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Kim Il-sung

Kim Il-sung (1912-1994)

Mangyungdae, Kim Il-sungs Geburtsort, ist aufgrund des Personenkults um Kim zu einem Pilgerort avanciert.

Kim Il-sung (김일성, 金日成) wurde am 15. April 1912 als „Kim Sung-ju“ (김성주(金成柱)) in Nam-ri in Gopyung-myeon in Daedong-gun in der Südpyeonganprovinz (im heutigen Bezirk Mangyung-dae in der Stadt Pjöngjang) geboren. Sein Vater hieß Kim Hyung-jik und seine Mutter Kang Ban-suk. Kurz nach seiner Geburt zog die Familie in die Stadt Fu-ssung in der Provinz Jilin in der Mandschurei (China). Kim ging ab 1926 zur Yuk-mun-Mittelschule, verließ diese jedoch bereits drei Jahre später. Er wurde von den sowjetischen Streitkräften für Spezialeinsätze ausgebildet und kehrte nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges als Major der Roten Armee nach Nordkorea zurück.

Mit der vollen Unterstützung der sowjetischen Streitkräfte griff Kim nach der Macht in der Kommunistischen Partei und in der nordkoreanischen Regierung. Er ordnete im Jahre 1950 die Invasion Südkoreas an, wodurch der Koreakrieg seinen Anfang nahm. Nach dem Krieg eliminierte er Angehörige von Splittergruppen wie die Yon-an, Gapsan und sowjetische Gruppen, um sein „Ein-Mann-Herrschaftssystem“ zu konsolidieren. Seit den 1960er Jahren entwickelte sich um Kim ein Personenkult, der an eine Vergöttlichung Kims grenzte. Aus diesem Grunde ist in Nordkorea die moderne und zeitgenössische Geschichte Nordkoreas mit der Geschichte Kim Il-sungs und dessen Familie gleichgesetzt worden.
In den späteren Jahren von Kim Il-sungs Herrschaft litt Nordkorea unter der politischen Entfremdung und wirtschaftlichen Isolation, in die das Land aufgrund des Zerwürfnisses zwischen den beiden großen kommunistischen Mächten China und Russland in den späten 1980er Jahren geraten war.

Zudem befand sich die nordkoreanische Wirtschaft aufgrund ihrer systemimmanenten Probleme in einer Phase der Stagnation. Kim Il-sung versuchte, diesen Schwierigkeiten durch die Verbesserung der Beziehungen zu Südkorea beizukommen. Er machte sogar das Angebot, ein koreanisch-koreanisches Gipfeltreffen zu veranstalten. Hierzu kam es jedoch nicht, da Kim Il-sung am 8. Juli 1994 an einem Herzinfarkt verstarb.

Sein ältester Sohn Kim Jong-il konnte die Macht in Nordkorea übernehmen, und dies dank der minutiösen Vorbereitungen, die seit mehr als einem Jahrzehnt davor unternommen worden waren, außerdem aufgrund der unglaublichen Strahlkraft der Führerpersönlichkeit Kim Il-sungs sowie aufgrund des gewaltigen Personenkults um Kim. Kim Il-sung lebt auch nach seinem Tod im monolithischen „Juche“-Denksystem Nordkoreas weiter. Während der dreijährigen Übergangsphase nach seinem Tod herrschte der verschiedene Kim Il-sung durch die „Vermächtnisherrschaft“. Kim Il-sung „herrscht“ noch immer – auch nach Anbruch der Kim-Jong-il-Ära – als „ewiger“ Präsident über Nordkorea. Der Leichnam Kim Il-sungs ruht einbalsamiert im Präsidentenpalast im Pjöngjang.

Wer war Kim Il-sung?

Es wird viel darüber debattiert, wer Kim Il-sung wirklich war. Der Persönlichkeitskult um Kim lässt den Beobachter die Aussagen Nordkoreas über seinen Führer mit einem kritischen Auge sehen. Dies gilt im Besonderen für die frühen Jahre Kim Il-sungs, denn während dessen Leben nach seiner Rückkehr nach Nordkorea gut dokumentiert ist, liegen seine Jugendjahre im Dunkeln.
Im Kern geht es bei dieser Debatte darum, ob Kim Sung-ju dieselbe Person ist wie Kim Il-sung: die Person, von der wir wissen, dass sie über Korea geherrscht hat.

Dies ist ein heikles Thema, da es Kim Il-sungs Rolle im Widerstand gegen die japanische Kolonialherrschaft berührt. Kims angebliche Vergangenheit als einer der Führer des antijapanischen Widerstands spielte eine entscheidende Rolle im Hinblick auf die Rechtfertigung seines Aufstiegs zur Macht in Nordkorea. Oft genannt wird hierbei die Schlacht von Bocheon-bo im Jahre 1937, wo Kim angeblich Streitkräfte des Widerstandes gegen eine schwer verschanzte japanische Polizeitruppe zum Sieg führte.

Diese Begebenheit wurde als Ereignis aufgezeichnet, das den Koreanern Hoffnung gab und die japanischen Kolonialherrscher in Angst und Schrecken versetzte. Kims erster öffentlicher Auftritt als Held des Widerstands wurde 1946 von dem Oberhaupt der sowjetischen Zivilverwaltung in Nordkorea, Andrei A. Romanenko, ersonnen. Der Mann, den Romanenko der Öffentlichkeit vorstellte, war „Kim Il-sung“ und nicht „Kim Sung-ju“. Daher gibt es Stimmen, die sagen, dass „Kim Il-sung“ ein Deckname war, den „Kim Sung-ju“ für seine Aktivitäten im Widerstand benutzte, während es wiederum andere Stimmen gibt, die sagen, dass Kim Sung-ju den Namen des Widerstandshelden Kim Il-sung auf betrügerische Weise missbraucht habe.

Der Personenkult

Die Vergöttlichung Kim Il-sungs überdauert dessen Tod.

Der Personenkult um Kim Il-sung entfaltete seinen vollen Umfang nach den Massensäuberungsaktionen gegen gegen Kim gerichtete Gruppen nach dem Koreakrieg. Der Prozess der Konsolidierung eines unangefochtenen „Ein-Mann-Herrschaftssystems“ fand im Jahre 1958 seinen Abschluss. Mit dem Personenkult wurden zwei Ziele verfolgt: einmal die Konsolidierung der „Ein-Mann-Herrschaft“ Kim Il-sungs, zum zweiten die Ermöglichung einer späteren Machtübernahme durch Kim Jong-il. Gefördert wurde dieser Persönlichkeitskult durch die Herstellung von Devotionalien, einer kreativen Geschichtsauslegung und durch Indoktrination.

Zur Basis des Personenkultes: Einmal wurde behauptet, dass Kim von einer Familie von Volksführern abstamme, und diese Tradition bis in die Zeit von König Sunjo der Joseondynastie zurückreiche. Dieser Familientradition folgend sei Kim zu einem Helden des antijapanischen Widerstandes geworden. – Auf diese Weise ist eine „neugestaltete“ Version der koreanischen Geschichte zur Indoktrination der Menschen eingesetzt worden. Daher konzentrierte sich die moderne nordkoreanische Geschichtsschreibung mit der Abstammung Kims, während dieselbe nordkoreanische Geschichtsschreibung in Bezug auf den antijapanischen Widerstand die heldenhaften Taten des Revolutionärs Kim Il-sung thematisierte. Die nordkoreanische Version der Geschichte diente dazu, das „Ein-Mann-Herrschaftsregime“ unter Kim zu rechtfertigen.

Eine weitere Säule des Personenkultes war das extreme Rühmen der mannigfaltigen Fähigkeiten Kim Il-sungs durch die Staatspropaganda. Nicht nur war Kim hier ein Widerstandsheld, sondern auch ein Denker, der etwa Marx oder Lenin in den Schatten stellte, und darüber hinaus wurde er als Gelehrter von unermesslicher Weisheit auf allen Gebieten, darunter die Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur und die Künste dargestellt. Dies ist die zweite Säule der Sicherung der „Ein-Mann-Herrschaft“ Kims. So wurde also eine bestimmte Interpretation der Geschichte und die Schaffung einer Figur von außerordentlichem Talent kombiniert, um Kims Regime zu rechtfertigen.

Die exaltiertesten Titel wurden bei der Anrede Kims benutzt, so etwa „Vater Vorsitzender“, „Großer Vorsitzender“ und „Himmlischer“. Sein Name wurde in allen Veröffentlichungen fett gedruckt, sodass er sich vom Rest des jeweiligen Textes abhob. Hinzu kam, dass die Gesamtheit der institutionellen Dokumente Nordkoreas wie etwa die Verfassung, das Arbeitsrecht und die pädagogischen Schriften Kim als Autor nennt. Alle Publikationen, darunter Zeitungen, Zeitschriften, Schullehrbücher oder etwa akademische Texte, wiesen ein vorgeblich von Kim verfasstes Vorwort mit „anleitenden Worten“ auf. Alle Nordkoreaner lernten in der Schule, dass sie aufgrund „des Vorsitzenden Gnade“ eingekleidet, ernährt und in allen Lebensbelangen gefördert würden. In jedem Haus musste ein Bild Kims aufgestellt sein, während im ganzen Lande „Orte der Verehrung“, darunter 35.000 Statuen von Kim, eingerichtet wurden.

Der Personenkult und die Vergöttlichung Kim Il-sungs setzten sich auch nach Kims Tod fort. Sein Leichnam ist „bis in alle Ewigkeit“ konserviert im Präsidentenpalast im Pjöngjang verwahrt, während seine Macht weiter in dem Titel „Ewiger Präsident“ bewahrt ist, wodurch er an der Spitze des „Vermächtnisherrschaftssystems“ steht. Auf diese Weise dient Kim Il-sungs ewige Macht als Legitimation von Kim Jong-ils „Ein-Mann-Herrschaft“. Obwohl es ein Gegenstand von Diskussionen sein kann, ob Kim Il-sungs Herrschaft tatsächlich „ewig“ ist, ist es noch zu früh, um darüber eine Aussage zu treffen.