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Die Kaffee-Kultur in Nordkorea

2019-09-26

© KBS

Am 1. Oktober wird der “Welt-Kaffee-Tag” gefeiert. Der Tag wurde von der Internationalen Kaffe-Organisation geschaffen, um den Kaffeekonsum zu fördern. Wird auch Kaffee im abgeschotteten Nordkorea genossen? Dazu sagt Chung Eun-chan vom Institut für Vereinigungserziehung in Seoul: 


Die Nordkoreaner wissen im Allgmeinen nicht viel über Kaffee. Sie trinken normalerweise traditionellen Tee, wie etwa Omija oder den Fünf-Geschmäcke-Beerentee und Ingwer-Beifuß-Tee, der gegen Fieber hilft und die Leberfunktionen belebt, den Gasiogapi oder sibirischen Ingwertee, der das Immunsystem stärkt, sowie den gerösteten Gemüse-Kassie-Samen-Tee, der gut für die Augen ist, und den Wasserpetersilien-Tee, der gegen Gelenkschmerzen hilft. Doch von Ende der 90er und Anfang der 2000er Jahre an wurde Kaffee in den oberen Schichten immer beliebter. Gegenwärtig entwickelt eine wachsende Zahl von Nordkoreanern einen neuen Kaffee-Geschmack. An zahlreichen Orten enstehen Cafés.


Früher wurde Kaffee in Nordkorea als Symbol des Kapitalismus gebrandmarkt. Viele Nordkoreaner hatten keinen Zugang zu dem Getränk. Sie bevorzugten daher Teegetränke, die als gesund erachtet wurden und die von bestimmten Unternehmen hergestellt werden. Doch die Kaffee-Trinkkultur wurde nach dem Zusammenbruch des Ostblocks eingeführt. Auch die Gründung des innerkoreanischen Industriekomplexes in Kaesong spielte eine Rolle: 


Nach der Auflösung der Sowjetunion Anfang der 1990er Jahre und des Ostblocks in Europa brachten nordkoreanische Studenten, die dort studiert hatten, die Kaffee-Kultur mit nach Hause. Kaffee wurde bei Angehörigen der Elite beliebt, die vor allem Kaffee aus Russland oder Vietnam genossen. Sie tranken den Kaffe schwarz mit einem eher bitteren Beigeschmack, da vorgemischter Kaffee mit Zucker und Creamer noch nicht zugänglich war. In den 2000er Jahren entstand in der nordkoreanischen Grenzstadt Kaesong als grenzüberschreitendes Wirtschaftsprojekt der Industriepark mit Südkorea. Etwa 54.700 Nordkoreaner arbeiteten dort bis zu Schließung im Februar 2016. Die Arbeiter erhielten Choco Pie, eine Art Schoko-Gebäck mit Marshmallow-Füllung, sowie Instant-Kaffee mit Zucker und Creamer. Die Nordkoreaner nannten den auch Stiel-Kaffee. Durch Mundpropaganda wurde dieser populär. 


Kaffee galt lange als Luxusprodukt, das sich nur die Elite erlauben konnte. Doch mit der Verbreitung des Instant-Kaffees, den südkoreanische Unternehmen im Kaesong-Industriekomplex verteilten, kamen auch die normalen Nordkoreaner auf den Geschmack. Der Instant-Kaffee nach südkoreanischem Stil wird auch heute noch auf den privaten Märkten, oder Jangmadang, gehandelt: 


Der Preis für Kaffee ist in Nordkorea recht hoch. Ein Bündel der Kaffeemischung, das aus 100 Päckcken besteht, kostet 72.000 bis 75.000 nordkoreanische Won. Der nordkoreanische Arbeiter verdient durchschnittlich im Monat 3000 Won. Sie müssen also den Lohn zwei Jahre lang sparen, um ein Bündel mit Kaffemischungen zu kaufen. Normale Bürger können sich das nicht leisten. Eine Tasse schwarzer Kaffee kostet in den Cafés zwei Dollar. Ein Dollar wird auf dem Schwarzmarkt für 8000 Won gehandelt. Das heißt, ein nordkoreanischer Arbeiter muss 16.000 Won, oder den Lohn von fünf Monaten, aufbringen, um eine Tasse Kaffee zu trinken. 


Ausländische Besucher, die in Nordkorea eine Tasse Kaffee bestellen, müssen in etwa den gleichen Betrag wie in einem guten Kaffeeladen in den USA zahlen. Trotz der hohen Preise öffneten seit Anfang 2010 Cafés in den großen Städten Nordkoreas:


Seit 2013, nachdem Kim Jong-un an die Macht gekommen war, öffneten in den großen Städten, darunter Pjöngjang, Cafés trotz der strengen Sanktionen des UN-Sicherheitsrats und der wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Ziel war es, Devisen zu einzuziehen, die von Einzelpersonen gehalten wurden, und das verborgene Geld für nationale Projekte zu verwenden. Die neu geöffneten Cafés sollten auch zeigen, dass die Nordkoreaner ihre freie Zeit an Kultur- und Unterhaltungsorten genießen können. 


Kaffeeshops öffneten 2011 in einem Geschichtsmuseum sowie einem Hotel in Pjöngjang, und 2015 auch im Internationalen Flughafen Sunan der Hauptstadt. Andere Regionen folgten, darunter Chongjin oder sogar die Grenzstadt Hyesan in der Provinz Ryanggang. Es wird gesagt, dass die wohlhabenderen Nordkoreaner ein- oder zweimal im Monat ins Café gehen. Besonders Studenten und junge Paare, die es sich leisten können, sind in den Kaffeeläden anzutreffen. Der Gang ins Kaffeehaus wurde zum Trend, als 2012 eine Szene zeigte, wie sich Machthaber Kim Jong-un und seine Frau Ri Sol-ju im Sunrise Café amüsierten. In den Supermärkten von Pjöngjang wird gebrühter Kaffe und Instant-Kaffee angeboten: 


Nordkorea produziert seinen eigenen Kaffee-Mix mit Zucker und Creamer. Er ist süßer als die südkoreanischen Sorten. Nordkorea hat seine eigene Instand-Kaffee-Marke, Sambok. Jedes Päckchen wiegt 12 Gramm, und 13,3 Prozent entfallen auf den Kaffee, was sehr ähnlich ist zu den südkoreanischen Produkten. Es ist schwierig zu sagen, was den Unterschied ausmacht.

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