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Nordkorea

Nordkorea hält Militärparade ab und testet Marschflugkörper

#Brennpunkt l 2021-09-16

Schritte zur Wiedervereinigung

ⓒ YONHAP News

Nordkorea hielt am 9. September anlässlich des 73. Jahrestags der Staatsgründung eine nächtliche Militärparade in Pjöngjang ab. Sie war jedoch kleiner und kürzer als die vorherigen Paraden im Oktober 2020 und im Januar dieses Jahres. Der Experte Hong Min von der Nordkorea-Forschungsabteilung des Korea-Instituts für Nationale Vereinigung sagt zum Thema: 


Nordkorea hat unter Kim Jong-un viele Male eine Militärparade durchgeführt. An den größeren Veranstaltungen nahm die Volksarmee, welche die regulären Streitkräfte sind, teil. Doch die jüngste Parade wurde von Reservekräften, die als Rote Garden der Arbeiter und Bauern bekannt ist, sowie von öffentlichen Sicherheitstruppen - etwas zwischen Militär und Polizei - angeführt. Bei der Parade wurden keine strategischen Waffen gezeigt, sondern Waffen und Ausrüstung, die von paramilitärischen Gruppen genutzt werden. Soldaten mit Gasmasken, Traktoren, Feuerwehrwagen und militärische Spürhunde waren ebenfalls zu sehen. Es ist wahrscheinlich das erste Mal, dass die Reservetruppen die Militärparade anführten. Es könnte ein neuer Typ militaristischer Demonstration sein.


Filmaufnahmen des zentralen nordkoreanischen Fernsehens zeigten, dass Machthaber Kim Jong-un für die “zivile” Parade um Mitternacht erschien, doch hielt er keine Rede. Auch wurden sonst keine Botschaften an die Außenwelt ausgesendet: 


Das Wort “zivil” beinhaltet, dass Nordkorea die Militärparade für Zivilisten organisierte, anders als vorige Paraden, die allgemein darauf gerichtet waren, den Menschen die Errungenschaften des Militärs zu zeigen. Die Nordkoreaner leiden seit fast zwei Jahren unter den Auswirkungen der Covid-19-Pandemie. Das Land war auch von Naturkatastrophen betroffen. Es scheint, als ob Nordkorea die Militärparade dazu benutzt hat, um die Menschen zu trösten und die innere Einheit zu stärken.


Vier Tage nach der Parade teilte Nordkorea am Montag mit, dass es am Wochenende erfolgreich den neuartigen Typ eines Marschflugkörpers (Cruise Missile) mit großer Reichweite getestet habe. Die beiden getesteten Flugkörper hätten ihre Ziele im Meer in 1500 Kilometer Entfernung getroffen. Nordkorea hatte bereits im Januar und März Lenkflugkörper mit kurzer Reichweite gestartet. Der neuartige Marschflugkörper kann außer Südkorea auch Ziele in Japan erreichen. Marschflugkörper sind langsamer als ballistische Raketen und ihre Zerstörungkraft ist in der Regel geringer. Doch können sie einen präzisen Schlag durchführen: 


Marschflugkörper tauchten in Nordostasien als “heiße Waffe” auf. Russlands Präsident Wladimir Putin kündigte 2018 an, dass sein Land aktiv von U-Booten gestartete Cruise Missiles, oder SLCM, entwickeln und sie in Nordostasien aufstellen wird. Ein bedeutender Teil dieses Plans wurde bereits umgesetzt. Eine SLCM kann einen atomaren Sprengkopf tragen. Es ist schwierig, eine Rakete zu entdecken, die von einem U-Boot gestartet wurde. Nordkoreas jüngster Test könnte darauf hindeuten, dass es SLCM entwickeln will, die für die gemeinsame Raketenabwehr Südkoreas und der USA ein großes Problem wären.


Experten verfolgen mit Aufmerksamkeit, wie Nordkorea seinen Fünf-Jahres-Verteidigungsplan weiter umsetzen wird: 


Nordkorea sagt, dass es Langstrecken-Marschflugkörper in den vergangenen zwei Jahren als Teil des Fünf-Jahres-Plans für die Verteidigungsentwicklung entworfen hat. Das bedeutet, die Entwicklung begann Mitte 2019 kurz nach dem gescheiterten Gipfeltreffen Nordkoreas mit den USA in Hanoi. Pjöngjang legte den Fünf-Jahres-Verteidigungsplan offensichtlich mit der Absicht fest, seinen strategischen Wert zu unterstreichen und die eigene Verhandlungsposition zu verbessern.


Auch der Zeitpunkt des jüngsten Tests von Lenkflugkörpern ist von Bedeutung: 


Südkorea testete zuletzt erfolgreich eine eigene U-Boot-gestützte ballistische Rakete, oder SLBM. Es wurde damit das siebte Land weltweit, das so etwas durchführte. Nordkoreas Test der Marschflugkörper erfolgte kurz nach den Berichten über Südkoreas SLBM-Entwicklung. Nordkorea entwickelt SLBM bereits seit 2014, doch scheint es so, als ob Südkorea diese zuerste erfolgreich entwickelt hat. SLBM können mit einem nuklearen Sprengkopf bestückt werden. Nordkorea könnte also unter dem Eindruck der SLBM-Entwicklung in Südkorea die Fähigkeiten der eigenen Waffen demonstrieren.


Im Gegensatz zu ballistischen Raketen unterliegen Marschflugkörper nicht den Verboten durch die UN-Resolutionen gegen Nordkorea: 


Es ist sehr wahrscheinlich, dass Nordkorea weiter strategische Waffen testen wird, um ihren strategischen Wert zu steigern und die Oberhand in künftigen Verhandlungen mit den USA zu gewinnen. Nordkorea sagt den USA, dass es die Entwicklung der strategischen Waffen vorantreibt, wenn die sie die Verhandlungen weiter hinauszögern sollten. In der Absicht, Druck auf die USA auszuüben, wird Nordkorea also vermutlich seine Militäraktionen fortsetzen oder die Waffenentwicklung vorantreiben.

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