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Chuseok-Speisen in Nordkorea

2019-09-12

© KBS

Chuseok, die Feiertage um das traditionelle koreanische Erntedankfest, begannen in Südkorea am Donnerstag. In der Regel sind die Autobahnen und Schnellstraßen des Landes verstopft, weil viele Koreaner die Feiertage mit der Familie in ihren Heimatorten verbringen wollen. Die Familien bereiten sorgfältig das Chuseok-Essen vor, das auch auf Altären für die Ahnenverehrung aufgetischt wird. Welche Speisen bevorzugen die Menschen in Nordkorea an Chuseok? Darüber sagt Ahn Young-ja, die früher als Köchin im Gästehaus des Ministeriums für die Streitkräfte in Nordkorea gearbeitet hat:


Die Nordkoreaner nehmen nur einen Tag an Chuseok frei, anders als in Südkorea, wo es mehrere freie Tage gibt. In Nordkorea bereiten die Menschen Essen vor, das ihre Ahnen einst gemocht haben, und sie zollen diesen Respekt, indem sie das Essen auch zu den Gräbern ihrer Vorfahren bringen. Dazu werden auf dem Gedenktisch auch Delikatessen wie Songpyeon-Reiskuchen und geschmortes Fleisch serviert. Sie führen die Ahnenriten durch und teilen das Essen mit ihrer Familie. 


Bis Mitte der 1980er Jahre wurden in Nordkorea traditionelle Feiertage noch als Überbleibsel des feudalen Systems gesehen. Doch Chuseok wurde 1988 als traditioneller Feiertag wiedereingeführt. Wie in Südkorea fällt das Erntedankfest auf den 15. Tag des achten Monats nach dem Mondkalender. Anders als im Süden dauert Chuseok jedoch im Norden nur einen Tag, weil sozialistische Jahrestage wie der Geburtstag des Staatsgründers Kim Il-sung wichtiger sind. In Südkorea folgt die Anordnung der Speisen wie Fleischgerichte, Fisch oder Früchte traditionellen Regeln. In Nordkorea wird aufgetischt, was die Ahnen gemocht haben:


Die Nordkoreaner bereiten Chuseok-Speisen wie Fisch und Schweinefleisch im Voraus zu. Meine Mutter sagte immer, “bediene deine Ahnen gut, dann wirst Du gesegnet sein.” Sie begann mit den Vorbereitungen schon einen Monat vor Chuseok. Sie kaufte den besten Fisch, Klebereis und andere Sachen auf dem Markt. An Chuseok kamen meine Geschwister und andere Verwandten in unser Haus, um das Essen meiner Mutter zu genießen. 


Nicht jede Familie in Nordkorea kann sich die besten Zutaten leisten. Doch sobald Chuseok näher kommt, stellen sich die Menschen vor den Getreidmühlen an, in denen Reis zu Mehl verarbeitet wird. Andere suchen private Märkte, Jangmadang, auf, um Fisch, Fleisch, Bohnensprossen und Rettich zu kaufen: 


Was zum Beispiel den Fisch angeht, so werden Scholle oder Makrele zuerst getrocknet und gesalzen. Bevor sie auf den Tisch kommen, werden sie gedämpft. Für gebratene Leckerbissen werden Mehl, Klebereis oder Mungobohnen benutzt. Wir stapeln drei große Pfannkuchen mit grünen Zwiebeln auf einen einzigen Teller. Schwein wird normalerweise gekocht und gepresst, um die Flüssigkeit zu entfernen, und dann dünn geschnitten. Jede Familie bereitet das Essen auf ihre eigene Art und Weise zu. 


In Nordkorea wird zum Beispiel anders als in Südkorea meistens Schweinefleisch benutzt, weil Rindfleisch nur selten zu haben ist. Die Nordkoreaner kochen das Fleisch, das sie zwischen Frühjahr und Herbst als Rationen erhalten und gesalzen haben, damit es länger hält. An Chuseok wird es in Würfel geschnitten und in die Suppe getan. Die Nordkoreaner stellen seltene Fischarten wie die Atka-Makrele und Scholle als ganzen Fisch auf den Tisch. Pfannkuchen bereiten sie mit Hirse und roten Bohnen zu statt mit filletiertem Fisch. Manchmal werden noch sechs bis sieben gekochte Eier auf den Tisch gestellt: 


Nordkoreanische Songpyeon sind im Vergleich zu denen in Südkorea sehr groß. Im Süden sind die Reiskuchen normalerweise mit Sesamsamen gefüllt, doch in Nordkorea werden andere Sachen für die Füllung benutzt, wie etwa gekochte Bohnen, gemahlene Wallnüsse oder gebratenes Gemüse. 


In den gebirgigen Gegenden im Norden werden auch zerschnitzelter Rettich, Bohnensprossen oder Kartoffeln für die Reiskuchenfüllung verwendet. In Nordkorea sind die Songpyeon zwei- oder dreimal so groß wie in Südkorea: 


In Nordkorea ist es kälter als im Süden, so dass Nahrungsmittel länger gelagert werden können. Das ist der Grund, warum die Nordkoreaner an Chuseok eine große Menge Songpyeon herstellen und sie über einen langen Zeitraum essen. Nordkoreaner essen auch flache Reiskuchen, der Jeolpyeon genannt wird. 


Chuseok bietet die seltene Gelegenheit für die Nordkoreaner, Reiskuchen zuzubereiten. Im kühleren Norden der koreanischen Halbinsel fällt die Reisproduktion niedriger aus als im Süden. Mit den Reiskuchen und anderen Speisen halten die Nordkoreaner am Morgen von Chuseok ein Ahnen-Gedenkritual ab, zollen ihren Vorfahren an den Gräbern Respekt und teilen das Essen mit dem Rest der Familie. Wie im Süden ist Chuseok die Zeit für Familientreffen. 

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