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Nordkorea

Wie Nordkorea den Korea-Krieg wahrnimmt

#Blick auf Nordkorea l 2020-06-18

Schritte zur Wiedervereinigung

ⓒ KBS

Am 25. Juni ist der 70. Jahrestag des Ausbruchs des Korea-Kriegs. Er wird in Südkorea als tragischer Moment gesehen, als Nordkorea den Süden überfallen hat. Wie sehen die Nordkorea den Krieg? Jedes Jahr organisiert das Land dazu große anti-amerikanische Kundgebungen. Zum Thema sagt Chung Eun-chan vom Institut für Vereinigungserziehung:  


Die Zeit zwischen dem 25. Juni und 27. Juli ist in Nordkorea zum Monat des Kampfs gegen die USA erklärt worden. Der Korea-Krieg brach am 25. Juni 1950 aus, und ein Waffenstillstandsvertrag wurde am 27. Juli 1953 unterzeichnet. Nordkorea feiert den 27. Juli als Tag des Sieges. Während der Zeitspanne flößt Nordkorea den Menschen eine anti-amerikanische Stimmung ein. Sie sind angehalten, Filme anzuschauen, in denen die USA kritisiert werden. Auch gibt es im Land große Kundgebungen gegen die USA. Durch diese Veranstaltungen betont Nordkorea, dass Südkorea es war, das den Korea-Krieg unter dem Einfluss der USA begonnen hat. Auch sagt es, dass das Land dank der brillanten militärischen Strategie von Kim Il-sung einen großen Sieg in dem dreijährigen Krieg errungen und den Stolz der arroganten USA verletzt hat.


Was treibt Nordkorea zu diesen Behauptungen? 


Es gibt drei wichtige Gründe. Erstens, Nordkorea weist zurück, dass es der Aggressor war. Falls es die Invasion in Südkorea einräumt, wäre es Ziel von UN-Sanktionen, weil ein Angriff gegen UN-Regeln verstößt. Zweitens, Pjöngjang behauptet, dass der Sieg der Führung des Staatsgründers Kim Il-sung zu verdanken war. Indem das betont wird, versucht Nordkorea, die innere Einheit zu stärken. Drittens, Nordkorea will die Legitimität des Regimes unterstreichen und der Außenwelt zeigen, dass es ein normales Land ist und kein Aggressorstaat. Das heißt, der kommunistische Staat betont, dass er für den Frieden ist und keine Wiedervereinigung durch Gewalt anstrebt. 


Archivmaterial der früheren Sowjetunion, das Mitte der 1990er Jahre veröffentlicht wurde, hat Nordkoreas Behauptungen als widersinnig nachgewiesen. Gemäß den vertraulichen Dokumenten, die Russland 1994 direkt dem damaligen südkoreanischen Präsidenten Kim Young-sam übergab, wurden Kim Il-sungs Pläne für einen Angriff auf Südkorea von der Sowjetunion und China nach mehrmaligen Anfragen gebilligt. Die Dokumente deuten an, dass Südkoreas Streitkräfte damals in der absolut schwächeren Position waren. Der sogenannte Operationsbefehl Nummer eins der nordkoreanischen vierten Division beinhaltet einen spezifischen Plan für einen Erstschlag: 


1994 besuchte Kim Young-sam Russland und führte Gespräche mit dem russischen Präsidenten Boris Jelzin. Nach dem Gespräch im Kreml sagte Jelzin, dass er ein Geschenk für den südkoreanischen Präsidenten habe. Das war eine Kopie von vertraulichen russischen Dokumenten mit insgesamt 548 Seiten. Die Sammlung enthält eine detaillierte Chronologie über die Diskussionen zwischen der Sowjetunion und dem nordkoreanischen Außenministerium von Januar 1949 bis zum August 1953. Sie besagt auch, dass die nordkoreanische Volksarmee am 25. Juni 1950 um vier Uhr morgens ihre Operation “Sturm”, einen Angriff gegen Südkorea, auf den Weg brachte. Die nordkoreanischen Truppen besetzten in nur drei Tagen Seoul und stießen weiter südlich vor. Später traten UN-Truppen in den Krieg ein und führten zusammen mit Südkorea eine überraschende amphibische Landungsaktion bei Incheon durch. 


Trotzdem versucht Nordkorea, weiter, Südkorea die Kriegsschuld zu geben und eine amerikafeindliche Stimmung zu verbreiten:


Nach außen will Nordkorea Druck auf die USA ausüben und ihr Image trüben, um eine Reaktion zu erhalten und die USA schließlich zum Verhandlungstisch zu bewegen. Nach innen versucht es weiter zu zeigen, was die USA Nordkorea angetan haben, und wie der frühere Machthaber ihnen begegnete. Damit versucht es, die Solidarität im eigenen Land zu stärken. 


Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un besuchte am Neujahrstag 2012 auf seiner ersten Inspektionstour die Ryu Kyong-su-Panzerdivision. Die Division war die erste militärische Einheit, die im Krieg nach Seoul vorgestoßen war. Nordkorea versucht auf diese Weise, den Personenkult um seinen früheren Staatschef zu pflegen: 


Über 80 Prozent der Nordkoreaner, die zur älteren Generation gehören, glauben fest daran, was die Regierung sie gelehrt hat. Durch das staatliche Rationierungssystem wurden sie von der Regierung finanziell kontrolliert. Sie gab ihnen eine ideologische Erziehung und sie blockierte Informationen von außen. Doch die jüngere Generation ist komplett anders. Sie werten das, was sie selber sehen, hören und erfahren, höher als die Regime-Propaganda. Sie sind daran gewöhnt, Informationen von außen mit der Realität des Regimes zu vergleichen. Aber Nordkorea wird seine Behauptungen über den Krieg wiederholen. Doch seiner Propaganda sind Grenzen gesetzt.

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