanerin zum Beispiel erzählte, sie sollte einen „Key“ (Schlüssel) bringen. Doch wusste sie nicht, was das englische Wort bedeutet. 


Chung selbst stammt aus Nordkorea. Sie studierte Wirtschaft an der Wonsan-Universität in Nordkorea und unterrichtete später. Nach ihrer Flucht 2003 setzte sie ihr Studium in Südkorea fort, wo sie mit einigen Sprachproblemen zu kämpfen hatte. Nach einer Umfrage des Vereinigungsministeriums von 2014 sagten mehr als 40 Prozent der befragten nordkoreanischen Flüchtlinge, dass Kommunikationsprobleme es schwierig machten, in Südkorea zu leben. Die koreanische Sprache in Süd- und Nordkorea unterscheiden sich bei 34 Prozent des regulären Vokabulars und 64 Prozent der technischen Ausdrücke. Um die Kluft zu schließen, begannen beide Seiten im Jahr 2005 damit, ein einheitliches koreanisches Wörterbuch zusammenzustellen: 


Ich denke, das einheitliche koreanische Wörterbuch wird viel dazu beitragen, die Unterschiede in der Sprachpolitik beider Koreas zu beseitigen und die Sprachhomogenität wiederherzustellen. Es wird auch eine große Rolle dabei spielen, zwischen den Menschen auf beiden Seiten der Grenze Harmonie zu stiften.

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