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Nordkorea

Südkorea schickt Truppen zur Straße von Hormus

#Brennpunkt l 2020-01-23

Schritte zur Wiedervereinigung

© YONHAP News

Die südkoreanische Regierung hat am Dienstag beschlossen, seine Anti-Piraterie-Marineeinheit zur Straße von Hormus zu senden, wo die Spannungen zwischen den USA und dem Iran eskaliert sind. Die südkoreanischen Soldaten werden sich jedoch nicht offiziell der von den USA angeführten internationalen Schutzkoalition anschließen, sondern unabhängig operieren. Washington hatte zuvor Druck ausgeübt, damit sich Südkorea an der See-Überwachungsmission in der Meerenge im Nahen Osten beteiligt. Zum Thema sagt der Politikwissenschaftler Lee Jong-hoon von der Myongji-Universität: 


Es ist wert anzumerken, dass der Einsatz unabhängig von der US-geführten See-Koalition, International Maritime Security Construct oder IMSC, geschieht. Mit anderen Worten, die südkoreanische Einheit wird nicht unter das Kommando des US-Militärs gestellt, sondern eigenständig tätig sein. Doch sagt das Verteidigungsministerium in Seoul auch, dass die koreanischen Truppen mit IMSC nötigenfalls zusammenarbeiten können. 


Das südkoreanische Verteidigungsministerium kündigte am Dienstag an, dass das Einsatzgebiet der Anti-Piraterie-Cheonghae-Einheit vor Ostafrika auf die Straße von Hormus erweitert werde. Zweck sei es, Koreaner in der Region und koreanische Schiffe in der strategisch wichtigen Schifffahrtsstraße vor der Küste Irans zu schützen: 


Die Cheonghae-Einheit soll Aufgaben im Golf von Aden vor der Küste Somalias erfüllen, doch ist es für sie auch möglich, in “ausgewählten Gewässern” tätig zu werden, um Koreaner im Ernstfall zu schützen. Diese Regelung ist die Grundlage für die Entscheidung der Regierung, die Einsatzsphäre vorübergehend auszudehnen. Die operativen Gebiete werden nicht stetig ausgedehnt, auch wird keine neue militärische Einheit entsendet. 


Die Cheonghae-Einheit ist seit 2009 vor Somalia im Einsatz. Die Erweiterung des Einsatzes für den dort operierenden Zerstörer und die Soldaten wurde offiziell am 21. Januar wirksam: 


Die USA und der Iran befinden sich seit der Tötung des iranischen Militärkommandeurs Qassem Soleimani in einem Quasi-Kriegszustand. Die Spannungen haben sich als Folge davon in der Straße von Hormus erhöht, durch die 70 Prozent der südkoreanischen Ölimporte transportiert werden. Für Südkorea ist es nötig, diese wichtige Transportroute zu sichern. In diesem Sinne hätte es die Truppen schon früher schicken sollen. Die USA haben Südkorea mit Nachdruck aufgefordert, sich an der von ihr angeführten multinationalen Koalition in der Region zu beteiligen. Was die Erhaltung der stabilen Beziehungen zwischen Südkorea und den USA betrifft, so war die Truppenentsendung ebenfalls notwendig. 


Derzeit halten sich etwa 25.000 Südkoreaner im Nahen Osten auf. Sollten sie im Ernstfall in Sicherheit gebracht werden, könnte die Cheonghae-Einheit diese Aufgabe übernehmen: 


Indem es zwischen den USA und Iran steckt, scheint Südkorea eine Art Kompromisslösung gefunden zu haben. Seoul unterhält relativ gute Beziehungen zu Teheran. Inmitten der Spannungen zwischen den USA und Iran ist es daher schwierig für Südkorea, sich auf eine Seite zu stellen. Iran warnte bereits, es werde Südkorea als Feind betrachten, sollte Soul sich der US-geführten Koalition anschließen. Südkorea musste dieses Szenario verhindern. 


Südkorea hat wirtschaftliche Beziehungen zum Iran, während es sich gleichzeitig um die Sicherheit seiner Landsleute in der Region kümmern muss. Die offiziell als unabhängige Operation angekündigte Mission in der Meerenge könnte von den USA und dem Iran akzeptiert werden. Das US-Außenministerium jedenfalls begrüßte die Entscheidung Seouls. Sie zeige die Stärke der bilateralen Allianz: 


Es hat Meinungsverschiedenheiten zwischen Südkorea und den USA über Seouls Nordkorea-Politik sowie über die Aufteilung der Ausgaben für die US-Truppen in Südkorea gegeben. Die Verhandlungen sind in schwieriges Fahrwasser geraten, weil die USA gefordert haben sollen, dass Südkorea um das Fünffache mehr zahlt als im vergangenen Jahr. Südkorea hatte zuletzt erklärt, sich für Individualreisen von Südkoreanern nach Nordkorea einzusetzen, ohne dass dadurch internationale Sanktionen verletzt werden. Doch Seoul braucht dafür das Einverständnis Washingtons. Ich denke, Südkorea traf die Entscheidung zur Truppenentsendung unter Berücksichtigung seiner Beziehungen zu den USA und der innerkoreanischen Beziehungen. 


Offen ist noch, ob Südkoreas Entscheidung auch die Unterstützung der USA für seine Nordkorea-Projekte erhält. Südkorea will die Zusammenarbeit mit Nordkorea in der Hoffnung wiederbeleben, dass sie auch den Dialog zwischen Pjöngjang und Washington wieder anschieben können. Sollten also USA Einzelreisen von Südkoreanern nach Nordkorea zustimmen, könnte dies auch den Stillstand in den innerkoreanischen Beziehungen aufheben:


Nordkorea hat lange Zeit von Südkorea gefordert, die ausgesetzten Wirtschaftsprojekte wie das Reiseprogramm zum Kumgang-Gebirge oder den Kaesong-Industriekomplex wiederaufzunehmen. Ich denke, Individualreisen sind ein indirekter Weg, um den Austausch wieder in Gang zu bringen. Eine positive Entwicklung könnte auch den Dialog zwischen Nordkorea und den USA wieder fördern. Seouls jüngste Entscheidung für den Truppeneinsatz kann in diesem Kontext verstanden werden.

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