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Die Partei der Arbeit Koreas (PdAK)

Gründung

Kim Il-sung sieht sich den Entwurf eines Bescheides des Zentralen Organisationskomitees an.

Obwohl Nordkorea behauptet, dass die Wurzeln der PdAK (Partei der Arbeit Koreas) bis in das Jahr 1925 zurückreichen, wurde tatsächlich das nordkoreanische Büro der Kommunistischen Partei (KP) Koreas erst am 13. Oktober 1945 gegründet. Die Provisorischen Volkskomitees (der Kommunistischen Partei von Korea) der fünf nordwestlichen Provinzen hatten sich dazu am 10. Oktober versammelt. An diesem heute als „sozialistischer Feiertag“ begangenen Tag kam man zusammen und gab schließlich die „Erklärung zur Stärkung der politischen Ansichten und der organisatorischen Integrität“ bekannt, die wiederum zu einem Plan zur Gründung einer nordkoreanischen Dependenz der Kommunistischen Partei (KP) führte. Diese Vereinigung wurde dann im April 1946 in „Kommunistische Partei Nordkoreas“ umbenannt.

Im Sommer desselben Jahres schloss sich diese Partei mit der Shinmin-Partei, die vorwiegend aus früheren Anti-Japan-Aktivisten in China bestand, zur „Partei der Arbeit Nordkoreas“ zusammen. Im August trafen Vertreter dieses Zusammenschlusses mit der „Südkoreanischen Arbeiterpartei“ zur Bildung einer Regierung zusammen. Am 30. Juni 1949 schlossen sich diese beiden Parteien im Anschluss an die Ausrufung des Staates Nordkorea zur PdAK (Partei der Arbeit Koreas) zusammen.

Ideologie und Ziele

Der erste und zweite Parteitag (vor der Gründung Nordkoreas) – Die Parteisatzung legte noch keine Ideologie dar, sondern gab lediglich die Ziele vor, einen unabhängigen Staat zu gründen und den politischen/wirtschaftlichen/kulturellen Lebensstandard für die Menschen zu erhöhen.

Dritter Parteitag (April 1956) – Artikel 1 der Parteisatzung wurde geändert und legte den Marxismus/Leninismus als allgemeinen ideologischen Bezugsrahmen für alle Aktivitäten der Partei fest. Das operative Ziel der Partei war „die glorreiche Aufgabe der Realisierung einer landesweiten demokratischen Revolution gegen den Imperialismus und Feudalismus“ mit dem Endziel der Verwirklichung des „letzten Zieles der Errichtung einer kommunistischen Gesellschaft“.
Vierter Parteitag (September 1961) – keine wesentlichen Änderungen
Fünfter Parteitag (November 1970) – Änderung der Parteisatzung: Ablösung des Marxismus/Leninismus durch Kim Il-sungs „Juche“ (주체, „Eigenständigkeit“) als Leitideologie der Partei.
Sechster Parteitag (Oktober 1980) – Kim Il-sungs „Juche“-Ideologie wurde zur „monolithischen“ Ideologie der Partei erklärt; die Endziele der Partei wurden geändert in die „Verwirklichung des „Juche“-Gedankens in jedem Aspekt der Gesellschaft“ und die „Errichtung eines kommunistischen Staates“.

Organisation und Arbeitsweise

Organisation
Im Prinzip ist die Partei demokratisch organisiert, nämlich entsprechend des allgemeinen Willens ihrer Mitglieder. Das Parteiorgan, in dem dieser Wille seinen Ausdruck findet, ist der Parteitag. Der Parteitag ist das höchste beratende Gremium in Nordkorea. Da die Funktionen des Parteitages an ein ständiges Organ, das „Zentralkomitee“ delegiert sind, ist es dieses Komitee, das in Wirklichkeit die Partei leitet. Das Zentralkomitee wird gebildet aus dem Politbüro – dem höchsten Exekutivorgan in Nordkorea – und dem Sekretariat. Abteilungen auf der Arbeitsebene für Organisation/Lenkung; Propaganda/Agitation; auswärtige Angelegenheiten etc. werden vom Sekretariat kontrolliert.

Die Macht/Befehlsgewalt liegt beim Politbüro und geht von diesem aus zum Sekretariat und dann zum Zentralkomitee. Politbüro und Sekretariat sind gewöhnlich zum großen Teil mit denselben Mitgliedern besetzt. So sind die mächtigsten Regierungsbeamten jene, die in beiden Gremien vertreten sind. In der Hierarchie folgen dann die Mitglieder des Politbüros, Anwärter für das Politbüro, Mitglieder des Sekretariates und Mitglieder des Zentralkomitees. Mitglieder oder Anwärter für das Politbüro, die einflussreich, aber dennoch nicht Mitglieder des Sekretariates sind, sind in der Regel leitende Staatsmänner oder hochrangige Kabinettsmitglieder oder andere wichtige Staatspersonen. Regionale Organisationen in jedem Verwaltungsbereich werden von einem zuständigen Parteikomitee kontrolliert.

Arbeitsweise
Gemäß der Parteisatzung operiert die Partei nach dem „Grundsatz der zentralisierten Demokratie“. Der Parteitag ist das höchste beratende Gremium. Vom Zentralkomitee führt eine strikte Kommandokette zu den Parteiorganisationen und ihren Mitgliedern. Die Staatsgewalt wird von der gesellschaftlichen Basis zum Zentralkomitee delegiert, die wiederum Macht an das Sekretariat und dann an das Politbüro delegiert. Daher läuft unter dem „Ein-Mann-Herrschaftssystem“ alle Macht beim Vorsitzenden des Politbüros zusammen.

Der Vorsitzende, der sowohl Generalsekretär der Partei als auch Mitglied des Präsidiums der Obersten Volksversammlung ist, übt totale Kontrolle über die beiden Schlüsselorganisationen aus. Dies ist die institutionelle Struktur des nordkoreanischen „Ein-Mann-Herrschaftssystems“.

Parteimitglieder

Die vorherrschende Stellung der Partei hat zur Folge, dass die Parteimitglieder in der nordkoreanischen Gesellschaft viele Privilegien genießen. Gesellschaftlicher Aufstieg ist so gut wie unmöglich ohne zunächst Mitlied bei der PdAK geworden zu sein. Sogar das Erziehungssystem ist darauf ausgelegt, eine Elite von Parteimitgliedern auszubilden. Wenn die staatliche Erziehung beginnt, müssen nordkoreanische Bürger dem „Korea-Jugendcorps“ beitreten (Mitgliedschaft vom 7. bis zum 13. Lebensjahr) und anschließend dem „Jugendbund“ (Mitgliedschaft vom 14. bis zum 30. Lebensjahr), wo sie ideologisch unterwiesen und aufgefordert werden, sich ganz in die Dienste der Partei zu stellen. Je nach dem gesellschaftlichen Hintergrund, der Fähigkeiten und dem persönlichen Einsatz wird man zuerst ein „Mitgliedschaftskandidat“ der Partei, bevor man zum Status eines „ordentlichen Mitgliedes“ aufsteigen kann. Die Gesamtzahl der Parteimitglieder schwankt mit der Zeit drastisch, je nach den politischen Erfordernissen.

Bildung

Parteikomitees auf jeder Verwaltungsebene sind mit Kaderausbildungs- und Weiterbildungssystemen ausgestattet, deren Ziel die Erweiterung der Fähigkeiten von Parteimitgliedern sowie die Personalverwaltung ist. Die höchste zentrale Bildungseinrichtung ist die „Kim Il-sung Höhere Parteischule“. Zu dieser Schule werden nur Parteimitglieder in leitender Stellung oder höhere Beamte aus Städten oder Verwaltungsbezirken zugelassen.

Die Ausbildungsdauer schwankt zwischen einem Monat und fünf Jahren. In jeder Provinz gibt es eine kommunistische Universität, während Verwaltungsbezirke über eine Parteischule verfügt. Alle Parteimitglieder müssen jedes Jahr eine mindestens einen Monat dauernde obligatorische Weiterbildung durchlaufen. Daneben existieren die „Rodong Sinmun“ („Arbeiterzeitung“, eine überregionale Zeitung und Organ des Zentralkomitees der PdAK) und der „PdAK-Verlag“. Beide Institutionen ermöglichen die Medienkontrolle und dienen darüber hinaus der Publikation von Parteidirektiven und der Indoktrinierung, Steuerung und Mobilisierung der Menschen.